Hanse Ventures, Sarik Weber, Jochen Maaß, Bernd Kundrun, Rolf Schmidt-Holtz

Bisher wird beim Inkubator Hanse Ventures (www.hanse-ventures.de) in Sachen Öffentlichkeitsarbeit eher zurückhaltend agiert – lediglich das derzeitige Portfolio bestehend aus Carmio (www.carmio.de), HochzeitsPlaza (www.hochzeitsplaza.de), TopTranslation (www.toptranslation.com) und Captain Travel (www.captaintravel.de) ist bisher an die mediale Außenwelt gedrungen. Mit Captain Travel findet sich nun ein erster Beleg, dass es unter der Oberfläche des noch recht jungen Inkubators jedoch anscheinend brodelt: Das gesamte Gründerteam und die Minderheitsinvestoren sind abgesprungen – ein Einzelfall?

Captain Travel im freien Fall

Es waren gleich mehrere Hinweise auf eine schlechte Grundstimmung im Hanse-Ventures-Umfeld, die an die Gründerszene-Redaktion heran getragen wurden. Sichtbar belegen lässt sich dies nun anhand von Captain Travel, einem Online-Reisebüro, das anscheinend nur noch ein Dasein als Online-Zombie fristet und laut Gesellschafterliste inzwischen ohne Gründerteam und externe Investoren ist.

Ursprünglich war Captain Travel als ein Lead-Generation-Projekt für Reisen vorgesehen, das zunächst Traffic über Suchmaschinenoptimierung (SEO), Affiliate-Marketing und anschließend über Eigenvertrieb generieren sollte. Glaubt man einem involvierten Insider, gelang der Traffic-Aufbau via Affiliate-Marketing gar nicht und die angestrebten SEO-Maßnahmen griffen erst sehr langsam, ist der Reisemarkt im SEO-Bereich doch sehr umkämpft. Der Traffic, der es dann doch auf Captain Travel schaffte, konnte wohl auch nicht nachhaltig monetarisiert werden.

Es scheint, als habe das Modell nicht so konvertiert, wie man es sich bei Hanse Ventures vorstellte, während es auch keine ausreichende Vorrecherche gegeben haben soll – glaubt man besagtem Insider. Ein Adwords-Test im Vorfeld hätte sicherlich früh Aufschluss geben können, ob das Captain-Travel-Modell funktoniert. So zeigte sich wohl erst während des Betriebes, dass die Conversion überhaupt nicht funktionierte: Für seine Rentabilität hätte sich Captain Travel dramatisch steigern müssen. Gründer Florian Rudolph gibt hingegen zu bedenken, dass Captain Travel durchaus funktionieren können, einige der Entwicklungsprozesse aber etwas mehr Geduld erfordern würden.

Gründer und Investoren springen bei Captain Travel ab

Es waren wohl vor allem handwerkliche Fehler wie das Ausbleiben eines rechtzeitigen SEM-Tests oder eine stringent durchgeführte SEO-Arbeit, die Captain Travel unattraktiv mach(t)en. So sind nun alle Minderheitsgesellschafter raus gekauft worden: Es verbleiben lediglich die Management-Mitglieder von Hanse Ventures als Anteilsinhaber und Hanse Ventures selbst hält nun 84 Prozent an Captain Travel (zuvor 48 Prozent).

Arne Kahlke, André Vollbracht, Konrad Zinke und Holger Schnittker sind keine Gesellschafter von Captain Travel mehr und gaben – vermutlich unter Wertverlust – ihre Beteiligungen ab. Vor allem sind auch Julian Jünemann und Florian Rudolph, die das Unternehmen als Gründer an den Start gebracht haben, nicht mehr von der Partie.

Auf Anfrage bestätigte Hanse-Ventures-Gründer Sarik Weber, dass man sich vom Gründer- und Investorenteam getrennt habe, nachdem klar wurde, dass das Captain-Travel-Thema kein einfaches ist und die gemeinsam gesteckten Ziele nicht erreicht wurden. Auf die Frage, was er im Nachhinein hätte anders machen können, gibt der Hamburger Unternehmer zu verstehen, dass es denkbar gewesen wäre, mit einem erfahreneren Team zu gründen, er aber eigentlich weiterhin an die beiden Gründer glaube.

Für eine externe Finanzierung soll Captain Travel zu schlecht performt haben und auch aus seinen eigenen Umsätzen habe sich das Unternehmen nicht tragen können, gibt Weber weiter zu Protokoll. Schließen wollte man das StartUp bei Hanse Ventures dennoch nicht. Ganz im Gegensatz zu den anderen Beteiligten: Mit Ausnahme von Hanse Ventures sollen die Beteiligten Gründer und Business-Angel an einer Liquidierung des StartUps interessiert gewesen sein, doch als Minderheitsgesellschafter wurde ihnen dies verwehrt. Sorgte sich Hanse Ventures eventuell um ein Imageproblem?

Einige der Beteiligten sind gefrustet und spekulieren sogar auf ein System hinter den Rauskäufen: Lässt Hanse Ventures seine StartUps auf kleiner Flamme wachsen, wartet den Wertverfall ab und kauft anschließend den Minderheitsgesellschaftern günstig ihre Anteile ab? Wohl kein attraktives und auch nicht unbedingt ein wahrscheinliches, weil nicht nachhaltiges Szenario.

Miese Grundstimmung im Hanse-Ventures-Umfeld

Als Venture-Capitalist wie auch als Inkubator zählt das Scheitern von StartUp-Ideen leider zum Tagesgeschäft – so vielleicht auch geschehen bei Captain Travel. Mittlerweile soll ein neuer Geschäftsführer bei Captain Travel installiert worden sein, der mit neuer Businesskalkulation Umsätze und Traffic bei Captain Travel steigern soll. Mit neuem Team wollen Sarik Weber und Co. das Ruder rumreißen und selbst wenn dies nicht gelingt, sei es ja nicht ungewöhnlich, dass von fünf StartUps eins funktioniert, meint Weber. Stichwort erfahreneres Team: Der neue Geschäftsführer von Captain Travel kommt quasi direkt von der Universität.

Und dennoch lässt sich vielerorts vernehmen, dass die Stimmung bei den Hamburgern nicht gut sein soll. Irritierenderweise ist es ausgerechnet der SEO-Part, mit dem viele der StartUps von Hanse Ventures zu kämpfen haben sollen, obwohl mit Artaxo-Gründer Jochen Maaß sogar ein ausgewiesener SEO-Experte an Bord der Hanse-Kogge ist.

Jenseits dessen berichten einige der betroffenen Beteiligten von nicht eingehaltenen Zusagen, Hochmut und schlechter Execution beim Hamburger Inkubator. Ob es sich dabei nur um die ab und an in der Geschäftswelt entstehenden Meinungsverschiedenheiten handelt oder ob das Hamburger Gründungskonzept überdacht werden sollte, wissen wohl nur die Betroffenen selbst. Die Entwicklung von Captain Travel und der damit einhergehende Absprung von Gründern und Investoren wirft aber sicherlich kein gutes Bild auf die Stimmung bei Hanse Ventures.

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