Index Ventures Millionenfond

Index Ventures miteiner Milliarde für Startups

Erst im November 2011 hatte Index Ventures seinen mit 500 Millionen Euro bisher größten Wachstumsfonds aufgestellt. Nun verkündet der VC, der erfolgreiche deutsche Startups wie SoundCloud (www.soundcloud.com) oder NumberFour (www.numberfour.eu) zu seinem Portfolio zählt, einen Early-Stage-Fonds in der Größe von 350 Millionen Euro. Investment-Hubs sind Berlin, London, New York, San Francisco, Stockholm und Tel Aviv. Gründerszene sprach mit Index-Ventures-Partner Mike Volpi exklusiv über den neuen Millionen-Fonds, Early-Stage-Finanzierungen und die deutsche Startupszene.

Index Ventures ist einer der größten Venture-Capitalists Europas. Der VC will unternehmerische Spitzenteams vor allem aus den Bereichen der Informationstechnologien sowie Biowissenschaften dabei unterstützen, ihre Firmen in eine marktbestimmende Führungsposition zu bringen – meistens investiert Index dabei in internationale Themen.

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Erst im November 2011 stellte Index Ventures seinen bisher größten Fonds auf. 500 Millionen Euro sammelte das Venture-Capital-Unternehmen in einem Fonds für Wachstumsinvestments. Nach dem 400-Millionen-Euro-Topf im Jahr 2008 ist dieser bereits der zweite Wachstumsfonds des VCs und der größte seiner bisherigen Fonds insgesamt. Zuletzt schloss Index im März 2012 mit Johnson & Johnson and GSK einen neuen Fonds für Life-Science-Investments in der Größe von 150 Millionen Euro. Der neue 350-Million-Euro-Fonds fokussiert sich laut Index-Ventures-Partner Mike Volpi insbesondere auf Series-A-Runden – etwa 35 bis 40 Investments sollen mit dem neuen Fonds getätigt werden. Etwa 20 Millionen Euro des Fonds sollen laut Volpi in kleinere Seed-Investments fließen.

Der 350-Millionen-Euro-Fonds ist demnach einer von drei Fonds mit einem Gesamtvolumen von einer Milliarde Euro, die Index Ventures in den vergangenen zwölf Monaten aufgestellt hat und die sich in seperate Fonds für Wachstum, Life-Sciences und Early-Stage aufteilen.

Early-Stage wichtig für Index

Mit dem Early-Stage-Fonds wolle Index Ventures insbesondere helfen, ökonomisches Wachstum möglich zu machen, so Index-Ventures-Partner Mike Volpi. „Early-Stage-Investments sind besonders spannend, da wir in der frühen Phase viel Expertisé in die Startups geben können“, sagt Mike Volpi im Gespräch mit Gründerszene.

Die Bereitstellung der richtigen Bausteine für Startups, in Form von Mentoring und Finanzierung, führe unweigerlich zu der Schaffung von Arbeitsplätzen. In Index Ventures‘ Portfolio allein gebe es derzeit über 1.000 offene Stellen.

Berlin gehört zu Index‘ Investment-Hubs

Auch künftig wolle man nach Angaben von Index Ventures insbesondere in den Tech-Hubs Berlin, London, New York, San Francisco, Stockholm und Tel Aviv auf Startupsuche gehen. Europa habe dabei einen besonderen Fokus.

Deutschland hat es Index nun bereits etwas länger angetan. Bereits 1997 gelang Index Ventures der Exit beim deutschen Unternehmen SCM Microsystems. Doch Mike Volpi erklärt im Gespräch gegenüber Gründerszene noch einen anderen Zusammenhang für Index’ Liebe zu Deutschland: Marco Boerries.

„Marco Boerries lenkte unser Interesse wieder nach Deutschland“, sagt Volpi. Boerries gilt als eine Art deutscher Bill Gates. Mit 16 schmiss er die Schule und gründete. Seine Erfolgsgeschichte beginnt vor über 25 Jahren, damals entwickelt er Software, 1985 begann er in Lüneburg mit StarWriter (später OpenOffice). 1999 verkaufte er das Unternehmen hinter der Software, StarDivision, an den US-Konzern Sun, bekam Aktien im Wert von zwischen 59 und 70 Millionen US-Dollar.

Das scheint Index überzeugt zu haben. An Marco Boerries „neuem“ Startup NumberFour (www.numberfour.eu) ist Index deshalb auch beteiligt. NumberFour gehörte im Juli 2010 zu den ersten Index-Investments einer Investmentserie in Berlin. Auf NumberFour folgten die Berliner Startups SoundCloud (soundcloud.com) im November 2010,  Readmill (www.readmill.com) im März 2011, Amen (www.amenhq.com) im Juni 2011 und Gidsy (www.gidsy.com) im Januar 2012.

Und immer noch, so verrät Mike Volpi, pitchen zahlreiche Teams, vor allem in Berlin, um die Gunst von Index. Ein Büro in Berlin, so verrät Volpi, wolle Index zunächst nicht eröffnen. Die Hauptstadt liege nahe genug an London.

Drei Büros und 30 Mitarbeitern weltweit

Index Ventures (www.indexventures.com) startete vor 16 Jahren. In Genf in der Schweiz wurde die Investmentfirma von Neil Rimer, Giuseppe Zocco und David Rimer gegründet. Mittlerweile investierte Index Ventures bereits in über 150 Startups innerhalb Europas und den USA, Seed-Investments ausgenommen. Bei Index Ventures ist Mike Volpi einer von knapp 30 Teammitgliedern.

Das Venture-Capital-Unternehmen hat Büros in Genf, London und San Francisco. „Index stellt eine Brücke zwischen Europa und den USA zur Verfügung. Wir offerieren ein Denken aus dem Silicon Valley, aber einen internationalen Blick. Die Bestrebungen der Firmen, die wir entwickeln, sind wie bei SoundCloud fast immer international“, so Volpi.

Index-Investment Bereiche

 Als seine Hauptinvestment-Bereiche bezeichnet Index Ventures derzeit (inklusive Auswahl an Investments):

  1. E-Commerce, insbesondere Mode: EDITD, Farfetch, Just Eat, Moo, Nasty Gal, Not on the High Street, Photobox und Stylistpick
  2. Marktplätze: Etsy, Funding Circle, Housetrip, PeoplePerHour, TransferWise und Viagogo
  3. Cloud und Big Data: Alertme, Chartbeat, Climate, Cloud.com, Criteo, Dropbox, Factual, Kaggle, Hortonworks, Mimecast, OpenX, Pentaho, Right Scale, Soluto and Zuora
  4. Mobile und Social: Flipboard, Fon, King.com, Lookout, Moshi Monsters, MyHeritage, Path und Rebtel
  5. Financial Services: Adyen, Boku, Erply, Funding Circle, iZettle, TransferWise und Trialpay.

Kann Europa Tech-Champions gründen?

Eine Frage beschäftigt die europäische Startup-Szene jedoch noch immer: Kann Europa jemals Tech-Champions gründen? In einem Blogeintrag forderte Index-Partner Neil Rimer zuletzt die Schaffung eines rentablen europäischen IPO-Markts, um die Abwanderung europäischer Startups in die USA zu stoppen. Die Apples, Googles und Facebooks – sie alle kommen aus den USA. Spricht man mit Index Ventures über die Frage der Tech-Champions, lautet die Antwort: Es gibt sie auch in Europa.

Allein im Index-Portfolio gebe es mindestens 20 europäische Firmen mit signifikanten Businesses. Im vergangenen Jahr hätten diese Firmen einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro und ein Wachstum von rund 75 Prozent erzielt. In den vergangenen zehn Jahren hätten diese Firmen mehr als 5.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, so Index Ventures. Neues Early-Stage-Kapital aus Europa, aber mit einer Brücke in die USA wird sicher helfen, das Ökosystem für Startups in Europa weiter auszubauen.

„Wir sind sehr optimistisch gegenüber der Startupszene in Europa – manchmal lassen sich in den schwierigsten wirtschaftlichen Zeiten, die erfolgreichsten Unternehmen gründen. Auch als wir unsere Fonds aufgestellt haben, gab es keine Probleme mit den Investoren, weil unsere Partner alle an Europa glauben“, so Volpi.