Groupon CItyDeal, Massenentlassung, DailyDeal

Es ist das übliche Procedere, wenn ein amerikanischer Stratege das eigene Unternehmen kauft: Ist das Knallen der Sektkorken verhallt, rollen die Kostensenkungswellen. Häufig geschieht dies sogar einfach pro forma, da sich gerade bei schnell wachsenden StartUps Kostenstellen anhäufen, die sich evtl. vermeiden lassen. So geschehen nun auch bei Groupon CityDeal (www.groupon.de), welches im Mai diesen Jahres durch Wettbewerber Groupon übernommen wurde.

Burnrate und Personalgröße bei CityDeal sollen angeblich gesenkt werden

Groupon CityDeal, das binnen sechs Monaten auf rund 700 Mitarbeiter gewachsen ist, musste nun auch auf die Kostenbremse treten und seine hohe Burnrate senken. Zum Vergleich: Mutterschiff Groupon bringt es für den gesamten amerikanischen Markt auf etwa 300 Mitarbeiter. Zwar erfordern die einzelnen Länder in Europa muttersprachliche Mitarbeiter in Vertrieb, Operations und Customer-Support – was einen großen Personalkostentreiber ausmacht – mehr als doppelt so viele Mitarbeiter wie in den USA dürften für Groupon nach aller Logik dennoch zuviel des Guten gewesen sein.

So soll nun die erste Kostensenkungswelle über CityDeal rollen, der laut unbestätigten Insider-Informationen 60 bis 70 von insgesamt 300 Mitarbeitern in ganz Deutschland zum Opfer gefallen sein sollen. Dies entspräche etwa einem Viertel der Belegschaft für den deutschen Markt, wobei wohl speziell das Marketingsegment ausgedünnt wurde – nicht ganz verwunderlich, nachdem der Hauptbuzz ja nun hinter CityDeal liegt und der Exit an Groupon gelungen ist. Andere Quellen sprechen sogar von Entlassungen im niedrigen dreistelligen Bereich – eine Zahl, die Gründerszene in dieser Höhe bisher nicht bestätigen konnte.

Auf Anfrage der Redaktion bestätigte CityDeal-Geschäftsführer Daniel P. Glasner jedoch nur den Wegfall von vier Prozent aller Mitarbeiterstellen: “Seit Beginn diesen Jahres ist unser Unternehmen international sehr stark gewachsen. Wie in solchen Prozessen nicht ungewöhnlich haben wir in den letzten Wochen die Strukturen weiter optimiert, Kompetenzen gebündelt und das Mitarbeiterprofil auf die internationalen Anforderungen angepasst. Dies betraf weniger als 4% aller Mitarbeiter,” teilte Glasner per E-Mail mit. Nimmt man alle in Europa tätigen Mitarbeiter von Groupon zur Grundlage, entspräche dies 28 Mitarbeitern, für Groupon USA und Europa wären es 40. Weiter teilt Glasner mit: “Derzeit stellen wir jede Woche europaweit neue Mitarbeiter in ganz Europa ein.”

Für die Entlassungen soll ein Hotelzimmer gegenüber den CityDeal-Büros angemietet worden sein. Ein Kongresszimmer à la DSDS oder “Up in the Air”, in dem dann  im Laufe von zwei Tagen Mitarbeiter am Fließband gefeuert und direkt freigestellt wurden, berichtet ein Betroffener gegenüber Gründerszene. Ein gewisser “Flurfunk” ließ sich dennoch nicht vermeiden. Als offizieller Grund seien Budgetkürzungen durch das US-Mutterschiff kommuniziert worden, die bis vor kurzem nicht bekannt gewesen sein sollen. Gründerszene hat keine offizielle Bestätigung dieser Kürzungen als Grund für das Hire and Fire bei Groupon CityDeal erhalten können.

Brisant: Mitarbeiterschlacht mit DailyDeal

Einge gewisse Brisanz erhält die CityDeal-Entlassungswelle, weil zuvor proaktiv Mitarbeiter bei Hauptkonkurrent DailyDeal (www.dailydeal.de) abgeworben wurden, die nun teilweise auf die Straße gesetzt wurden. Betroffene sprechen davon, dass sie Gehälter angeboten bekommen haben, die bis zu doppelt oder dreifach so hoch waren wie bei Konkurrent DailyDeal. DailyDeal-Mitarbeiter wurden aufgrund der spezifischen Kenntnisse gezielt abgeworben, vermutet ein Betroffener, um CityDeal weiter voranzutreiben, mit dem Nebeneffekt, dass DailyDeal dadurch geschwächt wurde.

Bei Bewerbungsgesprächen sollen Insider-Informationen über die Bedürfnisse der DailyDeal-Wechselkandidaten vorgelegen haben. Ein Procedere, das Gründerszene nicht offiziell bestätigen konnte, von Betroffenen auf beiden Seiten aber mitgeteilt bekommen hat. Dass umgekehrt auch CityDeal-Mitarbeiter die Fronten gewechselt haben, ist sicherlich ebenso gut denkbar.

Dass es City-Deal-intern die Anweisung gegeben hat, sinnvollerweise bei DailyDeal Personal abzuwerben, hat eine interne Quelle gegenüber Gründerszene als wahrscheinlich eingestuft. Dass diese Mitarbeiter jedoch mit hohen Gehältern gelockt wurden, um sie dann nach kurzer Zeit zu entlassen und so für beide Unternehmen zu verbrennen, sei hingegen nicht plausibel. Wahrscheinlicher ist, dass Groupon CityDeal seinen Overhead stark aufgebläht und dabei auch wesentlich zu hohe Löhne gezahlt hat. Nun gilt es, diese Kosten zu senken, doch auch bei der Planung wurden anscheinend verschiedene Planungsfehler gemacht.

Nachdem Groupon CityDeal nun feststellte, dass man auf verschiedene Mitarbeiter nicht angewiesen ist – wozu auch einige Ex-DailyDeal-Mitarbeiter zählen – hinterlässt dies nun freilich einen bitteren Nachgeschmack. Die DailyDeal-Deserteure, denen nun das Arbeitsverhältnis gekündigt wurde, werden laut Gründerszene-Informationen “auf keinen Fall mehr bei DailyDeal aufgenommen” und müssen sich nun nach neuen Arbeitsstellen umschauen – insgesamt also eine Wettbewerbssituation, die auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen wurde.

Zu den möglichen Ursachen der CityDeal-Massenentlassung

Dass bei so vielen Märkten, die gleichzeitig angegangen werden eine insgesamt hohe Burnrate entsteht, bis die einzelnen Segmente profitabel sind, überrascht wenig. Nachdem das Exit-Ziel von CityDeal nun erreicht wurde, dürfte es auch fast unumgänglich sein, die Aggressivität und die eigene Burnrate runter zu schrauben, damit der performancebasierte Deal mit Groupon aufgeht.

Zum Teil ist dies sicherlich der Preis der Aufbau-Geschwindigkeit von CityDeal – 700 Mitarbeiter in sechs Monaten aufzubauen, ist ein wahrlich hohes Wachstum – andererseits zeigt sich auch ein gewisses Maß an Fehlplanung und Inkompetenz, wenn Mitarbeiter entlassen werden, die teilweise einen Monat vorher eingestellt wurden und im ungünstigsten Fall noch bei Konkurrent DailyDeal aus einer Festanstellung abgeworben wurden.

Auch die Performance in einigen europäischen Ländern könnte sich auf die Entscheidung, eigene Mitarbeiter zu entlassen, ausgewirkt haben. Speziell in Großbritannien soll es Groupon CityDeal schwer haben, da dieser Markt ein teureres Marketingumfeld aufweist als andere europäische Märkte und viel kompetente und professionelle Konkurrenz beherbergt.

Fazit: Groupon CityDeal zwischen Chaos und Fahrlässigkeit?

Es ist wohl vor allem der Aufbaugeschwindigkeit geschuldet, dass Groupon CityDeal sich nun von einem signifikanten Teil seiner Belegschaft trennen muss. Und auch wenn der Gesamterfolg den Jamba-Brüdern Recht gibt, verbleiben Einzelfälle mit moralisch fraglichen Folgen. Es wirkt, als habe das Unternehmen mit einer teilweise fehlenden Weitsicht agiert und einige Inhalte chaotisch aufgebaut. Man möchte fragen: Hätte man dies nicht vorher wissen können?

Freilich muss einem so jungen StartUp aber auch zugestanden werden, dass verschiedene Weichenstellungen getroffen werden, die in diesem Alter vertretbar sind. Gleichzeitig verbindet sich dennoch eine gewisse moralische Verpflichtung, wenn  Mitarbeiter langfristig angestellt werden. So sind es vor allem Individuen, die darunter leiden, dass sehr schnell sehr viele  Angestellte für Positionen aufgebaut wurden, die man nun bei Groupon CityDeal nicht mehr braucht.

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