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Es ist insgesamt eine Finanzierung in vermutlich sechsstelliger Höhe, die dem Drogerievergleich Lucrato (www.lucrato.de) dieser Tage aus den Taschen der IBB Beteiligungsgesellschaft, der Mediengruppe Pressedruck und einigen Business-Angels zufließt. Mit dem frischen Kapital wird das junge Startup wohl sein weiteres Wachstum im noch jungen Beauty-Markt angehen.

Lucrato setzt mit neuen Investoren auf Vergleich statt Verkauf

Im Gegensatz zur Onlinedrogerie AllesAnna (www.allesanna.de), die sich in diesem April bereits dem Drogerieansatz geschlagen geben musste (s.u.), haben die beiden Lucrato-Gründer Philipp Pünjer und Constantin Rosset schon früh ihr ursprünglich LisaLiefert genanntes Shopping-Startup thematisch umgebaut und sind derzeit unter dem Namen Lucrato mit einem Drogerie-Preisvergleich am Start. Dieser Umschwung soll nun auch die IBB überzeugt haben: „Lucrato.de überzeugte uns sofort, sowohl vom Geschäftsmodell als auch vom zielstrebigen Management-Team. Der starke Shift hin zum E-Commerce macht auch vor Konsumgütern des täglichen Bedarfs nicht Halt und der Einstieg über Drogerieprodukte erscheint uns als vielversprechend.”

Im Detail spezialisiert sich Lucrato dabei auf einen Preisvergleich, der nicht auf einzelne Produkte fokussiert ist, sondern den gesamten Warenkorb vergleicht. Neben der IBB Beteiligungsgesellschaft (www.ibb-bet.de) ließen sich davon auch die Mediengruppe Pressedruck (www.mediengruppe-pd.de) und einige Business-Angels rund um Rouven Dresselhaus überzeugen.

Deutsche Startups rechnete aus, dass die IBB so nun zwölf Prozent an Lucrato hält, ebenso wie die Mediengruppe Pressedruck, ein Medienhaus das bisher auch in die Rocket-Internet-Startups eDarling (www.edarling.de), Immobilo (www.immobilo.de) und Plinga (www.plinga.com) investierte. Während Business-Angel Rouven Dresselhaus derzeit elf Prozent hält, verbleiben den Gründern so jeweils 25 Prozent an ihrem Startup.

Der Beautymarkt ist eine harte Nuss

Dass das Onlinegeschäft mit Drogerieartikeln nicht gerade einfach ist, bewies zuletzt AllesAnna, ein Startup aus dem Dunstkreis von Michael Brehm, das aufgrund des herausfordernden Geschäftsmodells im April in die Insolvenz schlitterte. Und auch das Samwer-Unternehmen Beautydeal (www.beautydeal.de) musste sich im Oktober 2009 dem Beautysegment geschlagen geben, nachdem diverse Markenhersteller die Lieferantenstruktur des jungen Startups kappten.

Und die Pleitegänge von AllesAnna und Beautydeal deuten einen Teil des Problems an: Im Beautysegment ist die Marktmacht bestehender Marken so massiv, dass nur wirklich groß angelegte Akteure eine Chance auf Bestehen haben. Während mit Drogerieartikeln ohnehin schon mit kleinen Margen gearbeitet wird, machen erschwerte Produktzugänge das Wirtschaften kompliziert – umso mehr, wenn neben großen Offline-Platzhirschen wie Schlecker, Rossmann, DM & Co. große Anbieter wie Amazon, Zalando Beauty, Windeln.de (www.windeln.de) oder BabyMarkt (www.babymarkt.de) dieses Segment im Kielwasser ihrer Angebote teilweise auch angehen.

Ähnliches dürften auch gerade Birchbox (www.birchbox.com) und seine deutschen Klone wie Glossybox (www.glossybox.de) zu spüren bekommen, die sich mit einem vergleichbaren Geschäftsmodell wie AllesAnna es zu etablieren suchen und sich hierzulande gegen Branchenriesen wie Douglas durchsetzen müssen. Gründerszene-Experte Christian Litsch, der bis 2010 über mehrere Jahre in der Kosmetikbranche für Marken wie Kiehl’s, Giorgio Armani, Shu Uemura und Christian Dior international tätig war, gibt ebenfalls zu bedenken, dass der deutsche Markt für Fast-Moving-Consumer-Goods (FMCG) sehr komplex ist: „Der Wind ist rau, der Wettbewerb hart und die Gewinnmarge sehr, sehr gering. Es ist kein Geheimnis, dass auf dem deutschen Konsumgütermarkt durch den starken Wettbewerb zwischen Discountern und großen Filialisten die Margen im Vergleich zum Ausland wie Frankreich oder den USA nur funktionieren können, wenn wirkliche Massen umgesetzt werden und onlineseitig sind wir hier im Drogeriebereich einfach zu weit davon entfernt.“

Lucrato tat also gut daran, sein Geschäftsmodell schnell anzupassen und kann so im Beautysegment existieren, ohne auf dem Radar der großen Marken aufzutauchen. Als Aggregator vermag es das Startup aus Berlin an den Beautyumsätzen zu partizipieren, bewegt sich jedoch mit einem mäßig spannenden Geschäftsmodell in einem Markt, der gerade erst in der Entstehung befindlich ist. Bis im Beautysegment online größere Schritte gegangen werden, dürfte es also noch ein wenig dauern, aber Lucrato könnte sich hier einen Platz unter den Aggregatoren sichern, bei dem es gilt, sich gegen die bestehenden Preisvergleiche durchzusetzen.