Kontoblick, Samwers, ausgestiegen, Ausstieg

Die Online-Finanzverwaltung Kontoblick (www.kontoblick.de) plant in naher Zukunft neue Wege zu gehen, sind doch laut Gründerszene-Informationen bereits im April 2011 die bisherigen Geldgeber des Portals ausgestiegen. Das Münchner Startup will nun neue strategische Optionen erwägen und befindet sich wieder gänzlich in der Hand der Gründer.

Kontoblick gehört nun den Gründern

Das Handelsregister verdeutlicht es: Schon im April dieses Jahres sind die Samwers bei Kontoblick ausgestiegen und haben den Gründern ihre Anteile verkauft. Auch die anderen beteiligten Investoren nutzten diese Gelegenheit und gaben ihre Shares ab. So sind neben den Samwers, die über ihren European Founders Fund (EFF; www.europeanfounders.com) mit 36 Prozent investiert waren, auch Holtzbrinck Ventures (www.holtzbrinck-ventures.com; 17 Prozent) sowie Ex-Oppenheim Manager Dieter Pfundt (vier Prozent) und die weiteren Supporter bei Kontoblick ausgestiegen.

Die Gründer Christopher Cederskog und Philipp Erler verfügen damit über alle Anteile von Kontoblick und gedenken das Unternehmen mit der Prüfung neuer Optionen weiterzuführen. Glaubt man Gründer Christopher Cederskog, soll es sich um einen “Management-Buy-Out zu anständigen Konditionen” gehandelt haben, das heißt die Gründer haben die Anteile der Investoren zu einer niedrigen Bewertung zurück gekauft. Aus Investorensicht ist dies ein deutliches Anzeichen dafür, dass sich die Geldgeber keinen potenten Exit von Kontoblick mehr versprechen und Schadensbegrenzung betreiben.

Verkauft Kontoblick seine Assets an einen Strategen?

Schon einmal ging Gründerszene fälschlicherweise davon aus, dass Kontoblick offline geht, fielen die technischen Probleme des Portals doch mit einer Reihe Startup-Schließungen im Samwer-Umfeld zusammen. Mit dem Ausverkauf der Investoren liegt nun die Befürchtung nahe, dass Kontoblick einem Geschäftsmodell nachgeht, dass auf dem deutschen Markt nicht so recht funktionieren mag. Kontoblick will dem Nutzer ein Werkzeug an die Hand geben, mit dem dieser die vollständige Transparenz über seine Finanzen erhält. Ähnlich dem US-Vorbild Mint (www.mint.com) zeigt auch Kontoblick als private Finanzverwaltung, wofür Geld ausgegeben wird und an welchen Stellen gespart werden kann. Kontoblick  kombiniert somit das klassische Haushaltsbuch mit den Funktionen des Online-Bankings. Insgesamt ein Thema, das hierzulande nutzerseitig mit Reservationen in Bezug auf das Thema Datenschutz belegt ist und sich technisch als sehr komplex präsentiert.

In Großbritannien sind mit Kublax und Money Dashboard (www.moneydashboard.com) ebenfalls entsprechende Copycats entstanden, wobei Kublax bereits eingestellt wurde, nachdem es keine weitere Finanzierung erhalten konnte. Kublax verkaufte seine technische Infrastruktur an Customer Bright Technologies und ähnliches dürfte wohl auch Kontoblick nun anpeilen. Die Kontoblick-Gründer haben die entsprechende Burn-Rate des Unternehmens auf Null gefahren, machen kleinere Umsätze und prüfen derzeit verschiedene strategische Optionen sowie die Möglichkeiten einer Neuauflage.

Für strategische Partner – etwa aus dem Bankenbereich – könnte Kontoblick als Technologiethema interessant sein. Die Nachfrage im Segment ist durchaus vorhanden, doch der technische Aufbau würde Kosten verschlingen, weshalb eine günstige Übernahme attraktiv sein könnte. Infrastrukturell sei Kontoblick “kein Copy-Paste-E-Commerce” heißt es von Christopher Cederskog, der sich zur Thematik sehr offen und erfahren zeigte. Neben Gesprächen mit strategischen Partnern sei auch eine erneute Finanzierung mit neuem Team eine Option, was in Anbetracht der technischen Komplexität wohl aber kostenreich werden könnte. Ein Verkauf der Technik an einen Strategen dürfte für Kontoblick also die wahrscheinlichste Entwicklung sein, bis dahin verfolgt die Szene weiter die Geschicke des Online-Finanztools.

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Bildmaterial: Alvimann