Mister Spex, Entlassungen

Der Online-Brillenhändler Mister Spex (www.misterspex.de) hat sich in den vergangenen Tagen von einigen seiner Mitarbeiter trennen müssen. Geschäftsführer Dirk Graber erklärte die Kündigungswelle mit einer Anpassung der Prozesse, geht auf die Anzahl der Entlassungen nicht genauer ein, bekräftigte aber gegenüber Gründerszene auch 2011 mit Mister Spex weiterhin stark wachsen zu wollen.

Dämpfer für den Erfolg von Mister Spex

Insgesamt mussten 19 der insgesamt 150 Mitarbeiter ihren Hut bei Mister Spex nehmen, was einem Prozentsatz von zwölf Prozent entspricht, doch Dirk Graber gibt zu Protokoll, dass betriebsbedingt weniger als sechs Prozent entlassen worden seien. Besonders im Bereich Overhead müsse Deutschlands größter Online-Brillenhändler auf die Kostenbremse drücken. Die Entscheidung kam laut Branchenkreisen für die Beteiligten überraschend und ohne Vorankündigung.

Als Begründung für die Entlassungen gibt Dirk Graber die Notwendigkeit zur Fokussierung innerhalb von Mister Spex an:

„Wir sind nun dabei, unsere Infrastruktur und Prozesse anzupassen, damit wir künftig noch produktiver arbeiten können. Daher haben wir uns in den letzten Tagen leider auch betriebsbedingt von ein paar Mitarbeitern trennen müssen. Denn um langfristig und nachhaltig weiter zu wachsen, müssen wir jetzt – wie viele andere Startups vor uns – in einigen Bereichen (insbesondere im Bereich Overhead) auf die Kostenbremse treten, Strukturen und Prozesse verändern und verbessern.“

Laut unternehmensnahen Quellen soll Mister Spex diese Entlassungen vor allem vorgenommen haben, um sein Geschäft auf Deutschland zu konzentrieren und so mit dem aufgenommenen Kapital noch länger auszukommen. Es soll noch härtere Kostensenkungsvorschläge gegeben haben, die angesichts eines groß aufgeblasenen internationalen Geschäfts ihren Weg auf’s Tableau fanden. Nun plane Mister Spex seinen Fokus eher auf Deutschland zu legen und lässt die Auslandsshops klein anlaufen.

Trotz einer kolportierten Umsatzsteigerung von 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr werden die Finanzen auf Deutschland fokussiert, wobei gerade auch der Vergleich zu Brille24 (www.brille24.de) eine Rolle gespielt haben dürfte, zumal dort die Strukturen wesentlich gesünder dimensioniert aufgestellt worden sein sollen. Die Entlassungen bei Mister Spex lassen sich also als Fokussierung auf das deutsche Kerngeschäft zusammenfassen, was laut dem direkten Umfeld des Brillenshops eine sinnvolle Maßnahme darstellen soll.

Mister Spex will 2011 weiter stark wachsen

Dabei ließt sich Mister Spex eigentlich wie eine schöne Erfolgsgeschichte: Finanzierungsrunden, Internationalisierung, Awards. Seit 2008 werden in Berlin aus dem Mister-Spex-Büro Brillentrends ins Netz gebracht. Das Sortiment umfasst mittlerweile 6.000 Brillen, Sonnenbrillen und Sportbrillen von mehr als 90 Marken und Designern. 2010 expanierte Mister Spex nach England, Spanien und Frankreich und sahnte unter anderem den Deutschen Unternehmer Preis 2010 in der Kategorie Startup ab.

Erst im September erhielt der Online-Brillenhändler eine Wachstumsfinanzierung von über sieben Millionen Euro für die weitere internationale Expansion. Die internationalen Geldgeber DN Capital und XAnge (www.xange.fr) stiegen bei dem Online-Händler für Markenbrillen ein – DN Capital war bei der Finanzierungsrunde federführend. Neben DN Capital (www.dncapital.com) und Xange beteiligten sich auch die bestehenden Investoren Grazia (www.grazia.com), der High-Tech Gründerfonds (www.htgf.de), Team Europe (www.teameurope.net) und Astutia (www.astutia.de) an der zweiten Finanzierungsrunde von Mister Spex. Allein im vergangenen Jahr steigerte Mister Spex seine Umsätze um fast 150 Prozent auf elf Millionen Euro. Nun bekommt der Erfolg einen Dämpfer, was angesichts dieser guten Perfomance überrascht.

Den betroffenen Mitarbeitern solle über das eigene, gut funktionierende Netzwerk und mithilfe einer Personalagentur bestmöglich geholfen werden, schnell neue Jobs zu finden. Gegenüber Gründerszene sagte Dirk Graber: „Auch 2011 wird Mister Spex weiterhin stark wachsen.“ Mit den sieben Millionen Euro Wachstumsfinanzierung plante Mister Spex im vergangenen Jahr die weitere Internationalisierung seiner Plattform und die Ausweitung der Marketingaktivitäten in Deutschland – mit gesundgeschrumpfter Mitarbeiterschaft und gesenkten Personalkosten soll dies nun bewerkstelligt werden. Mister Spex setzte sich zum Ziel, der führende Online-Optiker Europas zu werden.

Mitarbeit: Nora-Vanessa Wohlert

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