Es waren zunächst die Online-Marketing-Partner von Mybrands, die von der Einstellung des Online-Designer-Outlets erfuhren, nun wissen es auch die Kunden: “leider müssen wir vorerst den Verkauf über diese Seite einstellen.” Mybrands war ein Klon von Dress-for-Less (www.dress-for-less.de) aus der Feder des Samwer-Inkubators Rocket Internet, das Modemarken zu günstigen Preisen anbot.

Mit einer Trefferquote von 66 Prozent hatte Gründerszene (leider) mit seiner Prognose Recht, dass einige der Samwer-Investments, die von den Jamba-Brüdern fallen gelassen wurden, offline gehen. Nachdem vor etwas weniger als zwei Wochen der Swoopo-Klon DealStreet seinen Dienst aufgrund geschäftsmodellinhärenter Probleme einstellte, folgt nun auch Mybrands. eCareer (www.ecareer.de), der dritte im Bunde, vermochte es laut Gründerszene-Informationen hingegen, eine erneute externe Finanzierungsrunde einzufahren.
Mybrands zieht unter den Samwer-Invests den kürzeren
Über den Grund der Unternehmenspleite ist bisher jedoch nirgends etwas verlautet worden. Gründerszene-Informationen zufolge performte Mybrands sogar gut, hatte nur gegenüber Zalando, dem Zugpferd im Samwer’schen Gründungsstaat das Nachsehen: Nachdem Zalando demnächst auch ins Kleidersegment strebt, sind sich die beiden Geschäftsmodelle zu ähnlich, weshalb sich die Altinvestoren gegen eine weitere Finanzierung entschlossen haben sollen. Mybrands soll Übernahme-Verhandlungen mit Brands4Friends und Zalando geführt haben, was daraus geworden ist, bleibt unklar.
Überhaupt sind E-Commerce-Projekte wie Mybrands ein kostspieliges Unterfangen, da der komplette Einkauf mit Eigenkapital vorfinanziert werden muss und die entsprechende Lagerhaltung schnell hohe Kosten aufwirft. Über das notwendige Kapital zur Deckung solcher Ausgaben scheint Mybrands nicht mehr zu verfügen und keiner der Investoren wird es wohl mehr hinein geben. Mittlerweile würde Rocket Internet ein entsprechendes Copycat wohl nicht mehr separat aufbauen, sondern vielmehr als Teil von Zalando, dessen Infrastruktur mitgenutzt werden könnte. Auch Amazon macht es vor: Mit einer potenten Infrastruktur lassen sich viele Nischen bearbeiten. Einzige Alternative sind zusammenhängende Nischenshops wie etwa im Falle der FP Commerce GmbH.
Warum Trial-and-Error mit Copycats (leider?) funktioniert
Man kennt die alten VC-Faustregeln: Es werden zehn Investments gemacht, drei werden floppen, fünf vor sich hin dümpeln und zwei müssen fliegen. Im Falle der Samwer-Brüder Alexander, Marc und Oliver fliegen sogar drei Gründungen: CityDeal (Millionen-Exit an Groupon), eDarling (gestufter Exit an eHarmony) und Zalando (hohe Umsatzzahlen). Die Strategie von Rocket Internet scheint offensichtlich: Es werden mit der eigenen hochprofessionellen Gründungsmaschinerie Klone am Fließband produziert und entweder es wird wie im Falle von Dreambookers nach zwei Monaten Bestehen der Stecker gezogen oder viel versprechende Geschäftsmodelle wie das von Zalando werden zum Unternehmensriesen ausgebaut.
Ein Auszug aus dem Klon-Trial-and-Error der Samwers:
| Copycat | Vorbild | Status |
| Billpay | Billmelater | mäßige Performance |
| CityDeal | Groupon | verkauft an Groupon |
| DealStreet | Swoopo | offline |
| Dreambookers | Voyage Prive | offline |
| eCareer | Experteer | finanziert, strauchelnd |
| eDarling | Parship, eHarmony | stufenweiser Exit |
| GratisPay | Offerpal, Super Rewards | verkauft an SponsorPay |
| Kontoblick | Mint | mäßige Performance |
| Netzoptiker | Glasses Direct | mäßige Performance |
| Mybrands | Dress-for-Less | offline |
| Panfu | Club Penguin | gute Performance |
| Plinga | Playfish, Zynga | mäßige Performance |
| Zalando | Zappos | Top-Performance |
An und für sich ist es ein pragmatisches Investmentvorgehen, dem die drei Jamba-Gründer folgen: Viele erfolgreiche Unternehmen mit Proof-of-Concept nachahmen und wer nicht performt oder strauchelt, wird ganz schnell abgeschaltet. Die vielversprechenden Unternehmen werden hingegen weitergeführt, wobei auch immer die Exit-Strategie eine entscheidene Rolle spielt. An wen hätte etwa ein DealStreet veräußert werden sollen? Im Falle von CityDeal nutze man das Groupon-Zeitfenster und zog in Rekordgeschwindigkeit einen Europa-Ableger hoch, der verkauft wurde. Edarling ist schon nahezu im Besitz von eHarmony und für Zalando könnte etwa Tengelmann ein attraktiver Exit-Kanal sein.
So mag es ungeschickt aussehen, ein Modell wie Mybrands Pleite gehen zu lassen, doch die Pleite dürfte für Rocket Internet kommerziell keinen Unterschied machen. Zugegeben, es ist wahrlich kein schönes Gründungsgebahren, zehn Copycats loslaufen zu lassen und die humpelnden nach ein paar Metern abzuschießen – doch es ist effizient und rechnet sich.
Wird es noch deutsche Gründungen ohne Proof-of-Concept geben?
Nicht umsonst schrieb Stefan Wolpers nach dem Groupon-Exit in seinem Blog, dass es für die deutsche Gründerszene eigentlich nachteilig ist, dass die Copycatterie der Samwers so belohnt wird: Dies regt zum Nachahmen an. Auch TechCrunch griff diesen Gedanken auf und verwies auf die Paarung deutscher Prozess-Stärke mit einer profunden Risikoaversion. Lässt man die Klischeehaftigkeit dieser Argumentation einmal beiseite, wird klar, dass es in Deutschland wirklich an einem nachhaltigen Innovationsklima fehlt. Ohne Proof-of-Concept oder größeren bestehenden Investor wird eine Finanzierung schwer. Und keiner der relevanten deutschen Inkubatoren ist copycatfrei. Hanse Ventures erste größere Gründung Carmio (www.carmio.de) erinnert stark an Daparto (www.daparto.de) und auch Team Europe Ventures hat ein Brands4Friends (Vente-Privée) oder StudiVZ (Facebook) in seiner Exit-Liste.
Per se ist an Copycats nichts auszusetzen, schließlich sind erfolgreiche Exekution und Anpassung des Geschäftsmodells an neue Märkte auch Leistungen. Doch sollte ein Proof-of-Concept keine Gründungsvoraussetzung sein, will man innovativ arbeiten. Im Falle von Mybrands haben sich die beteiligten Altinvestoren nicht mit Ruhm bekleckert, waren die Umsatzentwicklungen doch anscheinend vielversprechend und auch Dress-for-Less zeigt, dass das Modell hätte funktionieren können. Während Rocket Internet also nur ein gewisses Copycat-Lehrgeld zahlt, haben Investoren wie der Kreativfonds der IBB und das Gründerteam das Nachsehen. Vor allem stellt sich die Frage, ob nicht auch weitere Samwer-Gründungen aussortiert zu werden drohen. So soll laut Gründerszene-Informationen etwa das Engagement in Kontoblick (www.kontoblick.de) deutlich runtergefahren und das Team teilweise schon verschoben worden sein. Und auch von einem Billpay oder einem Plinga ist zuletzt wenig zu hören gewesen. Folgen DealStreet und Mybrands vielleicht noch weitere humpelnde Copycats…?
Artikel zum Thema Samwer-Gründungen:
- Clone Wars X: CityDeal wird von Groupon übernommen
- Die Samwers drehen drei Gründungen den Saft ab: Rest in Peace Ecareer, DealStreet und Mybrands
- Herausforderung Liveshopping: DealStreet und Rabattschlacht streichen die Segel
- Rocket Internet und Holtzbrinck Ventures investieren erneut in Panfu
- News-Update: Call-Put-Konstruktion möglich bei eDarling

Mybrands ist längst von Zalando aufgekauft und das Team dort integriert zum Grossteil wohl in der neuen Lounge. Die Samwers machen das einzig sinnvolle, sowohl
Kaputal als auch Personal auf die richtig erfolgreichen Projekte konzentrieren.
Wie misst du denn die “Performance”? Aus Renditesicht war mybrands wahrscheinlich stärker als Zalando die bisher nur im Bereich der Kundenakquisition eine Top-Performance zeigen. Wesentlich ist im Schuhversand aber die Prozessperformance, weil die Disposition und das Retourenmanagement mit Schuhen sehr anspruchsvoll ist. Umsatzmillionen mit Werbemillionen sind mE keine Kunst und auch keine Hinweis auf eine Top Performance. Aus Rocket Sicht wäre es eine Top Performance, wenn man einen Käufer (z.B. Deichmann) findet. Dann ist die isoliert betrachtete Renditeperfomance egal.
1 x bei Zalando gekauft (Schuhe)
1 x suuuper-lange Lieferzeit
1 x Umtausch
1 x suuuper-lange Reaktionszeit
2 x Geld zurück erhalten
Bin mir nicht ganz sicher, ob dieser Fall repräsentativ ist. Aber es ist genau so passiert…
[...] Mybrands geht offline – Beginnt das Copycat-Sterben? [...]
European Founders Fund & Rocket Internet > Team Europe Ventures
hallo,
was ist eigentlich mit anderen Klonen von Rocket, wie beispielsweise:
toptarif.de
betreut.de
immobilo.de
[...] Online Outlet mybrands schließt seine Tore. Das Outlet, welches ähnlich wie dress for less vor allem Markenklammotten verschickte [...]
[...] von Mybrands, die von der Einstellung des Online-Designer-Outlets erfuhren”, berichtet Gründerszene. Zuvor räumte das Mybrands-Team bereits seine Büroräume am Alexanderplatz. In den vergangenen [...]
Guter Artikel.
Mutige Einstufung der Samwer Copycats – wie sieht das mit TEV Copycats aus?
Gute, kritische Auseinandersetzung mit Copycats per se. Hier auch noch mal ein Kompliment an Stefan Wolpers.
Mhh, mich würde auch interessieren woher die Informationen bezüglich der Performance der einzelnen Gründungen kommen? Bis auf die offensichtlichen Fälle halte ich die Einstufung der Performance für höchst spekulativ.
[...] schönen Überblick erhält man in diesem Beitrag der gruenderszene.de. Auch auf excitingcommerce.de ist ein lesenswerter Bericht erschienen. [...]
@andere_klone: von was sollen denn betreut.de und immobilo.de Klone sein?
In China gilt das Kopieren des erfolgreichen Originals als große Ehrerbietung. Das hat u.a. auch die deutsche Autombilindustrie lernen müssen (siehe dazu u.a. http://images.paultan.org/uploads/2007/01/chinasmart1.jpg)
Ich bin allerdings skeptisch, ob dies auch Motivation bei Internet-Klonen ist. In den meisten Fällen gilt jedoch, dass das Original besser ist als die Kopie.
[...] Alle Vertreter der Generation “Copy & Paste” werden sich früher oder später über schlechte Ergebnisse ärgern. Das lässt sich vermeiden. Übrigens: “Guter Content” muss nicht immer zwingen [...]
Kontoblick existiert faktisch nur noch auf dem Papier, die Gründer arbeiten längst bei einem anderem Startup.
Bei kontoblick.de wurde wohl der Stecker gezogen, Seite, Blog, Homepage sind nicht mehr erreichbar. Kann vorkommen, aber was passiert jetzt mit den Finanzdaten der Benutzer? Es gab keine Ankündigung im Vorfeld und es gibt auch jetzt keine Nachricht irgendeiner Art an die Benutzer. Das wird der Datenschutzbeauftragte nicht so lustig finden.
Ich habe einen Account bei kontoblick.de und komme nun nicht mehr an meine Daten? Das kann doch wohl nicht wahr sein, oder? Was tun?
Nach drei Tagen Pause (und ohne irgendwelche Mitteilungen woauchimmer)ist das Ding wieder online. Ich werde meine Daten exportieren und es gut sein lassen mit kontoblick. Professionell ist anders.
Ja, ich habe heute auch mal wieder Zugriff gehabt und sofort einen Export meiner Daten durchgeführt. Ziemlich ernüchternd, das Ganze, und es zeigt, wie abhängig man sich von einem solchen Service in der Cloud macht. :(
Mails an den Support laufen bei Kontoblick übrigens scheinbar auch ins Leere, meine werden/wurden jedenfalls in der letzten Zeit nicht mehr beantwortet.
Lässt sich der Kontoblick-CSV-Export übrigens problemlos in andere Finanzanwendungen wie Quicken, Money, etc. importieren?
Auf Supportanfragen gabs auch letzte und vorletzte Woche schon keine Antwort mehr, darum war ich gewarnt und hatte bereits einen Export durchgeführt.
Es ist eine CSV Datei, die sollte man überall irgendwie reinwürgen können. StarMoney bietet explizit aber keine Möglichkeit dazu, ist Bastelarbeit.
[...] Accessoirs, Kosmetik) ausgleichen. Dazu musste jedoch ein Bauernopfer gebracht werden, namentlich mybrands. Die Investoren ließen das Unternehmen ausbluten, um es danach durch ihre Bismarck (Zalando) zu [...]
[...] Internetunternehmen ist eine derartige Langlebigkeit eher die Seltenheit („MyBrands geht offline – Beginnt jetzt das Copycat-Sterben?“, 8), und genau diese langfristige Denke fehlt den Unternehmen der Branche und schadet letztlich uns [...]
[...] Bekleidung und Accessoires bekannter Designermarken zu Schnäppchenpreisen an und performte laut gruenderszene.de auch relativ gut, litt jedoch unter dem starken Konkurrenzdruck von Zalando. Genau wie bei Zalando, [...]
What businesses have been started and/or funded by the Samwer brothers?…
Exits * Alando (eBay copy-cat, sold to eBay in 1999, for 43 million USD) [1] * Jamba (sold to VeriSign in 2004, for 223 million EUR) [2] * iLove+Jamba (sold to VeriSign in 2004, for 273 million USD ) [3] * StudiVZ (sold to Georg von Holtzbrinck Publish…