Wie verschiedentlich berichtet (zum Beispiel via 100Partnerprogramme), plant T-Online bzw. deren Tochter InteractiveMedia Ende des Halbjahres den Start einer Affiliate-Plattform.

Nachdem es in Deutschland mit affili.net sowie zanox (www.zanox.com) schon mindestens zwei erfolgreiche Plattformen gibt und zwei internationale Newcomer (cj, tradedoubler) auf den Markt drängen, eine spanennde Entwicklung.

Ich habe dazu auch mal Thomas Hessler, einen der zanox-Vorstände befragt (welche übrigens an die Börse wollen – vgl. zum Beispiel einen Artikel im Blog von Kolja Hebenstreit), und er hat mir freundlicherweise gestattet die Antwort zu veröffentlichen:

Zu t-online: noch weiss man ja nicht, wie die Lösung aussieht. Sicher hat T-Online einen breiten Rücken und langen Atem, aber ihre Chancen sind aus meiner sicht nicht die besten. Wer heute noch mit einem lokalen Affiliate-Netzwerk startet, hat aus meiner Sicht keine Chance mehr, weil das Geschäft morgen nur noch global funktioniert. Im letzten Jahr wurde der amerikanische Markt konsolidiert, nun ist Europa drann und morgen reden wir nur noch über globale Dienstleister. In dieser Hinsicht ist T-Online nicht gut aufgestellt, auch gehört es nicht zu den Kernkompetenzen, Software zu entwickeln. Ich freue mich jedoch auf den neuen Wettbewerber, da damit zu rechnen ist, dass T-Online eine ziemliche Werbetrommel schlagen wird und so dem Thema mehr Breite und Öffentlichkeit gibt, wovon wir alle partizipieren werden.
Ich hoffe damit deinen Wissensdurst gestillt zu haben ;-).

Finde ich eine interessante Sicht der Dinge. Die Software für die T-Online-Lösung scheint übrigens von e.pages entwickelt worden zu sein (hinter welcher wiederum Arndt Groth steht, welcher ehedem Geschäftsführer von Doubleclik war und noch bis Anfang 2006 bei Interactive Media).

Interessant auch, dass es sich bei adcatch (so der Name des T-Online-Netzwerks) um ein Corporate StartUp handelt. Ich bin immer etwas skeptisch bei der Stärke solcher Neugründungen und denke, dass sie oftmals überschätzt wird. Konzerne sind oft weniger schlagkräftig und wendig als echte StartUps, zudem fehlen oft die Unternehmerpersönlichkeiten, welche die Neugründung treiben. Letztlich stehen den Corporations eben meist doch nur Manager zur Verfügung, welche oft in Konzerndenken verhaftet sind. Dadurch zum einen nicht sparsam agieren und zum anderen bei der Vermarktung unkreativ sind und auf ineffiziente klassische Methoden setzen.

Einige Beispiele für missglückte corporate Gründungen:

  • Das Online Auktionshaus AndSold von Bertelsmann (damals verloren gegen Ricardo und Alando – Alando wurde später von e-Bay aufgekauft, Ricardo mit QXL fusioniert)
  • Das Social Net Orkut von Google (Gewinner waren Friendster und anschliessend MySpace, Facebook und weitere)
  • Verschiedenliche Social Networks à la Friendster in Deutschland (es haben sich daran die Zähne ausgebissen u.a. Jamba, Freenet, Bild-T-Online)

Das ist natürlich jetzt anekdotisch und selektiv und man könte hier auch zahlreiche Gegenbeispiele aufführen. Was ich zum Ausdruck bringen möchte ist, dass sich Gründer nicht von Plänen etablierter Unternehmen in deren Nischen vorzudringen einschüchtern lassen sollten. Am Ende gewinnt der bessere Unternehmer und nicht der, welcher den stärkeren Konzern im Rücken hat.