„Eine Vision, Engagement und Durchhaltevermögen“ – diese drei Faktoren hält Professor Dr. Karlheinz Brandenburg für essentiell, wenn es darum geht eine Erfindung zu Geld zu machen. Der Erfinder des Audiokompressionsverfahrens MP3 hat es vorgemacht – und unterstützt nun die nächste Generation von Wissenschaftlern dabei, es ihm gleich zu tun.

„Ich möchte dazu beitragen, dass aus Ideen erfolgreiche Produkte und Firmen werden“, sagt Brandenburg. Deshalb steckt er einen Teil des Geldes, das ihm der MP3-Coup einbringt, in junge Technologie-Unternehmen; an zehn High-Tech-Gründungen hat er sich bis heute beteiligt. Und als Leiter des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie in Ilmenau sei er glücklich, dass er Ausgründungen fördern könne. „Neue Forschung von Unternehmen finanziert zu bekommen ist nach wie vor nicht einfach“, bedauert Brandenburg. Das hat er selbst leidvoll erfahren. Als der Wissenschaftler 1983 erste Kontakte in die Unterhaltungsindustrie zu knüpfen versuchte, habe er, etwa bei Grundig, nur skeptische Blicke geerntet. Heute lässt sich kaum abschätzen, wie viele Unternehmen von MP3 und allem, was damit zusammenhängt, profitieren. Doch zwischendurch gab es auch Rückschläge: Lange vor dem Erfolg des Apple iPod scheiterte etwa Compaq mit seinem MP3-Festplattenspieler.

Sicherheitsdenken blockiert

Deshalb verlangt der Ingenieur Durchhaltevermögen von seinen jungen Kollegen. Vielen fehle es außerdem an Engagement. Statt Gründergeist steckt der Wunsch nach einer sicheren Stelle in manchem genialen Kopf. „Aus Sicherheitsdenken werden die wirklich spannenden Themen übersehen“, sagt Brandenburg. Ein Appell für mehr Mut, den er während des „Family Day“ des High-Tech-Gründerfonds in Bonn nicht nur an potenzielle Gründer, sondern auch an die anwesenden Venture Capitalists und andere Geldgeber richtete, die oft viel zu schnell Ergebnisse und Gewinne sehen wollten. Von den Universitäten erwartet Brandenburg, dass sie „eine Kultur schaffen, in der es möglich wird, etwas aus Ideen zu machen.“

Glück gehört dazu

Vor allem eine Entwicklung bereitet Brandenburg Sorgen: die immer schärfere Trennung von Ingenieuren und Betriebswirten. Während die einen zwar eine technische Vision, aber kein Gespür für den Markt haben, sehen die anderen ständig alles durch die Zahlenbrille. Für technologiegetriebene Gründer kann das nur heißen, von Anfang an einen Partner ins Team zu holen, der die Kunden im Blick hat, der die Idee vermitteln und verkaufen kann. Eine solche Teamarbeit erfordert von beiden Seiten eine gute Portion Sozialkompetenz – auch das ist für manchen High-Tech-Entwickler ein Problem.

Eines allerdings können junge Gründer nicht von Brandenburg lernen. „Bei der MP3-Geschichte war viel Glück dabei“, sagt der Professor. Es sei erschreckend: „Manchmal haben wir erst hinterher festgestellt, dass wenn wir etwas anders gemacht hätten, es falsch gewesen wäre.“