Lieferando Macquarie

Macquarie investiert 16 Millionen in Lieferando

Mit der Macquarie Group (www.macquarie.com) hat wiederum ein recht exotischer Geldgeber in den deutschen Lieferdienstvermittler Lieferando investiert. Die Macquarie Group ist ein australisches Private-Equity-Unternehmen, das bereits 1969 gegründet wurde und als Anbieter für Banking, Finanzen, Beratung sowie Investment- und Fonds-Management tätig ist. Die Macquarie Group ist mit mehr als 70 Büros und 14.200 Mitarbeitern in 28 Ländern aktiv und will es zuletzt auf 339 Milliarden US-Dollar under Management gebracht haben.

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Die Finanzierung von Lieferando soll sich die Macquarie Group rund 16 Millionen Euro – laut verlässlicher Quelle von Gründerszene 20 Millionen US-Dollar – haben kosten lassen. Im Gegenzug haben die Australier 27 Prozent der Lieferando-Anteile erhalten und sind damit zum am höchsten beteiligten Investor avanciert. Glaubt man den Gerüchten der Branche, soll Macquarie seine Finanzierung in Tranchen an Lieferando überweisen und dürfte so die jeweiligen Überweisungen an entsprechende Milestones knüpfen. Lieferando dementierte die Finanzierung in Tranchen und die Verknüpfung an Milestones gegenüber Gründerszene. Angeblich soll der Geldgeber aus Australien das Segment anhand eines der “kleineren” Anbieter austesten wollen.

Damit nimmt Lieferando zum fünften Mal Kapital auf, was sich auch in der Gesellschafterliste des Unternehmens bemerkbar macht: Über zwei Drittel der Geschäftsanteile liegen inzwischen in den Händen von Investoren. Zu diesen gehören unter anderem Doultin S.A. (ehemals Moraún Investments, 16 Prozent), DuMont Venture (www.dumontventure.de, 8 Prozent), die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW, 11 Prozent) oder auch Mountain Super Angel (www.super-angel.ch, 8 Prozent). Dem dreiköpfigen Gründerteam von Lieferando verbleiben nach dem Einstieg der Macquarie Group noch 22 Prozent an seinem Unternehmen. Auch der Berliner Inkubator Rheingau Ventures (www.rheingau-ventures.com), der zu den Mitgründern von Lieferando zählt, bringt es mittlerweile nur noch auf fünf Prozent an seiner Gründung.

Deutschland dürfte Lieferando am teuersten kommen

Die neu gewonnen Millionen aus Down Under dürfte Lieferando wohl vor allem für seinen Heimatmarkt Deutschland aufwenden, der neben Großbritannien zu den am heißesten umkämpften in Europa gehört. Derzeit steht Lieferando merklich gegenüber seinen deutschen Wettbewerbern Pizza.de (www.pizza.de) und Lieferheld (www.lieferheld.de) zurück und mit Lieferservice.de (www.lieferservice.de) strebt derzeit ein weiterer gut finanzierter Anbieter auf den deutschen Markt. Im Januar hatte Take Away, das Mutter-Unternehmen aus den Niederlanden, eine Finanzierung über 13 Millionen Euro aufgenommen und startete inzwischen eine Werbeoffensive in Deutschland.

Vor allem die Werbekosten für Kunden sollen im Lieferdienste-Segment sehr hoch sein. Neben teurer Fernseh- und Plakatwerbung treiben die Wettbewerber des Segments auch die Kosten für Google-Anzeigen in die Höhe. Bedenkt man weiter, dass neben den Entwicklungskosten für die jeweilige Plattform und entsprechende Mobile-Versionen womöglich auch noch einiges an Anwaltskosten für den harten Wettbewerb anfallen, wird allein das deutsche Geschäft sehr teuer.

Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen daneben auch den hiesigen Mitbewerber Eat-Star (www.eat-star.de) übernommen und ist nach Österreich ebenfalls in die Schweiz, Frankreich und Polen expandiert. Auch in den internationalen Wettbewerb könnte Lieferando also weiter investieren – allerdings warten hier noch einmal höhere Kostenanforderungen auf die Berliner.

Lieferdienste suchen internationales Wachstum

Mitte März hatte Lieferando sein Geschäftsfeld in Polen mit der Akquisition des polnischen Mitbewerbers Pyszne.pl ausgeweitet und trieb mit Plattformen für Online-Essensbestellungen in Österreich, der Schweiz, Frankreich (www.taxiresto.fr) und Polen (www.smakuje.pl) seine europäische Expansion voran. Insgesamt sei die Anzahl der Lieferdienste des europäischen Yourdelivery-Netzwerks mit der Transaktion laut Unternehmensangaben auf über 6.500 gestiegen, ließ sich das Unternehmen zitieren. Gegründet wurde das Anfang 2011 in Lieferando umbenannte Startup als Yourdelivery GmbH im Jahr 2009 von Christoph Gerber, Jörg Gerbig und Kai Hansen in Berlin.

Konkurrent Delivery Hero (www.deliveryhero.com) hatte währendessen Anfang April dieses Jahres neue Mittel in Höhe von 30 Millionen Euro aufgenommen und ist derzeit neben Deutschland, Österreich und der Schweiz vor allem in Schweden, Finnland und Polen aktiv. Erst vor wenigen Tagen wurde die Übernahme der finnischen Plattform Pizza-online.fi bekannt gegeben, nachdem Delivery Hero im Februar auch in Großbritannien zuschlug und die dortige Nummer zwei Hungry House übernahm.

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Der Dritte im Bunde, der Braunschweiger Anbieter Pizza.de, konzentriert sich in erster Linie auf den deutschen Markt und sieht sich gemessen an den Umsätzen als Marktführer an – eine Position, die auch schon mit einstweiligen Verfügungen verteidigt wurde. Die geringen internationalen Ambitionen bescherten Pizza.de zuletzt Gewinne: Im Bundesanzeiger weist das 2007 gegründete Unternehmen, das auch White-Label-Plattformen für bekannte Lieferdienste wie Joey’s oder Call-a-Pizza entwickelt, für das Geschäftsjahr 2010 einen Bilanzgewinn von 103.000 Euro aus.

Welcher Lieferdienst-Vermittler macht das Rennen?

Als weltgrößter Essen-Lieferservice stellt sich derweil das Londoner Unternehmen Just-Eat (www.just-eat.co.uk) dar. Auch die Investoren scheinen an dessen Stärke zu glauben. Satte 48 Millionen Euro hatten Vitruvian Partners (www.vitruvianpartners.com), der SoundCloud-Finanzierer Index Ventures (www.indexventures.com), Greylock Partners (www.greylock.com) und Redpoint Ventures (www.redpoint.com) vor einem Monat in Just-Eat gesteckt – die bereits dritte und bislang größte Finanzierungsrunde der Londoner. Insbesondere für das internationale Wachstum und für neue Produkte sollen die Mittel verwendet werden, hieß es zur Finanzierungsrunde von Klaus Nyengaard, dem Chief Executive des Bestelldienstes.

Nach dem Einstieg in Frankreich durch die Übernahme des lokalen Anbieters Alloresto ist Just-Eat bereits in insgesamt 13 Ländern aktiv. Allerdings wird das Unternehmen auf dem Heimatmarkt auch vom deutschen Wettbewerber Delivery Hero herausgefordert, nachdem dieser den britischen Anbieter Hungry House übernommen hat (siehe hierzu auch Gründerszenes Interview mit Delivery Hero). Mit den neuen Mitteln könnte auch Lieferando auf weitere Auslandsmärkte wie etwa den britischen drängen – und damit den Wettbewerb endgültig europäisch machen – wahrscheinlicher ist jedoch eine Konzentration auf den deutschen Heimatmarkt, um hier die eigene Position zu stärken.

Mitarbeit: Alexander Hofmann

Update: Lieferando dementierte die Finanzierung in Tranchen und die Verknüpfung an Milestones gegenüber Gründerszene.

Bildmaterial: Nathanp, Kconnors
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