MyHammer Auktionen Branchenbuch

Publikationen wie das Manager Magazin und Die Welt berichten derzeit über die Einstellung des Auktionsmodells beim Startup-Veteranen MyHammer. Nach Aussagen des Handwerkerportals lediglich ein riesiges Missverständnis. Gründerszene sprach mit MyHammer über dessen neueste Entwicklungen.

MyHammer bietet weiterhin Ausschreibungen an

“Handwerker-Website My Hammer gibt Auktionsmodell auf”, titelte vergangene Woche die Neue Osnabrücker Zeitung und viele weitere Online-Publikation griffen die Meldung auf. Bis Ende des Jahres wolle man die Auktionen auf MyHammer (www.my-hammer.de) einstellen und sich künftig lediglich als Branchenverzeichnis für Handwerker positionieren, hieß es dort. Damit reagiere das Unternehmen auf die Entwicklung der vergangenen Jahre, in denen fortwährend rote Zahlen geschrieben wurden.

Laut MyHammer-Sprecher Niels Genzmer ein riesiges Missverständnis: Keineswegs wolle man sich vom Ausschreibungsmodell lösen, lediglich solle eine stärkere Umgewichtung in Richtung Branchenbuch geschehen. Die NOZ habe eine Aussage MyHammers zum Auktionskonzept missinterpretiert: Demnach habe das Unternehmen von der Einstellung der “Rückwärtsauktionen” gesprochen, welche bereits seit Längerem vollzogen worden sei.

Rückwärtsauktionsmodell bereits seit 2006 eingefahren

2005 war das Unternehmen in Neuss mit der Idee eines Auktionsportals für Handwerkerdienstleistungen an den Start gegangen, mittlerweile sitzt es in Berlin. Interessierte konnten auf der Webseite Ausschreibungen für Maler, Fliesenleger et cetera in ihrer Nähe einstellen. Diese bewarben sich mit Preisvorstellungen – das niedrigste Gebot bekam den Zuschlag.

Von diesem “Rückwärtsauktionsmodell” habe man sich nach dem Vorwurf des Lohndumpings und der Qualitätsvernachlässigung seit 2006 schrittweise gelöst. Stattdessen wurde auf ein Modell umgestellt, nach welchem die Suchenden die Dienstleister selbst nach Einschätzung des Preis-Leistungsverhältnisses aussuchen durften. 2010 wurde dann ein weiteres wesentliches Element der Rückwärtsauktion beseitigt: Angebotspreise werden seitdem nur noch verdeckt abgegeben.

Stärkere Fokussierung auf Branchenverzeichnis

Seit dem Start MyHammers sei die Anzahl der Ausschreibungen laut Genzmer in den ersten fünf Jahren stetig gewachsen und seitdem bei 60.000 stagniert. Zur Profitabilität MyHammers äußerte sich der Pressesprecher nicht. Allerdings seien nun umfassende Änderungen am Dienst notwendig geworden.

2009 war bereits das Branchenbuch bei MyHammer eingeführt worden, welche eine ausführliche Auflistung von Handwerkern darstellt. Dieses soll nun stärker in den Vordergrund der Website rücken. Von den 800.000 Nutzern der Seite wären zuletzt rund 85 Prozent abgesprungen, als es nach Eingabe der Suchkriterien hieß, man solle seine Ausschreibung einstellen. Viele Nutzer hätten nach Umfragen lediglich nach einer Auflistung von Dienstleistern gesucht, diesem Umstand wolle man sich nun stärker anpassen. Die Ausschreibungen bleiben weiterhin erhalten, sollen ab sofort lediglich etwas weiter nach unten rücken.