Mit der Freischaltung der Domain Youisnow.de erblickte vor kurzem ein neuer Inkubator das Licht der Welt, hinter dem sich Deutschlands größtes Immobilienportal ImmobilienScout24 (www.immobilienscout24.de) versteckt. Das Internetunternehmen aus Berlin möchte so seine personale und prozessuale Infrastruktur nutzen, um neue Innovationen mit Web-StartUps anzustoßen.

Als hauseigene „StartUp-Plattform“ wird You Is Now (www.youisnow.de) in großen Lettern auf der ImmobilienScout24-Website angekündigt. Hinter diesem Namen verbirgt sich ein klassischer Inkubator, mit dem ImmobilienScout24 das Ziel verfolgt, viel versprechenden jungen Gründern mit den eigenen Ressourcen dabei zu helfen, ihre Geschäftsidee zu entwickeln. Der Grundgedanke von You Is Now besteht in einem Frühphasendeal: ImmobilienScout24 stellt Prozesse, Ressourcen und etwas Kapital zur Verfügung und erhält dafür Anteilsoptionen.

Federführend bei You Is Now wird zu großen Teilen Torsten Oelke sein, ein ehemaliger McKinsey-Berater, der vielen durch seinen Buchtitel „Stars des Internets“ bekannt sein dürfte und der zuletzt Teil der DTO Unternehmensgruppe war, wo seine Fachbereiche bei Internet, Venture-Capital, Private-Equity, der Energiewirtschaft sowie – nicht ganz unpassend – bei Immobilienportalen lagen. Mit Torsten Oelke scheint die Wahl auf einen externen Experten gefallen zu sein, dessen Erfahrungen als Unternehmensberater gepaart mit dem Knowhow in Sachen Immobilienportale beim Aufbau von You Is Now dienlich sein könnten.

So funktioniert You Is Now

Konkret funktioniert You Is Now wie folgt: Angehende Gründer können sich mit einem Konzept oder der Vorstellung eines schon gegründeten Unternehmens bei You Is Now bewerben. Ein bis ins letzte Detail ausgearbeiteter Businessplan ist dabei weniger wichtig, als ein gut funktionierendes Team und eine Idee, zu der ImmobilienScout24 einen entsprechenden Input liefern kann. Zwar werden Ideen bevorzugt, die „einen Bezug zu den Wertschöpfungsketten der Anbieter, Nachfrager oder Vermarkter in der Immobilienwirtschaft aufweisen“, diese Nähe zu dem Tätigkeitsbereich von ImmobilienScout24 ist aber keine zwingende Voraussetzung für das Zustandekommen einer Zusammenarbeit.

Einen gewissen Themenfokus gibt es dennoch: ImmobilienScout24-CEO Marc Stilke erklärte gegenüber Gründerszene, dass primär nach Ideen Ausschau gehalten wird, die entweder einen Immobilien-Aspekt behandeln, mit dem Aufsetzen von Marktplätzen zu tun haben oder Mobile-Themen wie Location-based Services streifen – Themen also, zu denen ImmobilienScout24 einen Input zu geben vermag und die dem Unternehmen auch direkt nutzen könnten.

Wird die Idee bzw. das Unternehmen dann als viel versprechend erachtet, so wird der Bewerber zu einem Pitch eingeladen, bei dem der Beitrag des ImmobilienScout-Inkubators für den Erfolg der Geschäftsidee eingeschätzt werden soll. Ist diese letzte Hürde genommen, winken dem Bewerber die Aufnahme in die You-Is-Now-Plattform und ein StartUp-Paket im Wert von 500.000 Euro.

Zur Deal-Mechanik von You Is Now

Der so entstehende Deal wird mit einem Kooperationsvertrag besiegelt, der ImmobilienScout24 für seine Leistungen die Option auf eine Beteiligung einräumt. Laut Informationen, die Gründerszene exklusiv erhalten hat, sollen sich die Optionen auf Anteile im niedrigen zweistelligen Bereich bewegen, eine Beteiligung irgendwo zwischen zehn und 30 Prozent dürfte also realistisch sein. Zum Vergleich: Lars Hinrichs‚ Pre-Seed-Inkubator HackFwd fordert für eine einjährige Förderung 27 Prozent (plus drei Prozent für Mentoren).

Für einen Zeitraum von zwölf Monaten kann der „Auserwählte“ auf die komplette Struktur von ImmobilienScout24 zurückgreifen, bekommt Büroräume und Infrastruktur zur Verfügung gestellt, erhält Support bei der Administration und profitiert von Knowhow in Bereichen wie Online-Marketing, Buchhaltung, Recht sowie IT-Entwicklung und Produktmanagement. Zusätzlich wird er von Mitarbeitern von ImmobilienScout24 gecoacht und erhält regelmäßig Feedback durch ein Expertengremium. Laut Website ist das Ziel von You Is Now „die Realisierung eines Beta-Prototyps oder der Nachweis des Proof of Concept, um Ihr Unternehmen für die erste Finanzierungsrunde fit zu machen“.

12 Monate You Is Now – und dann?

Sollte ImmobilienScout24 auf die oben erwähnten Optionen verzichten, so entstehen dem Geförderten keine weiteren Verpflichtungen – ein Fall, der wohl nur mit dem Worst-Case-Szenario eintritt, dass sich die eigene Idee nicht als sonderlich lukrativ erwiesen hat. Doch wie sieht das Erfolgsszenario nach der zwölfmonatigen Förderung aus?

Gegenüber Gründerszene erklärte Marc Stilke, CEO von ImmobilienScout24, dass auch nach der initialen Förderung mit Unterstützung durch das Immobilienportal gerechnet werden kann. Ist die Seed-Finanzierung ausgelaufen, beteiligt sich IS24 aktiv an der Vermittlung von Venture-Capital als Anschlussfinanzierung. Als Telekom-Tochter dürfte hier vor allem T-Venture auf den Plan rücken. Das Venture-Capital-Unternehmen der Deutschen Telekom hält neben vielen kleineren weltweiten Beteiligungen unter anderem 35 Prozent der Anteile an Sevenload und 33 Prozent der Anteile an MyON-ID.

Ein nach der Förderung von ImmobilienScout24 folgender Einstieg von T-Venture wurde von Stilke als optional möglich eingestuft. Es besteht aber ebenso wenig eine Pflicht wie eine Garantie. Mit den Kontakten eines ImmobilienScouts im Hintergrund dürfte sich aber auch so die ein oder andere VC-Tür öffnen.

Wie ist der Inkubator von ImmobilienScout24 zu bewerten?

Geneigte Gründer mögen sich fragen: Was hat ein „Internet-Konzern“ wie ImmobilienScout24, der komplett von der Telekom gehalten wird, jungen Gründern mit innovativen Ideen zu bieten? In aller erster Linie wohl eine gut funktionierende Infrastruktur und stark optimierte Prozesse, von denen auch ein neues Unternehmen profitieren könnte. Was ImmobilienScout24 neben einem verzweigten Kontaktnetzwerk auszeichnet, dürften vor allem effektive Prozesse sein, sodass Gründer gleich mit den entsprechenden Schritten loslegen können, ohne lange auf die Suche nach Personal und Expertise gehen zu müssen.

Wer schon etwas Erfahrung mit Webthemen hat, wird wohl eher den Weg über Eigenkapital oder gut vernetzte Business-Angel gehen, doch für Gründer, die sich noch nicht so firm mit Web-Thematiken fühlen, hält You Is Now effiziente Prozesse und eine sichere Finanzierung bereit. Als Inkubator könnte ImmobilienScout24 mit You Is Now so die richtigen Impulse für frische StartUps geben. Die Konditionen des Inkubators sind je nachdem, was „niedriger zweistelliger Prozentbereich“ bedeutet, normal bis leicht teuer.

Angehende Gründer könnten wohl auch fürchten, dass sie es mit einer trägen, konzern-langsamen Struktur zu tun haben, bei der die Telekom stark am Ruder dreht. Doch Marc Stilke versicherte gegenüber Gründerszene das ebensolche Szenarios ausgeschlossen werden sollen. ImmobilienScout24 sei unabhängig genug, um das Inkubator-Thema selbstbestimmt anzusteuern und soll auch mit dem notwendigen Tempo agieren können. Eine solche Struktur dürfte auch für das gesamte Scout-Unternehmen nötig sein, soll dieser innovative Ansatz nachhaltig aufgehen. Für ImmobilienScout24 selbst kann You Is Now genau der richtige Weg sein, um wieder innovative Neuerungen im Tagesbetrieb zu gewährleisten. Ob sich die Zusammenarbeit mit You Is Now vor diesem Hintergrund für den jeweiligen Gründer anbietet, hängt in großen Teilen sicher davon ab, welche Ansprüche dieser an eine Zusammenarbeit stellt. Für die Szene als Ganzes ist die Entwicklung von You Is Now in jedem Falle förderlich.

Artikel zu Inkubatoren:

Mitarbeit: Joel Kaczmarek