bvh statistik 2012 online-versandhandel 2012

Stolze 42 Prozent Wachstum bei reinen Online-Versendern

Im vergangenen Jahr ist der gesamte Versandmarkt nach Angaben des Bundesverbands des Deutschen Versandhandels (www.bvh.info) um 15,6 Prozent auf ein Volumen von 39,3 Milliarden Euro angewachsen – und damit so stark wie nie zuvor. Wenig überraschend ist dabei, dass das Wachstum insbesondere von einem regelrechten Boom im Online-Geschäft getragen wurde, rund 70 Prozent der Umsätze beziehungsweise 27,6 Milliarden Euro werden über das Internet generiert.

Auch wenn reine Online-Konzepte derzeit nur rund ein Viertel des Gesamtgeschäfts darstellen, ist der Anteil in den vergangenen Monaten rapide angestiegen. Allein die vor wenigen Tagen erst vermeldeten Zahlen des Branchenriesen Amazon hatten verdeutlicht, dass sich die sogenannten Internet-Pure-Player immer mehr durchsetzen: Laut BVH-Statistik wuchsen deren Umsätze im vergangenen Jahr noch einmal deutlich um 42 Prozent auf insgesamt 10,7 Milliarden Euro an. Zur Orientierung: Allein der Schuh- und Fashion-Versender Zalando hatte bereits zur Jahreshälfte die Umsatzmarke von einer halben Milliarde Euro vermeldet.

Frauen bleiben größter Umsatzträger

Interessant ist der Blick auf die Geschlechterverteilung. So dominieren Frauen beim Online-Handel mit einem Umsatzanteil von mehr als 55 Prozent, was einem Gesamtumsatz von 21,7 Milliarden Euro entspricht – zudem generiere das weibliche Geschlecht eindeutig größere Warenkörbe. Vor allem Multikanalanbieter stehen bei Frauen hoch im Kurs: Kundinnen sorgen bei diesen Versendern für 14,76 Milliarden Euro Umsätze, heißt es vom BVH. Der männliche Anteil schafft es hier lediglich auf 7,15 Milliarden Euro. Im Gegensatz dazu sind die Internet-Pure-Player mehrheitlich in Männerhand, die hier einen Umsatz von 6,6 Milliarden Euro erzeugen.

Insgesamt stiegen die Internet-Ausgaben der Deutschen laut BVH auf über 37 Milliarden Euro an. So wurden im vergangenen Jahr nicht nur Waren im Wert von 27,6 Milliarden Euro geordert, sondern auch digitale Güter wie Flugtickets, Pauschalreisen, Tickets für Veranstaltungen oder Fahrkarten im Wert von 9,7 Milliarden Euro gekauft. Im Vergleich zum Vorjahr ergab sich damit eine Umsatzsteigerung von rund 21 Prozent bei den digitalen Gütern. Der Zuwachs im Bereich Dienstleistungen lässt sich dabei vor allem auf einen Anstieg bei Reisen, insbesondere Pauschalreisen, zurück führen – nach den für die Branche eher schwächeren Jahren 2009 und 2010 haben sich mit der konjunkturellen Erholung die Ausgaben für Reisen insgesamt wieder deutlich erhöht.

Digitales Bezahlen ist im Kommen

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Auch im Jahr 2012 war der Kauf auf Rechnung die beliebteste Zahlweise der Kunden im Interaktiven Handel. Der Anteil lag bei 37 Prozent. Dennoch wurde ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr registriert: Im Jahr 2011 kaufte noch ein Anteil von 42 Prozent der Kunden über diesen Bezahlkanal. Hingegen legten die digitalen Bezahlwege 2012 ordentlich zu und haben damit den Trend aus den letzten Jahren bestätigt. Mittlerweile erfolgen 17 Prozent aller Bezahlungen über diesen Kanal. Das entspricht einer Steigerung von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Der Rechnungskauf bleibt dabei der essentielle Bezahlweg für die Branche – was angesichts der weiterhin hohen Retourenquoten – beim Mode-Schwergewicht Zalando liegen diese nach eigenen Angaben bei 50 Prozent – kaum überraschen kann. Gleichwohl steige die Nutzerzahl digitaler Bezahlwege, wie der Bundesverband feststellt. In den vergangenen Monaten hatten sich mehrere Payment-Anbieter wie etwa Paymill aus dem Hause Rocket Internet am Markt etabliert, die reinen Online-Anbieter arbeiten zudem längst an eigenen Bezahl-Plattformen.

Schnelleres Wachstum im Online-Segment

Dass sich das Wachstum der vergangenen Jahre auch im laufenden Jahr 2013 fortsetzen wird, steht außer Frage. Aktuell schätzt der BVH das Umsatzwachstum auf 10,6 Prozent beim gesamten Interaktiven Handel, was einer Summe von 43,5 Milliarden Euro entspricht. Dies dürfte zwar, wie für die Schätzungen des Verbands durchaus typisch, eher konservativ veranschlagt sein.

Nach der Insolvenz von Neckermann und einer überaus zähen Modernisierung bei den traditionellen Versandhäusern aber auch einem harten Wettbewerb unter den Newcomern um Finanzierung und Werbereichweite befindet sich die Branche allerdings weiter im Umbruch. Zuletzt hatte der Großkonzern Otto gerade seine Töchter Mirapodo und MyToys zusammengelegt. Schlüssige Strategien sind insbesondere bei den verbliebenen Versandgrößen meist Mangelware. Sollte sich dies nicht ändern, wird es sicherlich auch 2013 noch weitere Geschäftsaufgaben geben. Das E-Commerce-Volumen soll laut BVH im Jahr 2013 demgegenüber voraussichtlich doppelt so schnell wachsen, und zwar um 21,3 Prozent auf knapp 34 Milliarden Euro. Gute Zeiten für (Online-)Versandhändler!

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