Nie wieder schwere Tüten in den vierten Stock tragen, nie wieder an der Kasse warten und nie wieder um die letzte Milch kämpfen. Der Online-Supermarkt klingt nach einer bahnbrechenden Idee. Doch der Online-Handel mit Lebensmitteln hat bislang in Deutschland noch nicht den Durchbruch geschafft. Verdorbenes Obst, unkalkulierbare Lieferzeiten und wenig Inspiration wurden den Anbietern vorgeworfen. Nun bereitet Supermarkt.de den Start für Hamburg vor und ist auf Personalsuche. Ob das Hamburger Startup es besser macht als die Konkurrenz?

Supermarkt.de will Fehler der Konkurrenz vermeiden
Die Gründer des Hamburger E-Commerce-Startups Supermarkt.de Dominik Mühl und Arne Stock wollen laut Webseite mit einem vollen Sortiment, günstigen Preisen und Lieferung zum Wunschtermin aufwarten. Sollten sie einhalten, was sie versprechen, machen sie vieles besser als die Konkurrenz, denn bisher hörte man vor allem von verdorbenen Lebensmitteln, langen Lieferzeiten und überteuertem Angebot. Um ihre Ideen umzusetzen, suchen die Gründer derzeit noch Teamverstärkung: vom Marketing-Manager, über den Logistik-Spezialisten bis hin zum Kundendienstmitarbeiter sind alle Stellen dabei.
Supermarkt.de will, so Exciting Commerce, unter anderem gegen Lebensmittel.de antreten, das laut Handelsregister kürzlich sein Stammkapital um zwei Millionen Euro auf 2,5 Millionen Euro erhöht hat. Laut Handelregisterauszug konzentriert sich das Unternehmen auf den Verkauf von Lebensmitteln inklusive Frischeprodukte, Artikeln des täglichen Bedarfs und Non-Food-Artikeln über das Internet.
Beide Vorstände der Supermarkt.de AG sind alte Hasen in der Gründerszene. Arne Stock ist Vorstand der Portalis Group (www.portalis.com), die sich auf vertikale Produktsuchmaschinen spezialisiert hat. Zu den führenden Portalen der Gruppe in Deutschland zählen aktuell: Moebel.de, Fashion.de und MySport.de. Dominik Mühl begleitete mit CatCap (www.catcap.de) Prozesse wie Eigenkapitalausstattung, Optimierung von Unternehmensportfolios und sonstige strategische Kapitalmaßnahmen auf Gesellschafter- und Unternehmensebene.
Hat der Online-Lebensmittel-Markt eine Chance in Deutschland?
Auf den ersten Blick scheint Supermarkt.de auf die richtige Karte zu setzen: 150 Milliarden Euro im Jahr geben die Deutschen für Lebensmittel aus. Nur magere 0,5 Prozent werden davon bisher im Internet umgesetzt. An allen im Internet bestellten Waren haben Lebensmittel einen Anteil von gerade einmal drei Prozent. Klingt nach unausgeschöpftem Potenzial, zumal das Geschäft mit den Online-Lebenmitteln im Ausland teilweise boomt.
Die Food-Umsätze im Internet liegen in Großbritannien bei etwa 3,5 Milliarden Euro im Jahr – Branchenriese Tesco ist führend auf dem Markt. Der britische Handelskonzern testet zur Zeit in Südkorea zudem den Einkauf von Lebensmitteln mit dem Smartphone. Auch in anderen Ländern steigt der Umsatz mit dem Lebensmittel-Onlinehandel. So konnten zum Beispiel die großen Supermärkte Migros und Coop in der Schweiz ihren Online-Umsatz um bis zu 22 Prozent steigern.
Alle Versuche in Deutschland das Geschäft mit der Web-Bestellung und der Auslieferung bis an die Haus- oder Wohnungstür zu beleben, gelten bislang jedoch als wenig erfolgreich. Sind die Deutschen nicht bereit für ein bisschen Gemütlichkeit mehr Geld für Lebensmittel auszugeben? Die Vermutung könnte stimmen, schließlich sind in keinem anderen europäischen Land die Lebensmittel-Discounter wie Aldi und Lidl so verbreitet wie in Deutschland. Bisher punktete der Online-Lebensmittelversand in Deutschland vor allem bei Feinkost und Spezialitäten.
Bisher haben selbst die Discounter in ihren Online-Shops vermehrt auf Non-Food-Produkte und haltbare Lebensmittel gesetzt. Edeka (www.edeka24.de) etwa bietet gar keine Frischwaren an und Kaisers (www.kaisers.biz) bietet seinen Bringservice nur in Berlin und München an. Zur weiteren Konkurrenz zählen auch Froodies (www.froodies.de) und Rossmannversand (www.rossmannversand.de) mit einem kleinen Onlineangebot.
Markt für Online-Lebensmittel in Bewegung
Schon in früheren Zeiten haben einige Unternehmen auf den Internethandel mit Lebensmitteln gesetzt und sind kläglich gescheitert – darunter zum Beispiel Onlineriese Otto (www.otto.com), der derzeit prüft, ob er in diesen Online-Handel wieder einsteigt. Bereits im Jahr 2000 startete der Otto-Supermarktservice. Er gehörte damit zu den Vorreitern in Deutschland. Das Experiment überlebte jedoch nur drei Jahre.
Erst im Juli startete Amazon unter www.amazon.de/lebensmittel den Verkauf von Lebensmitteln und Getränken. Kunden können aus über 30.000 Produkten auswählen, bis heute befindet sich die Seite in der Beta-Version. Amazon kooperiert mit über 60 Händlern, dadurch fallen teilweise hohe Lieferkosten an, da alle Händler eigene Lieferkosten berechnen. Im Trend liegen auch so genannte Drive-Konzepte, wie sie zum Beispiel Rewe (www.rewe-online.de) in Pilotregionen anbietet. Kunden können die Ware im Internet bestellen und dann im Markt abholen, sodass die Anlieferung entfällt.
Es wird sich zeigen, ob Online-Supermärkte hierzulande doch noch den Durchbruch schaffen, obwohl fast jeder Verbraucher den nächsten Supermarkt in wenigen Minuten erreicht. Außerdem ist gerade in Sachen Lebensmittel die Inspiration vor dem Supermarktregal, die Farbe und der Geruch oft Verkaufsargument. Online-Supermärkte werden demnach nur mit festen Lieferzeiten, großem Sortiment und günstigen Preisen punkten können. Die Gewinnmargen dürften dann jedoch gering ausfallen.

Wünsche dem Team viel Erfolg! Hoffentlich sind sie was das Konzept angeht nicht noch zu früh dran.
Cheers
Ingo Bohg ist seit Anfang 2011 bei Froodies. Damit bei TopTarif raus. Ist das keine Nachricht wert ?
@AAA
die Personen hier die in der Datenbank zu Toptarif genannt werden sind eh nichtmehr so wirklich aktuell.
aber cih würd gern wissen was der Thorsten Bohg momentan so treibt.
Meiner Meinung nach macht eine Online-Bestellung von Lebensmittel nur Sinn wenn diese direkt als Bringdienst (wie bei z.B. Pizza) geliefert werden.
Das ganze mittels Post oder Spedition macht doch bei Lebensmittel keinen Sinn. Ich will aus der Arbeit oder von Zuhause bestellen und kurze Zeit später die Lieferung haben.
Damit ich nach der Arbeit nicht noch im Supermarkt vorbei muss und meine wenige Freizeit an der Kasse verbrate.
Ich denke auch, der Online-Lebensmittelmarkt ist im Kommen, wird sich aber in Deutschland noch viel Zeit lassen, da eben die Versorgung relativ gut ist und wir unsere Discounter und Supermärkte sehr stark gewöhnt sind.
Vielleicht wäre ja auch für bestimmte Dinge eine Art Abo denkbar, denn z.B. bestimmt Getränke, Joghurt etc. verbraucht man jede Woche und die würde ich mir beispielsweise anliefern lassen. Das spart dann vielleicht schon 1/4 der wöchentlichen Einkaufszeit und der Dienst muss deswegen nicht mal unbedingt günstiger sein.
Also ich finde Abholung okay, wenn es schnell geht.
Im Supermarkt kaufen wir meist immer dieselben Artikel, die könnte man wunderbar in einer Wunschliste hinterlegen, und wenn ich an den Zeitbedarf denke:
– vor allem an der Wursttheke
– Parkplatz suchen
– in geringerem Maße: an der Kasse
Wenn ich vorfahren könnte (und es am Weg liegt) und in 3 min wieder weg wäre, wäre mir das 10% teurere Preise wert
Das Problem mit dem Abholen ist doch, dass das nur ausgewählte Märkte anbieten. Im Supermarkt im die Ecke lohnt das nicht. Das heißt ich fahre eine weitere Strecke, das kostet wieder Zeit und Geld. Das ist dann für mich keine Convenience.
Also ich habe mir supermarkt.de schon gebookmarkt und freue mich auf den Service.
Wie in vielen anderen Ländern Europas wird es in Deutschland bald möglich sein in fast jeder größeren Stadt im Supermarkt online einzukaufen. Der Markt ist riesig und für mich ist es fast unverständlich weswegen dieser erst jetzt aggresiver in Angriff genommen wird.
Bei meinem längeren Madrid-Aufenthalt war der Online-Einkauf von auch schwereren Lebensmittel (Bier, Wasser etc.) eine echte Erleicherung :)
Ich frage mich allerdings auch wie solche Online-Supermärkte und auch Froodies bestehen können wenn die großen wie z.B. Tengelmann (die schon in München und noch ner Stadt online starten) breitflächig online gehen. Wo ist dann der USP dieser quasi-Online-Supermärkte?
Ich bin zurzeit in London und liebe die Online-Lebensmittel-Bestellung. Die deutschen Dienste lassen aber drei Punkte vermissen:
1) Schöne Plattform mit praktischen Zusatzfunktionen (Regulars, Rezepte, Rabatte)
2) Auswahl eines Slots von höchstens einer Stunde
3) Die volle Produktpalette
Ich kann hier bei Sainsburies, Tesco, Waitrose und sicher noch viel mehr Supermärkten mit genau diesen Funktionen einkaufen und zahle dafür höchstens 6 Pfund extra.
Und es funktioniert anscheinend nicht nur in den großen Ballungsgebieten wie London oder New York, wie mir Bekannte berichtet haben.
Ist das wirklich so neu, wie es klingt. Dass Discounter oder Supermärkte eigene online SHops haben ist doch schon länger so, oder? Schau ich mir jetzt beispielsweise eine dieser Discounter-Seiten an(Beispiel), seh ich da nirgends einen Hinweis, dass der Lebensmittelvertrieb nicht möglich wäre. An sich find ich es aber auch überflüssig, weil es nicht viel bringt sich Lebensmittel liefern zu lassen. Weder kommt man in Kontakt mit der Ware, die man kauft, noch hat man das Gefühl von Einkaufen, wenn man sich die Möhren online in den Einkaufswagen legt. Mag vielleicht ein Projekt der Zukunft sein, für mich ist es aber defintiv nichts ;)
[...] Supermarkt.de Online-Supermärkte: Supermarkt.de startet in Hamburg Nie wieder schwere Tüten in den vierten Stock tragen, nie wieder an der Kasse warten und nie wieder um die letzte Milch kämpfen. Der Online-Supermarkt klingt nach einer bahnbrechenden Idee. Doch der Online-Handel mit Lebensmitteln hat bislang in Deutschland noch nicht den Durchbruch geschafft. Verdorbenes Obst, unkalkulierbare Lieferzeiten und wenig Inspiration wurden den Anbietern vorgeworfen. Nun bereitet Supermarkt.de den Start für Hamburg vor und ist auf Personalsuche. Ob das Hamburger Startup es besser macht als die Konkurrenz? Gründerszene [...]
@Roland Du musst schon abstrahieren können von Dir als Einzelperson. Es gibt viele Bevölkerungsgruppen für die ein Online-Einkauf mit Lieferung zu bestimmten Zeitfenstern eine echte Bereicherung wäre wie z.B.
- Berufstätige mit langen Arbeitszeiten die zum Teil erst nach 19/20 Uhr nach Hause kommen
- Ältere Menschen die einfach nicht so schwer tragen können
Und abgesehen von Frischware bei der der Supermarkt erst noch zeigen muss ob er wirklich so gut auswählt wie man selber gibt es viele Dinge wie z.B. Waschmittel, Deo, Geetränke die man nicht jedes Mal anfassen muss bevor man diese kauft.
Aber schau mer mal was die Zukunft so bringt :)
@ Sammy da stimm ich dir ja zu, aber Supermärkte haben ja selbst heute bis 22Uhr oder gar 24Uhr geöffnet (zumindest in den Großstädten). Das Argument mit den alten Menschen möchte ich jetzt nicht damit widerlegen, dass ich bezweifel, dass ihnen überhaupt eine solche Funktion im Internet bekannt ist, aber ich denke, wenn es sich um pflegebedürftige Menschen ahndelt, gibt es hierfür sowieso dezentrale Möglichkeiten, die eine Versorgung der pflegebedürftigen Person ermöglichen, aber ich lass mcih auch gern weiter überraschen
@Roland das waren ja nur zwei Beispiele. Ich denke der Convenience-Faktor spielt da ne große Rolle. Wenn man nicht mehr immer alles tragen muss und nur die frischen Sachen dort kauft ergäbe sich schon ein riesiges Marktpotentia. Da gibt es sicher genug potentielle Kunden die dafür Geld ausgeben würden. Speziell wenn wie Jaysquared anmerkt bestimmte Serviceaspekte gut gelöst werden.
Die Online-Supermärkte werden niemals den stationären Handel ersetzen aber wenn nur 2,5% der Umsätze über Online gehen dann ist das ein Milliardengeschäft dass sich sicherlich die großen Märkte früher oder später nicht nehmen lassen werden.
[...] von Jochen Krisch, der als erster über food.de berichtete. Das Fazit von Nora-Vanessa Wohlert von Gründerszene zum Thema Online-Supermärkte lautete kürzlich: “Alle Versuche in Deutschland das Geschäft [...]
[...] häufiger hört man in der letzten Zeit von diversen Online Supermärkten, die entweder schon gestartet sind [...]
Ich bin auch sehr gespannt, was das Team auf die Beine stellen kann. Ich denke die Internetgeschicke samt Werbung sind kein Problem.
Was die Verteilung von Prospekten betrifft, wird das Know-How in der Unternehmung sein, wenn ich mir den Aufsichtsrat ankucken. Die Prospekte von Kabs (BTW: Deren neuer Onlineshop sieht ziemlich edel aus!) kommen fleißig ins Haus geflattert und werden bestimmt auch bald Supermarkt.de Werbung enthalten. Online Marketing auf einige Stadtteile zu präzesieren, sollte ebenfalls günstig zu bewerkstelligen sein, während ein Shop samt Lebensmitteldaten relativ auch keine große Hürde darstellt.
Der Erfolg wird mit der Logistik stehen und fallen. Lagerkosten (Kühlung), schnelle und pünktliche Lieferung (von wem eigentlich?) innerhalb eines vom Kunden definierten Slots (max. 1 Stunde) stellen die Erfolgsfaktoren da. Bin skeptisch.
Gruß,
Ferdinand