Groupon-Exit, Google, Amazon, Yahoo, abgesagt

Es war das Spekulationsthema in praktisch jedem Blog zu Onlinethemen dieser Tage: Übernimmt Google wirklich Groupon? Und wäre das denn sinnvoll? Zunächst stand eine Summe von 2,5 Milliarden US-Dollar im Raum, später waren es sogar sechs Milliarden. Wie sich nun zeigt, ging das Google-Angebot wohl wirklich in Richtung sechs Milliarden US-Dollar – angenommen hat es Groupon jedoch nicht.

Google machte ein Angebot, das Groupon ablehnen konnte

Gründerszene selbst hatte in der letzten Woche über die Übernahme-Gerüchte berichtet und wurde zum Teil angeschrieben, warum denn ein Fragezeichen hinter dem Titel stünde, es sei doch anscheinend schon alles klar. Wie sich nun zeigt, war wohl nicht alles klar, zumindest nicht von Seiten Groupons: Groupon hat nach Amazon und Yahoo! nun auch Google eine Absage erteilt.

Die Absage des Liveshopping-Anbieters lässt sich bereits in zahlreichen Veröffentlichungen im Web nachvollziehen, hier eine  Auswahl:

Der Tenor: Anscheinend war Groupon die angebotene Summe aller Anbieter nicht hoch genug, wähnt sich das Unternehmen doch auf einer vielversprechenden Marktposition in Sachen Liveshopping. Um zu einem potenten Exit zu kommen bleibt dem US-Unternehmen nun eigentlich nur noch ein Börsengang – ein Weg, den auch Twitter und Facebook gehen dürften. Mit den Kauf-Gerüchten und den doch sehr hohen Summen, die im Gespräch waren, dürfte sich Groupon nun einer maximalen Aufmerksamkeit erfreuen, was sowohl einen möglichen Börsengang als auch das Ankurbeln des Tagesgeschäfts weiter befördern dürfte.

Groupons Unabhängigkeit – ein Segen?

Die Reaktionen auf Groupons Absage fielen unterschiedlich aus. Die FAZ bedachte die Samwer-Brüder mit ein paar Zeilen,  müssen die drei CityDeal-Gründer doch vorerst auf in der Szene kolportierte sieben Prozent von Groupons Exitsumme  verzichten. Exciting Commerce bestärkte Groupon in seiner Entscheidung für mehr Unabhängigkeit, weil es einen Exit für übereilt empfunden hätte.

Für Google wäre die Übernahme von Groupon sicherlich ein effektiver Weg gewesen, um mit einem Schlag potent in das Onlinegeschäft mit lokalen Anbietern einzusteigen. Doch vielleicht ist dieser Schritt auch für Google zunächst besser, liegt doch die Kompetenz des Suchmaschinenriesen aus Mountainview vor allem in der automatischen Verarbeitung von Daten und weniger im lokalen Salesbetrieb. Oder wie Albert Wenger von Union Square Ventures  es formuliert: „Google is a technology company and Groupon is a people company.“

Groupon selbst ist derzeit so stark am wachsen, dass es womöglich auch nicht förderlich gewesen wäre, nun einen Exit zu begehen, denn glaubt man All Things Digital, dürfte Groupon für 2010 auf einen Umsatz von zwei Milliarden US-Dollar kommen. In trockenen Tüchern ist Groupons Erfolg dennoch noch lange nicht. In Europa gilt das Unternehmen als nicht profitabel und mit Rebate Networks (www.rebatenetworks.com) und Group Buying Global hat Gründerszene auch bereits zwei europäische Klonstätten des Groupon-Modells vorgestellt.

Immerhin schläft doch auch die Konkurrenz nicht: So hat sich etwa das von Groupon verprellte Amazon mit 175 Millionen US-Dollar an dem US-amerikanischen Groupon-Klon LivingSocial beteiligt, der aber auch deutlich hinter Groupon rangiert. Ob Groupon also nachhaltig an der Börse Erfolg haben kann, wird von der weiteren Performance des Unternehmens abhängen und davon, ob Groupon den reinen Bereich der Local-Deals verlassen und wirklich (wie von Exciting Commerce prognostiziert) ein Infrastruktur-Unternehmen sein kann, das ein weltweites Vertriebsnetzwerk aufbaut und  sich anschließend zusehends zum Selbstbedienungssystem wandelt.

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Bildmaterial: Vidrio