Da waren es nur noch zwei: Mit Dealstreet ist, wie von Gründerszene vorletzte Woche bereits prognostiziert, eines der drei Samwer-StartUps vom Netz genommen worden, denen die drei Jamba-Brüder die weitere Unterstützung versagen. Gründerszene brachte in Erfahrung, dass eCareer, DealStreet und MyBrands zukünftig wohl nicht mehr von Rocket Internet, dem Inkubator der Samwer-Brüder Alexander, Marc und Oliver betrieben werden. Und während sich Ecareer zurzeit um eine externe Finanzierung bemüht und Mybrands in Gesprächen für einen Merge sein soll, wurde bei DealStreet der Stecker gezogen.

Ursache der Aufgabe ist – wie Gründerszene schon berichtet hatte – wohl vor allem das schwierige Geschäftsmodell. DealStreet hat es mit einem geschäftsmodellinhärenten Problem zu tun, bei der gegen Konkurrenz gearbeitet wird, die mit “schmutzigen Mitteln” arbeitet. Hinzu kommt, dass der Markt begrenzt ist und dessen Nutzer keine hohe Kundentreue aufweisen. Dabei hat DealStreet anscheinend mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie das Vorbild Swoopo, das binnen kurzer Zeit schon den dritten CEO auf das Thema ansetzt: Das Geschäftsmodell sieht auf den ersten Blick gut aus, birgt aber einige Tücken.

DealStreet und Swoopo bieten Live-Shopping mit einem Entertainment-Auktionsverfahren: Bei einer Auktion steigt durch abgegebene Gebote der Gesamtpreis des Produktes um einen Betrag, der kleiner ist als jener, der für das Gebot bezahlt wurde. Gleichzeitig verlängert sich automatisch die Auktionszeit und am Ende der Auktion erhält jener Teilnehmer, der zuletzt geboten hatte, den Zuschlag.  Im Falle von DealStreet erhält nun das Insolvenzgericht den Zuschlag, dass sich für die Extra-Arbeit bei den zahlreichen kleinen Liveshopping-Anbietern bedanken darf, die aus ausländischen Gesetzesparadiesen heraus konkurieren und die deutschen Gesetze teilweise so großzügig biegen, das DealStreet anscheinend nicht mithalten konnte.

Und bei CityDeal, Zalando und eDarling, dorthin ist aufgrund größerer Erfolgsaussichten nämlich das Führungspersonal versetzt worden – Rocket Internet fokussiert seine Unternehmungen, nachdem anscheinend an zu vielen Baustellen gleichzeitig geschraubt wurde. Besonders Crédit Agricole dürfte die Pleite bitter aufstoßen, hatte man mit DealStreet doch erst vor vier Monaten die Zusammenarbeit mit Rocket Internet begonnen. Neben den Franzosen hatte auch eVenture Capital Partners in DealStreet investiert, dessen Counter drehen sich nun aber nicht mehr weiter.

Auch Rabattschlacht geht offline

Doch nicht nur im Samwer-Umfeld wurde ein Liveshoppingdienst geschlossen: auch Rabattschlacht, ein Entertainment-Shoppingdienst aus der Feder der aha.de Internet GmbH ist nicht mehr. Das zwei Jahre alte Unternehmen gehörte Seriengründer Jens Kunath und Dirk Ströers Beteiligungsgesellschaft Media Ventures – beide Unternehmer hatten vor zehn Jahren gemeinsam den Online-Vermarkter orangemedia.de gegründet. Rabattschlacht fiel ebenfalls dem zu schlecht angenommenen Geschäftsmodell zum Opfer. Auf seinen Seiten gibt auch Rabattschlacht zu verstehen, dass “Das Geschäftsmodell […] vom Markt leider nicht so angenommen [wurde], wie wir uns das vorgestellt haben. Insbesondere fehlte für eine Fortführung die langfristige Perspektive.”

Bei der  Liveshopping-Plattform Rabattschlacht wurde täglich ein Produkt angeboten, von dem die Nutzer aber nicht wussten, was es kosten würde. Nur durch den Einsatz von Geld konnte der Preis erfragt und gleichzeitig um einige Cent gesenkt werden. Sagte einem der Preis zu, konnte das Produkt gekauft werden oder man versuchte es später noch einmal bei Rabattschlacht. Kaufte ein Nutzer das Produkt vorher, ging das Auktionsprinzip aufs Neue los. Auch Rabattschlacht belegt neben DealStreet, dass der  ursprünglich durch Swoopo hervorgebrachte Ansatz in der Praxis schwer durchzuführen ist. Bei Rocket Internet wurde sich daher auf viel versprechendere Modelle konzentriert (Zalando, CityDeal, eDarling) und auch Kunath und Ströer dürften sich nun neuen Projekten widmen.

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