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Lars Hinrichs’ neues Projekt ist HackFwd, ein “Pre-Seed-VC”

8. Juni 2010 von Joel Kaczmarek 13Kommentare

Er hat es tatsächlich lange geheim halten können, nun lässt er die Katze aus dem Sack: Die neue Unternehmung von Xing-Gründer Lars Hinrichs trägt den Namen HackFwd (www.hackfwd.com) und ist eine Investoren-Firma, die noch vor der Seed-Stage Geld investiert. Die Selbstbeschreibung des neuen Unternehmens lautet daher schlicht: “We’re a pre-seed investment company designed to enable great people to launch great ideas.”

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Es ist eine sehr amerikanisch angehauchte Webseite, die den Fokus von HackFwd präsentiert und schnell wird klar: Das Thema Geekiness spielt eine entscheidende Rolle, das heißt die Invests von HackFwd sind stark technologiegetrieben. Mit Fokus für ganz Europa sollen Tech-StartUp “mit globalem Impact” entstehen, die von jungen Tech-Köpfen getrieben werden.

Das Problem uninteressanter Business-Pläne, die jeder Investor hat, aber nicht thematisiert (schließlich will man ja potentiell interessante Invests nicht vergraulen) löst HackFwd über so genannte “Referrers”. Verschiedene Netzwerker und Experten leiten Intros zu dem Hamburger VC ein, sodass angehende Existenzgründer vor allem über Kontaktfreude zu einem Elevator-Pitch kommen können. Es gibt quasi eine Garde der Vorauswahl, bevor sich das Kernteam von HackFwd mit einem Businessplan beschäftigt.

Was Hack Fwd bietet

Neben Hinrichs zählen auch Marco Börries (Gründer von Open Office), Stefan Richter (Gründer von Freiheit.com) und Jean Paul Schmetz (1996 bis 2003 CEO bei Burda Digital) zum Board von HackFwd. Finanziell getragen wird die Unternehmung zusätzlich von Andreas Thümmler (Gründer und CEO von Corporate Finance Partners) und Florian Schweitzer. Insgesamt also eine durchaus schlagkräftige Truppe, die neben ihrer Expertise auch noch das Folgende anbietet:

  • Funding For 1 Year: Hack Fwd investiert für ein Jahr in junge Unternehmungen, wobei sich ungefähr am momentanen Jahreseinkommen der Personen orientiert wird.
  • You’re Still The Boss: Gründer behalten bei HackFwd 70 Prozent ihrer Anteile. Drei Prozent gehen an die Advisor des Hamburger Unternehmens, 27 Prozent an HackFwd selbst.
  • Complete Focus: Der rechtliche und administrative Aufwand wird den Gründern abgenommen und durch den HackFwd-Apparat erledigt, sodass sich auf Gründerseite vollständig auf das Produkt konzentriert werden kann.
  • Refine And Optimize: In den Bereichen Business, User-Experience, Marketing und Branding bietet HackFwd durch seine Experten stets Hilfestellungen und Anregungen.
  • Inspirational Community: Vierteljährlich soll es “an coolen Orten” Un-Konferenzen geben, bei denen sich ausgetauscht und gelernt werden kann.

Auch in den Bereichen Teambuilding und Promotion hilft HackFwd, wenn es die Unternehmensphase erfordert. Die Selbstbeschreibung des Unternehmens lautet dabei knapp: “HackFwd employs and involves top grade professionals in talent management, finance and marketing to serve as guides and support excellence for the individual business ideas.” Dabei schreibt man sich auf die Fahne “no small print” und “no surprises” zu kennen. Überhaupt ist HackFwd sehr transparent und stellt seine Verträge online einsehbar (PDF) zur Verfügung.

Die Investment-Vorgaben von HackFwd

Was nichts kostet, ist nichts wert – also wurde bei HackFwd auch ein Anforderungs-Katalog festgelegt. Das Interessanteste vielleicht zuerst: Existenzgründer geben 30 Prozent an HackFwd ab, wobei drei Prozent des HackFwd-Anteils durch die Gründer auch an wichtige Unterstützer abgegeben werden können. So können Existenzgründer bei Hack Fwd etwa auch selbst Anteile an anderen HackFwd-StartUps erhalten, sodass eine Belohnungsstruktur für Feedback und Ratgebertum entstehen soll. Die anderen Investment-Kriterien sehen im Kern wie folgt aus:

  • Passionate People: Die Gründer im Umfeld von HackFwd sollen ihr Lieblingsthema bearbeiten und deshalb mit dem Herzen dabei sein. Keine BWL-Absolventen, die sich eines leidlichen Themas annehmen, sondern Menschen mit Passion für ein Thema.
  • Clear Consumer Need: Eine Idee aus dem HackFwd-Portfolio soll Nutzerbedürfnisse ansprechen und so das Leben leichter oder besser machen.
  • Learn By Doing: Durchschnittlich soll nach sechs Monaten eine Beta-Version verfügbar sein, das heißt junge Gründer sollten schon relativ konkret in ihren Vorstellungen sein.
  • Highly Scalable: Ein nicht unwesentlicher Faktor für jeden Venture-Capitalist ist wohl die Skalierbarkeit. Egal, wie viele Nutzer das Produkt einsetzen, der Aufwand zu dessen Produktion soll nicht wesentlich steigen.
  • No Copycats: Für Deutschland die wohl besonderste Forderung. Da sie keiner mag, soll es keine Copycats bei HackFwd geben, sondern innovative und selbst erdachte Konzepte.

Fazit: HackFwd mit innovativem Aufbau

Soweit die Theorie. Es ist eine sehr professionell aufgebaute Präsenz, die viel Wert auf ansprechende Videos, detaillierte Personenvorstellungen und verständliche Aufbereitung legt. Das Konzept ist innovativ und interessant, während auch kein Zweifel daran gelassen wird, dass ein europäischer Anspruch erhoben wird. Es ist bekannt, dass Lars Hinrichs in Sachen Social-Media dem Englischsprachigen ebenso anhängt wie den On-the-Edge-Technologien. Als Person auf Events ist er hingegen kein Socializer, sondern eher etwas kauzig und verschlossen, manchmal sogar ruppig. HackFwd ist so etwas wie das Destillat dieser beiden Persönlichkeitszüge: Modern im Konzept und über das Referrer-System so aufgestellt, dass sich Netzwerkeffekte einstellen sollen, die in letzter Instanz bei Hinrichs und Co. landen und in ein Invest münden können. Insgesamt erinnert das Konzept vom Fokus her an das Seed-Camp und von der Konzeption an Y-Combinator, ein Early-Stage-Investorprogramm, das viel Bekanntheit erwarb.

Das Pre-Seed-Modell von HackFwd kann für Europa funktionieren, hätte in den USA aber freilich größere Aussichten auf Erfolg aufgrund des größeren Marktes, der Markthomogenität und des hohen Technologielevels und -Klimas. Es wird stark von den Modellen und den Teams abhängen, wie gut die einzelnen Gründungen performen werden und mit dreißig Prozent der Anteile geben Existenzgründer in solch einer frühen Phase durchaus hohe Shares ab. Ob dies gerechtfertigt ist, wird letztenendes von den Leistungen im Detail abhängen, aber dass das Hinrichs’sche Netzwerk potent ist, dürfte augenscheinlich sein. Insgesamt also ein modernes Konzept, dessen Erfolg – wie fast immmer – von der Exekution abhängen wird und von denen Europa durchaus mehr vertragen könnte.

Artikel zum Thema Lars Hinrichs:

Über den Autor Joel Kaczmarek:

Joel Kaczmarek ist seit März 2009 Chefredakteur von Gründerszene. Damit verantwortet er die Zusammenarbeit mit den Ressortleitern und den Bereich “News” und “Allgemeines”. Joel hat einen Master in Europäische Medienwissenschaft und hat Design Thinking am HPI studiert. Sein Gründerszene-Debut hat Joel mit der ersten StartUp-Story “Dienstag ist Betterplace-Tag” geliefert. Joel hat die Gründerszene-Datenbank entwickelt, die im November 2009 an den Start ging.

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13 Kommentare »

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  • Karim

    die idee klingt schon sehr genial, freue mich auf die umsetzung. im artikel schreibt ihr dass 3% an die advisor gehen, ich habe das eher so verstanden dass die Founder frei über die 3% verfügen können, je nachdem wem sie “danken” wollen…

  • Mark

    Das gefällt mir! Toller Beitrag!

  • Sean Kollak

    Das Konzept von HackFwd gefällt mir sehr gut – vor allem die Vorgabe, dass keine amerikanischen Erfolgsmodelle kopiert werden sollen.

  • Pawel

    duerfen dann die hackfwd companies bei seedcamp mitmachen? :)

  • Pawel

    Ich frage mich ein wenig, wie es ausschaut, wenn eine Hackfwd company jemanden einstellen moechte. Gibt es dann auch Geld dafuer, oder muss man bis zur nächsten Finanzierung abwarten?

  • Monty Berlin

    Konzept ist super! Der 70:30 Share ist ein echt attraktiver Anreiz für Gründer dort präsent zu werden.

  • Sascha

    Finde es ein transparentes Modell.

    Bin mal gespannt wer in 2-3 Jahren die schöneren Unternehmen hat.
    CopyCat Industries oder HackFWD.

  • Sebastian

    Die Idee und das Grundkonzept – vor allem den Ausschluss von Copycats – finde ich klasse.

    Aber 30% für eine pre-seed Finanzierung ist ganz schön viel. Da werden die Gründer fast zwangsweise zu Minderheitsgesellschaftern, wenn sie Folgefinanzierung brauchen.

    Viele Grüße vom Wannsee,

    Sebastian

  • Roland Moriz

    Chapeau Lars Hinrichs!

  • MrB

    Mal ehrlich – 30% Equity abgeben für so einen popeligen Finanzierungsanteil? Kein vernünftiger Unternehmer, der wirklich von seiner Idee überzeugt ist, verschenkt Millionenwerte für <100.000 Euro. Da muss man schon verzweifelt sein oder glauben, dass seine eigene Idee eh nichts wird und greift ein kleines Jahresgehalt ab.

  • Peter Maier

    Das sehe ich auch so – 30% für so wenig Kapital wird eher C und D Klasse Projekte und Köpfe anziehen. Des weiteren zur Abwechslung würd ich gern mal me Lanze für unsere lieben BWLer brechen: Die sollen in Ausnahmefällen sogar fähig sein, sich nicht-leidiger Themata anzunehmen. Der Ausschluss von BWLern wie durch den Autoren beschrieben scheint mir übertrieben respektive unprofessionell. Es geht nicht um BWL, sondern um Idee, Passion und (Papier ist geduldig) den Business Plan. BWL dürfte dabei in gewissen Fällen durchaus ein Hindernis sein, muss sie aber nicht.

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