Groupon Wandel Druck

Groupon: Investoren machen Druck

Das Management des US-Rabattportals Groupon (www.groupon.com) steht derzeit erheblich unter Druck. Grund dafür ist abseits der wenig zufrieden stellenden Geschäftszahlen aus dem vergangenen Jahr insbesondere die Prognose für das erste Quartal des laufenden Jahres, die nur wenig Besserung in Aussicht stellt: Mit einem erwarteten Umsatz von 560 bis 610 Millionen Euro steht das Unternehmen zwar nicht unbedingt wesentlich schlechter als im Schnitt des vergangenen Jahres da. Allerdings haben die Analysten angesichts der bereits seit einiger Zeit laufenden Neuorientierung hin zur Online-Handelsplattform mit mehr gerechnet, von bis zu 650 Millionen US-Dollar berichtet Bloomberg.

Aber auch die Investoren, die beträchtliche Beträge in das Unternehmen gepumpt hatten, dürften langsam aber sicher auf bessere Ergebnisse pochen. Gerüchteweise besteht mitunter eine Lock-up-Periode von fünf Jahren, im vergangenen Jahr war der Groupon-Marktwert im Rahmen mehrerer Negativschlagzeilen regelrecht dahingeschmolzen. Zuletzt war Ende November Tiger Global als neuer Geldgeber eingestiegen, während das Board des US-Unternehmens offen darüber diskutiert haben soll, ob Groupon-Chef und -Mitgründer Andrew Mason noch der richtige Mann für den Job sei.

Update vom 1. März 2013: Offenbar war der Druck doch zu groß: Groupon-CEO und Mit-Gründer Andrew Mason wurde gefeuert. Dieser schrieb den Mitarbeitern öffentlich: “Nach viereinhalb intensiven und wundervollen Jahren als CEO von Groupon möchte ich nun mehr Zeit mit meiner Familie verbringen. Nur Spaß – ich wurde heute gefeuert. Falls ihr euch wundert warum … dann habt ihr nicht aufgepasst. Von kontroversen Zahlen in unserem Geschäftsbericht über unsere materielle Schwäche bis hin zu zwei Quartalen, in denen wir unsere eigenen Erwartungen nicht erreicht haben, und einem Börsenkurs, der bei einem Kurs von einem Viertel des Ausgabepreises liegt, die Ereignisse des vergangenen Jahres sprechen für sich. Als CEO bin ich dafür verantwortlich.”

Das Board stehe derweil hinter der in den vergangenen Monaten eingeschlagenen Strategie, schreibt Mason weiter. Um ihn selbst solle man sich keine Sorgen machen, er wolle sein Wissen in andere Kanäle tragen. Den Groupon-Mitarbeitern empfielt er derweil, den Kunden wieder stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Groupon ist nach eigenen Angaben nun auf der Suche nach einem neuen Konzernchef. Übergangsweise übernehmen Mitgründer und Verwaltungsratschef Eric Lefkofsky sowie sein Stellvertreter Ted Leonsis das Ruder.

Zwar scheint man hinter der Abkehr vom reinen Couponing-Geschäft zu stehen, allerdings scheint der Umschwung nicht schnell genug Ergebnisse zu liefern. Das deutsche Gründerteam von Groupon/CityDeal hatte sich im vergangenen Jahr längst verabschiedet, mit Kinnevik ist einer der Geldgeber der ersten Stunde längst teuer ausgestiegen.

Zu langsamer Umschwung?

Groupon ist bei weitem nicht der einzige Couponing-Anbieter, der derzeit mit erheblichen Problemen zu kämpfen hat. Gerade vor wenigen Tagen erst hatte sich der US-Suchmaschinenriese Google von der im September 2011 für 114 Millionen US-Dollar hoffnungsvoll erworbenen Schnäppchen-Plattform DailyDeal verabschiedet, die nun wieder von den Gründern Fabian und Ferry Heilemann geführt wird. Auch DailyDeal hatte längst ein Shop-Angebot gestartet, um dem rückläufigen Gutschein-Geschäft entgegnen zu treten. Die Amazon-Beteiligung LivingSocial macht derweil mit wirren Finanzierungsdetails auf sich aufmerksam. Einige kleinere Anbieter wie Centerdeals sind bereits wieder von der Bildfläche verschwunden, bei weiteren scheint es derzeit heftig zu kriseln.

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Allerdings stellt sich die Frage, wie die Positionierung der Couponing-Anbieter als E-Commerce-Plattformen genau aussehen soll. Konkrete Antworten wie man die ausufernden Kosten für Vertrieb und Verwaltung sowie immer weiter sinkende Margen in den Griff bekommen will, sind die Anbieter bislang schuldig geblieben. Angesichts der bestehenden Händlerbeziehungen ist der Shop-Gedanke zwar naheliegend. Gegenüber der Marktmacht von großen Online-Versendern wie Amazon oder spezialisierten Anbietern wie letztendlich auch Fab.com, die jeder auf seine Weise ebenfalls Plattformen darstellen, fehlt allerdings die Profilierung – und reine Marktplatzangebote konnten sich schon in der Vergangenheit kaum durchsetzen.

Der Fokus auf den sogenannten Local Commerce muss also bestehen bleiben, wenn die bisherigen Couponing-Anbieter überleben wollen. Ganz aussichtlos ist das nicht, abseits von reinen (Massen-)Produktangeboten ließen sich etwa Dienstleistungen oder lokale Angebote durchaus auf diesem Wege vermarkten. Dazu werden Groupon, DailyDeal und Co allerdings weitaus kräftiger umbauen müssen, als sie es bisher tun. Gerade für den Platzhirschen Groupon dürfte sich das unter den wachsamen Augen der Börse schwierig gestalten – zumindest solange der Local-Commerce-Markt noch nicht ausreichend aufgebaut und definiert ist.

Verlust von 67,4 Millionen US-Dollar

Ambivalent zeigen sich derweil die Zahlen des Groupon-Geschäftsjahres 2012: Zwar hatte das Unternehmen für das Gesamtjahr 2012 einen Anstieg der Einnahmen um 35 Prozent von 1,6 auf 2,3 Milliarden US-Dollar. Dabei konnte vor allem im Heimatmarkt USA ein Umsatzanstieg verzeichnet werden und die Zahl der aktiven Kunden – darunter versteht Groupon jene, die in den zurückliegenden zwölf Monaten über die Plattform eingekauft haben – stieg nach Angaben des Unternehmens von 33,7 Millionen auf 41 Millionen an.

Auch wenn im vierten Quartal ein operatives Minus von 13 Millionen US-Dollar zu Buche stand, wurden insgesamt 98 Millionen US-Dollar an operativen Erträgen erzielt. Gegenüber einem Gesamt-Minus von 233,4 Millionen US-Dollar im vorangegangenen Jahr ist das zwar eine deutliche Verbesserung. Unter dem Strich sahen sich die Aktionäre dennoch einem Minus von 67,4 Millionen US-Dollar gegenüber. An der Börse wurde das gleich quittiert, um knapp 30 Prozent verlor die ohnehin schon abgestürzte Aktie im nachbörslichen Handel.

Insbesondere der Anteil des Auslandsgeschäft am Umsatz verringerte sich deutlich: Wurden im vorangegangenen Jahr noch fast zwei Drittel im internationalen Geschäft – zu dem auch das frühere CityDeal der Samwer-Brüder hierzulande gehört – war das Verhältnis im Gesamtjahr 2012 etwa fifty-fifty. Es dürfte also nicht ganz auszuschließen sein, dass Groupon in den kommenden Monaten die eine oder andere internationale Niederlassung dicht machen wird – sobald sich abzeichnet, dass das neue Konzept (dort) nicht den erhofften Erfolg bringt. Angesichts des Drucks, unter dem das Groupon-Management derzeit steht, wird man entsprechende Entscheidungungen sicherlich nicht ewig hinauszögern können.

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