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Zu der Zusammenarbeit der deutschen Politik und der Startuplandschaft erreichten Gründerszene in der Vergangenheit immer wieder gespaltene Meinungen. Ein Vorwurf, der immer wieder mitschwang: In den USA oder UK würden sich die Regierungen weit mehr für die Startupszene interessieren. Die deutsche Bundesregierung hingegen würde sich nicht wirklich begeistern für das, was passiere. Bürokratie, Visahemmnisse, schlechte Finanzierungsmöglichkeiten, kein globales Denken, Verteufelung von Venture Capital oder das Ansprechpartner-Durcheinander sind nur einige Punkte, die Startups und Investoren immer wieder nennen. Einen ersten Schritt in Richtung Besserung versucht die Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“, die bis zum Sommer 2012 mit 17 Abgeordneten und 17 Sachverständigen dem Parlament ihre Ergebnisse und Handlungsempfehlungen vorlegen soll, zu gehen. Ein Thema sind auch Startups. Das Ergebnis einer öffentlichen Anhörung der Kommission: Es gebe Nachholbedarf bei den Finanzierungsmöglichkeiten für Startups in Deutschland. Doch was denken Startups wirklich?

Nachholbedarf in Sachen Startupfinanzierung

Bei den Finanzierungsmöglichkeiten für Startup-Unternehmen gibt es in Deutschland Nachholbedarf. Zu dieser Einschätzung gelangten mehrere Experten während einer öffentlichen Anhörung der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ zum Thema „Veränderungsprozesse in der digitalen Wirtschafts- und Arbeitswelt“ am Montagnachmittag.

Für eine „nachhaltige Förderung von risikokapitalfinanzierten Finanzierungsmodellen“ sprach sich Heiko Hebig von der SPIEGELnet aus. Mit den in Deutschland zumeist üblichen Bankkrediten sei Startup-Unternehmern oftmals nicht geholfen, da deren Geschäftsmodelle für derartige Kredite nicht geeignet seien, betonte Tom Kirschbaum, Mitgründer der Penelope Ventures GmbH. Durch Venture-Capital-Gesellschaften vergebenes Risikokapital dürfe man daher „nicht verteufeln“.

In Frankreich habe man positive Erfahrungen mit Steuererleichterungen für Wohlhabende gemacht, die in Wagniskapitalmodelle investieren, sagte Frederic Hanika von der Software AG (www.softwareag.com). Dadurch hätten sich mehr Wagniskapitalfonds gegründet, wodurch die Finanzierung von Startups einfacher geworden sei. Schwieriger als ein Startup zu gründen, so Hanika weiter, sei jedoch der Schritt zu einem „großen Unternehmen“. Dafür bedürfe es eines hohen Vermarktungsaufwandes, betonte er. Dies sei oft teurer als die eigentliche Entwicklung.

Bürokratische Hindernisse für Startups

Ein weiteres Problem für junge Unternehmensgründer, so Heiko Hebig, sei der hohe bürokratische Aufwand. Hier wäre es aus seiner Sicht sinnvoll, wenn zumindest im Anfangsstadium Erleichterungen ermöglicht würden. Die Bewertung von Chancen und Risiken müsse sich ändern, forderte Tom Kirschbaum. „In Deutschland wird nicht die Vision gesehen sondern die Bedenken“, sagte er.

Facebook etwa werde in den Medien zumeist im Zusammenhang mit eventuellen Verstößen gegen den Datenschutz genannt. „Ich würde mir wünschen, dass wir stärker über die Chancen reden“, sagte der Unternehmensgründer. Eine dieser Chancen liege in der neuen Arbeitskultur, welche den Mitarbeiter zum „Teil des Projekts“ mache, sagte er. Die neuen Arbeitszeitmodelle, die keine festen Anfangs- oder Endzeiten und auch keine festen Arbeitsorte kennen würden, böten Vorteile und seien „spannend für die Familienplanung“, sagte auch Heiko Hebig.

Startups können noch Ideen in die Enquete einbringen

Noch ist vieles offen in Sachen Handlungsempfehlungen der Enquete. Jeder, der Lust hat, kann sich in die Diskussion einmischen. Auf Enquetebeteiligung.de können alle Interessierten die Themen einbringen, die sie bewegen. Die Diskussionen, Vorschläge und Ideen fließen direkt in die laufende Arbeit der Kommission ein. Besonders wichtig für Startups ohne Frage die Projektgruppe „Wirtschaft, Arbeit, Green IT“ – in der die bisher eingereichten Vorschläge noch recht dünn sind. Insgesamt haben bisher mehr als 2.000 Personen über 370 Vorschläge eingebracht und mehr als 12.000 Bewertungen abgegeben.

Denn was ist es wirklich, was die Startup-Szene bewegt? Und können die 17 Sachverständigen diese Wünsche abbilden? Die Gruppe tagt das nächste Mal am 16. Januar und würde sich sicherlich über den ein oder anderen Input aus der Startupwelt freuen.

Mit dem Ende der Enquete sollte der Dialog erst richtig beginnen

Die grundlegende Aufgabe einer Enquete-Kommission ist es, gesellschaftlich relevante und langfristig bedeutsame Themen und Fragestellungen zu diskutieren. Ziel ist es, einen gesellschaftlich möglichst breiten Konsens herzustellen und in einem Abschlussbericht Handlungsempfehlungen an das Parlament abzugeben. Hierzu muss mindestens ein Viertel der Bundestagsmitglieder die Einsetzung einer solchen Kommission fordern. In die aktuelle Enquete-Kommission haben die Fraktionen des Bundestages 17 Abgeordnete und 17 unabhängige Sachverständige entsandt. Unterstützt wird die Kommission von einem Sekretariat und wissenschaftlichem Fachpersonal. Die Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft soll ihre Arbeit bis zum Sommer 2012 abgeschlossen haben.

Mit viel Furore startete die Internet-Enquete zunächst, die zuversichtlichen Stimmen aus der Netzgemeinde sind nicht mehr so zahlreich wie zu Beginn. Die Handlungsempfehlungen der Enquete-Kommission wird Gründerszene im Blick behalten. Wichtig dabei ist insbesondere, dass der Dialog im Sommer 2012 nicht aufhören darf. Die Ergebnisse der Internet-Enquete sollten als Anreiz zu einem anhaltenden ergebnisorientierten Dialog zwischen Startups, Investoren und der Politik genutzt werden (Wir haben uns dazu schon unsere Gedanken gemacht, mehr Infos nächstes Jahr). Die Zwischenzeit könnten Startups und Investoren aber natürlich schon nutzen, um ihre Wünsche zu kommunizieren.