MyParfum insolvent

Online-Parfümerie MyParfum ist zahlungsunfähig

Die Werbeoffensive in der (Vor-)Weihnachtszeit hat nicht gereicht, die auf maßgeschneiderte Duftnoten fokussierte Online-Parfümerie MyParfum (www.myparfum.de) ist zahlungsunfähig. Wie Mitgründer und Geschäftsführer Matti Niebelschütz gegenüber Gründerszene erläutert, werde im Rahmen des nun begonnenen Insolvenzverfahrens eine Sanierung angestrebt, die derzeit noch elf Arbeitsplätze – seiner Meinung nach eine gesunde Größe – sollen dabei erhalten bleiben.

So dies möglich ist, würden die Geschäfte in Abstimmung mit dem bestellten Insolvenzverwalter weitestgehend unverändert weitergeführt, betont Niebelschütz unermüdlich optimistisch. Im vergangenen Dezember hatte er eine mögliche Zahlungsunfähigkeit noch abgewiesen. Es ist nicht der erste Rückschlag für das MyParfum-Team – wenn auch der bislang heftigste: Im September 2011 musste der Kosmetik-Ableger Choice of Nature aufgegeben werden. Mit recht offenen Worten hatte Niebelschütz damals das “grandiose Scheitern” kommentiert.

Das  2008 ursprünglich von Niebelschütz, seinem Bruder Yannis und Patrick-André Wilhelm – die beiden letzteren hatten sich dann Anfang 2011 zu neuen Wegen aufgemacht – gegründete MyParfum war im vergangenen Jahr auf deutlich übertriebene gut 60 Mitarbeiter angewachsen. Noch schneller wuchsen damit allerdings auch die Kosten, was zunächst dazu führte, dass MyParfum im Dezember die Notbremse zog und 13 Mitarbeiter entließ – zu spät. Und auch die zudem vorgesehene Verkleinerung auf 25 Mitarbeiter war nicht genug: Die Geschäfte zum Jahresende verliefen alles andere als planmäßig, erläutert Niebelschütz. Erhofft hatte man sich einiges, Ende November war SevenVentures bei Myparfum eingestiegen. Zwölf Prozent der Geschäftsanteile bekam der Beteiligungsarm der ProSiebenSat.1-Mediengruppe als Gegenleistung für Werbezeit auf den zugehörigen Sendern.

Weihnachtsgeschäft unter Erwartungen

Fernsehwerbung werde es nun erst einmal nicht mehr geben, sagt Niebelschütz, was im anstehenden Oster- und Muttertagsgeschäft sicherlich einige Marktanteile kosten wird. Das weitere Vorgehen in den kommenden Wochen wird dabei sicherlich stark vom Insolvenzverwalter abhängen. Wie zum Beispiel eine weitere Finanzierung aussehen kann, sei derzeit noch vollkommen offen.

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Etwa von Flaconi, das seit dem Weihnachtsgeschäft und auch derzeit noch ebenfalls durch weit reichende Werbeschaltungen auf den ProSiebenSat.1-Sendern auf sich aufmerksam macht, will sich MyParfum – wie auch gegenüber anderen Mitbewerbern – durch die Individualisierung der Düfte abgrenzen. In der Fokussierung wird auch eine Schwierigkeit des Konzepts deutlich: Üblicherweise dürfte sich das Gros der Parfüm-Kunden zunächst nach bekannten Düften und Marken orientieren. Zudem werden vorab Proben benötigt, um die Ergebnisse der eigenen Mischung voraussagen zu können. Nicht zuletzt dürfte wohl auch die Zahl der oft wiederkehrenden Kunden eher gering sein.

Im Oktober hatte Mitgründer Niebelschütz noch durch eine ungewöhnliche Aktion auf sich aufmerksam gemacht: Zehn Prozent seiner Anteile gab er an die damals 137 aktuellen und ehemaligen Mitarbeiter des Unternehmen ab – gleichwohl ohne Mitspracherecht oder die Möglichkeit, sie vor einem Exit zu veräußern. Zwischen 0,01 und einem halben Prozent gab es für die Mitarbeiter abhängig von der beim Startup verbrachten Zeit. Sollte das Unternehmen damals tatsächlich schwarze Zahlen geschrieben haben, wie Niebelschütz damals der Wirtschaftswoche verriet, sind die rosigen Zeiten längst vorbei. Ob sich das Geschäftsmodell saniert und mit deutlich geringerer Kostenbasis dennoch fortführen lässt?

Bildmaterial: Barbara Eckholdt / pixelio.de
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