MyTaxi Mobile Payment

MyTaxi: Mobile Payment als USA-Wegbereiter?

Von Smartphone zu Smartphone konnte man über die MyTaxi-App bereits seit dem vergangenen Jahr bezahlen. Nun steigt das Hamburger Unternehmen MyTaxi (www.mytaxi.net) mit einem eigenen Kartenleser in das Mobile-Payment-Geschäft ein. Der Clou: Taxifahrer können künftig auch Kartenzahlungen von Fahrgästen akzeptieren, die den Wagen ursprünglich nicht über MyTaxi geordert haben. Am Gebührenmodell hat sich nichts geändert, es werde weiterhin 2,75 Prozent des Fahrpreises vom Fahrer genommen, was auch den Kosten bei den meisten anderen Mobile-Payment-Anbietern entspricht. Das ist der Anteil, der auch bei den bargeldlosen Zahlungen fällig wird – Bereitstellungskosten oder monatliche Miete gibt es nicht.

Ab März können Taxifahrer in Deutschland, Spanien und den USA den zusammen mit dem Zahlungsdienstleister Wirecard entwickelte MyTaxi-Lösung nutzen, heißt es von dem Unternehmen. Der Clou: Gerade jenseits des Atlantiks hatten sich sowohl das Mobile-Payment-Vorbild Square wie auch der US-amerikanische MyTaxi-Wettbewerber Taxi Magic und der Limousinen- und Taxi-Dienst Uber zuletzt schwer getan, einen „Rundum-Service“ anzubieten.

In New York – sicherlich einer der weltweiten Taxi-Hotspots – hatte Square sein Pilotprojekt mit Taxis im vergangenen Oktober vor dem Hintergrund einer neuen Gesetzgebung sogar aufgegeben – in der Metropole wollen die Autoritäten mit einem Maßnahmenprogramm das Kundenerlebnis aufbessern, das von Square angebotene Modell scheint mit diesem nicht zusammen zu passen.

In Washington musste währenddessen Payment-Konkurrent Verifone, das gerade erst nach Polen expandiert ist, seine intelligenten Taxameter wieder deinstallieren, nachdem es Unstimmigkeiten mit der dortigen Kommission gab – letztere hat MyTaxi zum US-Start im vergangenen Oktober demgegenüber herzlich Willkommen geheißen. Auch Uber hatte sich in New York, Chicago und Washington hartem Gegenwind der Behörden hinsichtlich seines Taxi-Dienstes, der ebenfalls das Bezahlen per App erlaubt, ausgesetzt. Nicht zu vergessen: MyTaxi kooperiert mit dem Car-Sharing-Dienst Car2Go von Daimler, der in den USA bereits beträchtliche Marktanteile für sich gewinnen konnte.

Von Taxi über Car-Sharing bis zur Zahlung

Mit dem überaus charmanten Ansatz, beide Dienste in einer App zusammen zu bringen und auch den Bezahlvorgang über Kreditkarte abzuwickeln, könnte MyTaxi den Wettbewerbern also durchaus ein Schnippchen schlagen – und zwar auf beiden Seiten des Atlantiks: Wer ein Auto braucht, sei es zum Selberfahren oder zum Gefahrenwerden, würde dann schnell fündig.

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Zieht man den recht wankelmütigen Kurs der US-Behörden und den insgesamt respektablen Erfolg des Limousinen-Services Uber und seines Taxi-Ableger in Betracht, ist der Erfolg allerdings auch für MyTaxi keineswegs garantiert – von kaum still stehenden (App- und Zahlungs-)Wettbewerbern und einem zumindest auf Kooperationsbasis recht leicht zu kopierenden Geschäftsmodell ganz zu schweigen.

Bereits in den vergangenen Monaten hatten die reinen Mobile-Payment-Dienstleister hierzulande die Taxi-Branche rege hofiert, was angesichts der zentralen Ansprechpartner, zumeist recht ansehnlicher Zahlungsbeträge und eines passenden Zahlungsverhaltens der typischen Taxi-Klientel auch nahe liegt. Während Payleven sich um den Taxiverband Berlin (TVB) bemühte und im vergangenen Jahr einen Testlauf absolvierte, kooperiert Sumup mit Taxi.de, einem direkten MyTaxi-Wettbewerber.

Das Verfahren ist in allen Fällen denkbar einfach: Zunächst tippt der Fahrer den Fahrpreis auf seinem Smartphone ein und zieht die Karte des Passagiers durch den Leser. Dann unterschreibt der Gast mit seinem Finger, ergänzt die Summe um ein eventuelles Trinkgeld und bestätigt die Zahlung. Eine Quittung gibt es dann auf Wunsch per E-Mail.

Bildmaterial: MyTaxi