Bezahlsystem Orderbird mit neuer Finanzierung

Seit September 2011 ist das Kassensystem Orderbird am Markt, nun steckt Beteiligungsunternehmen Alstin gut 2,4 Millionen Euro in das Startup von Jakob Schreyer, Bastian Schmidtke und Patrick Brienen. Gelockt haben dürften diesen nicht zuletzt die steigenden Zahlen bei Neukunden und Einnahmen. Auch das Bestellen und Bezahlen vom Mobiltelefon aus soll bald möglich sein.

Orderbird zieht 2,7-Millionen-Investment an Land

Die Orderbird AG (www.orderbird.com) mit Sitz in Berlin hat die zweite Finanzierungsrunde abgeschlossen: Mit mehr als 2,4 Millionen Euro steigt die Investmentgesellschaft Alternative Strategic Investment GmbH (www.alstin.de) bei dem Bezahlsystem-Startup ein. Hinter dem Finanzierer steht der bekannte Hannoveraner Unternehmer und AWD-Gründer Carsten Maschmeyer. Weil sich auch die Altaktionäre an der Kapitalerhöhung beteiligten, wurden insgesamt gut 2,7 Millionen Euro eingesammelt.

Auf Basis von iPad und iPod touch bietet Orderbird ein auf die Gastronomie ausgerichtetes Kassen- und Abrechnungssystem, das dabei helfen soll, den gesamten gastronomischen Betrieb zu organisieren, Rechnungen zu schreiben und Bons auszudrucken. Finanziert wurde das Unternehmen bislang von Business Angels und der Investitionsbank Berlin, die bei der Gründung zusammen rund 500.000 Euro bereit gestellt hatten.

Technisch werde als nächstes vor allem die Gastbestellung ausgebaut werden: „Der Kunde kann – nach Abschluss der Pilotprojekte in Berlin und München – zukünftig direkt über sein Smartphone Speisen und Getränke bestellen“, sagt Jakob Schreyer gegenüber Gründerszene. Die Bestellung wird dabei direkt in das Kassensystem übertragen und in der Küche oder der Bar ausgedruckt. Die Rechnung kann der Gast darüber hinaus auch direkt mit seinem Orderbird-Account bargeldlos bezahlen. Der deutschlandweite Rollout ist für die zweite Jahreshälfte geplant, international will sich das Unternehmen dann zunächst auf die angrenzenden Länder fokussieren. Erste Tests würden allerdings schon jetzt auch in Asien durchgeführt.

Bislang wenig Lizenzgebühren gefordert

Das neue Kapital sei dringend für das Wachstum nötig, verrät Schreyer. Im ersten Schritt sollen nun bis zu vier neue Entwickler eingestellt werden, um die Produkte weiter auszubauen. In der Tat hat sich das Startup ambitionierte Ziele gesetzt: Sind derzeit rund 250 Restaurants Kunden bei Orderbird, sollen es bis zum Jahresende immerhin 700 sein. Der Blick auf die bisherige Entwicklung lässt das plausibel erscheinen, noch zum Jahreswechsel verwies das Jungunternehmen auf lediglich 100 Kunden. Mit mehr Manpower auch im Vertrieb sowie frisch gefüllten Kassen dürften sich die Wachstumsraten wohl noch etwas ausbauen lassen.

Gelockt haben dürfte die Kunden unter anderem, dass diese bislang kaum Lizenzgebühren zahlen müssen. Der Bärenanteil der Orderbird-Einnahmen stammt laut Schreyer aktuell nämlich noch aus dem Verkauf der Hardware, gerade einmal 5.000 bis 7.000 Euro habe man über die Software verdient. Allerdings soll sich das bald ändern. Zukünftig werden neben den Anschaffungskosten für die technische Ausstattung – dem Vernehmen nach durchschnittlich 1.500 Euro –  wahlweise 39 Euro im Monat oder 390 Euro im Jahr fällig, was den Umsatz- und den Ertragszahlen des Startups sicherlich noch einmal einen ordentlichen Aufwind geben dürfte. Für diesen Preis gibt es dann auch Onlineauswertungen für alle Geräte, Schnittstellen zum steuerkonformen Export der Daten und telefonische Hilfe rund um die Uhr.

Ordentlicher Anstieg der Einnahmen

Der Blick auf die jüngsten Geschäftszahlen zeigt zunächst einen ordentlichen Anstieg der Einnahmen beim Berliner Startup: So waren diese im März dieses Jahres mit rund 74.300 Euro mehr als vier Mal so hoch wie im Januar, berichtet auch die FTD. Insgesamt hat der Bezahlsystem-Anbieter demnach in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres gut 131.000 Euro in die Kassen bekommen. Dem gegenüber stehen allerdings fast 297.000 Euro an Ausgaben, woraus sich für das erste Quartal 2012 ein Verlust von 166.000 Euro errechnet. Der Schuldenstand per Ende März habe bei 380.000 Euro gelegen.

Auch die Zahl der Neukunden steigt stetig: Nach 85 Zugängen im vierten Quartal 2011 kann das Jungunternehmen nun auf auf 115 weitere Kunden verweisen, besonders im Februar und im März habe es dabei einen großen Ansturm gegeben. Seit kurzem gehört unter anderem auch Mymuesli (www.mymuesli.com) zu Orderbirds Kundschaft.

Square, Zenpay, SumUp als Wettbewerber?

Die eigene Plattform wird von Orderbird insbesondere für Bars, Diskotheken und Gastronomie vermarktet. Sie erlaubt es dem Servicepersonal, die Bestellung drahtlos in die Küche und Schenke zu schicken. Das System liefert dann die Reports – aufgeschlüsselt nach Kellner, Schicht, Tag, Monat oder mehr. Per W-Lan kommuniziert das Kassensystem auch mit vorkonfigurierten (Bon-) Druckern und Routern. Das Startup bewirbt dabei den Vorteil geringer Anschaffungskosten in Verbinung mit einem funktionalen Kassensystem. Letzteres von dem mittlerweile 25-köpfigen Team (zum Jahresbeginn waren es 14 Mitarbeiter) als Software-as-a-Service angeboten: die Hardware wird dabei vorweg und die Software anschließend als Lizenz erworben.

Das Kassensystem sieht Schreyer als Herzstück von Orderbird. Beim mobilen Bezahlen sieht er daher andere Plattformen nicht unbedingt als Wettbewerber, sondern sogar als mögliche Partner – langfristig zumindest. In den USA bietet das ebenfalls junge Startup Square des Twitter-Gründers Jack Dorsey schon seit längerem eine einfache Möglichkeit, per Kartenleser-Aufsatz direkt am iPad und iPhone Kreditkarten abzurechnen. Mit einer zusätzlichen App kann damit jedes kleine Geschäft ein einfaches Kassensystem auf Basis aufbauen. Während eine frei konfigurierbare App kostenlos angeboten wird, müssen für die Nutzen des Kreditkartenlesers 2,75 Prozent des Umsatzes als Provision gezahlt werden. Hierzulande arbeite mittlerweile Rocket Internet (www.rocket-internet.de) unter dem Namen Zenpay an einem Square-Klon, mit SumUp soll schon ein weiterer Wettbewerber in den Startlöchern stehen.

Aber auch immer mehr direkter Konkurrenz sieht sich Orderbird gegenüber. Gerade erst ist mit WaiterOne ein entsprechendes Angebot gestartet, dass ebenfalls auf den Apple-Geräten läuft. Ein noch viel gewichtigerer Wettbewerber allerdings könnte der iPad-Hersteller selbst werden. Sollten sich die Gerüchte über eigenes System bewahrheiten, das auf der Basis von NFC-Chips zusammen mit der kommenden Gerätegeneration angeboten wird, hätte Orderbird möglicherweise mit starkem Gegenwind zu kämpfen. Es gilt also für das junge Startup, sich schnellstmöglich gegen die aufstrebende Konkurrenz zu positionieren. Ob das neue Kapital dafür noch rechtzeitig kommt?