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Bettermarks darf mit Holtzbrinck rechnen: Der Münchener VC Holtzbrinck Digital unterstützt die Lernplattform für den Mathematikunterricht mit einem Investment von zwei Millionen Euro und sichert sich damit zehn Prozent an der bm GmbH, die hinter Bettermarks steht. Die strategische Partnerschaft mit Holtzbrinck wollen der Bettermarks-CEO Arndt Kwiatkowski und Marianne Voigt nutzen, um über die internationale Verlagstochter Macmillan neue Märkte zu erschließen. Mit seinem Investment in das Bildungsangebot baut Holtzbrinck sein vertikales Bildungsportfolio weiter aus.

Bettermarks erschließt Südamerika

Wie bekannt wurde, darf sich die Berliner Lernplattform Bettermarks über ein Investment von zwei Millionen Euro durch den Münchener Investor Holtzbrinck Digital freuen. Bettermarks möchte das Investment nutzen, um sein Lernsystem für Mathematik weiter auszubauen und die Vermarktung auch international ins Rollen zu bringen. Über die englischsprachige Holtzbrinck-Tochter Macmillan kann das Berliner Startup Wachstumsmärkte in Asien und Südamerika erschließen.

Bettermarks sei „eine echte Innovation im Bereich des adaptiven Lernens“, so Michael Brockhaus von Holtzbrinck Digital. „Derartige für Schüler und Lehrer gleichermaßen hilfreiche digitale Lernsysteme werden eine wichtige Rolle bei der Vermittlung von Bildungsinhalten spielen, insbesondere in unseren stark wachsenden internationalen Märkten. Bettermarks ist insoweit bei unseren Investitionsschwerpunkten Internet und Bildung eine hervorragende Ergänzung.“ Neben Investments in namhafte Inkubator-Gründungen (Zalando, Glossybox, Delivery Hero) scheint Holtzbrinck seit mehreren Jahren ein vertikales Portfolio im Onlinemarkt für Bildung aufzubauen.

Matheskills im Abo

Das interaktive Lernportal für das Schulfach Mathematik wurde 2008 vom Gründertriumvirat Arndt Kwiatkowski (Mitgründer der Scout-Gruppe), Marianne Voigt  und Christophe Spéroni aus der Taufe gehoben. Das Team möchte Schüler ab der vierten Klasse im Problemfach Mathematik unterstützen und Lehrern helfen, den Unterricht effizienter zu gestalten.

Schüler und Lehrer können das didaktische Angebot der Lernplattform im Unterricht kostenfrei nutzen. Um auch zuhause pauken zu können, zahlt man eine Gebühr von 9,95 Euro monatlich. Im Interview mit Gründerszene erklärte CEO Arndt Kwiatkowski, wie die Firma den Erfolg ihres Lehrkonzepts durch wissenschaftliche A/B-Tests bestätigen konnte.

Bei einem Blick ins Handelsregister sticht die lange Liste der beteiligten Gesellschafter ins Auge: Schon früh hat die Geschäftsführung damit begonnen, die Bettermarks-Mitarbeiter in Form von Anteilen am Unternehmenserfolg zu beteiligen. Im Mai 2010 schloss das Team von Bettermarks dann die erste große Finanzierungsrunde in Höhe von fünf Millionen Euro ab – zur Riege der sogenannten FFF-Investoren („Family, Friends and Fools“) gesellten sich hier auch institutionelle Geldgeber wie Sozialinvestor BonVenture und die KfW.

Wie Gründerszene berichtete, bestand das Team schon zu diesem Zeitpunkt aus circa 60 Mitarbeitern. Laut aktuellen Unternehmensangaben haben 2012 bereits mehr als 3.000 Lehrer Bettermarks genutzt. Das Team besteht zur Zeit aus circa 80 Mitarbeitern und macht bisher nur geringe Umsätze.

Holtzbrinck investiert verstärkt in Bildung

Die digitalen Beteiligungsgesellschaften der Holtzbrinck-Verlagsgruppe stellen sich im Onlinemarkt für Bildungsangebote immer breiter auf. Schon im Juli 2010 erwarb Holtzbrinck Digital die restlichen Anteile der Nachhilfeplattform Tutoria – zuvor hielt die Holding bereits 76 Prozent des Startups. Unter dem Namen Studitemps hält der Verlag mehrere Jobvermittlungen für Akademiker im Portfolio.

Erst Ende vergangenen Jahres sicherte sich der VC-Arm Holtzbrinck Ventures 14 Prozent an der Leipziger Bildungsplattform Lecturio und verstärkt damit das Bildungsangebot der Verlagsgruppe aus München erneut. Über das Angebot der zwei Absolventen der Leipzig Graduate School of Management (HHL), Martin Schlichte und Tim Koschella, ist es möglich, Vorlesungen vom heimischen Bilschirm aus zu verfolgen.

Von SaaS bis Mass-Customization – Onlinebildung im Wachstum

Im Gründerszene-Interview bezeichnet Lecturio-Gründer Martin Schlichte die Bildungsbranche als „eines der nächsten großen Digitalisierungsthemen“ und beziffert das weltweite Marktvolumen auf sieben Billionen Dollar. Selbstredend will da auch in Deutschland mehr als ein junges Startup einen Teil vom Kuchen abhaben: Die Berliner von Sofatutor bieten Lehrvideos für Schüler und Studenten an, Cobocards aus Aachen hilft bei der Erstellung von personalisierten Karteikarten und über die Software von Iversity soll Studenten und Hochschulmitarbeitern das kollaborative Arbeiten erleichtert werden.

Welches dieser Modelle ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept verfolgt, bleibt abzuwarten. Bettermarks zumindest konnte mit Holtzbrinck Ventures einen der wichtigsten deutschen Web-Investoren von sich überzeugen.