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Der demographische Wandel in Deutschland ist unabwendbare Realität: Die Geburtenrate sinkt stetig, gleichzeitig werden die Menschen immer älter. Pflege wird dadurch zum Top-Thema. Nun sammelt das Serviceportal Pflege.de (www.pflege.de) in einer zweiten Finanzierungsrunde einen sechsstelligen Betrag ein. Neu investiert sind jetzt unter anderem Burkhard Schwenker, Vorsitzender des Aufsichtsrats bei Roland Berger Strategy Consultants (www.rolandberger.com) und RI Digital Ventures. Zudem haben sich auch Altinvestoren an der Finanzierungsrunde beteiligt.

Pflege.de baut Vertrieb aus

Mit dem zusätzlichen Kapital wolle Pflege.de die Beratungsleistungen und den Vertrieb weiter ausbauen.

„Die demografische Entwicklung in Deutschland und die steigenden Nutzerzahlen im Internet sprechen für das zukunftsträchtige Geschäftsmodell von Pflege.de. Dieser nachhaltige Ansatz und das Team haben mich überzeugt“, sagt Burkhard Schwenker. Der Unternehmensberater ist ein Kenner der Health-Care-Branche.

Die RI Digital Ventures ist ein gemeinsames Unternehmen für Venture Capital Investments von Zeitungsverleger  Dirk Ippen und der Raffay & Cie., der Investmentgesellschaft der Raffay Unternehmensgruppe. RI Digital Ventures wurde Mitte 2011 gegründet.

Zu den Altinvestoren gehören neben Hanse Ventures (www.hanse-ventures.de) auch das Medienhaus Aschendorff. Das Startup erhielt bereits Anfang des Jahres eine Finanzspritze im hohen sechstelligen Bereich.

Das bietet der Service von Pflege.de

Die Onlineplattform verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, der eine telefonische Beratung, die Vermittlung von Pflegeleistungen und ein auf die Pflegebranche spezialisiertes Jobportal umfasst. Mit diesem Dreigespann soll Pflegebedürftigen und deren Angehörigen geholfen werden, „in einem bislang sehr unübersichtlichen Markt transparente und individuell passende Lösungen zu finden“, so Lars Kilchert, Mitgründer und Geschäftsführer von Pflege.de. Gibt es in einer Familie also konkret einen Pflegefall, so kann man sich mit seinem Anliegen direkt an Pflege.de wenden, anstatt sich selber auf die Suche nach brauchbaren Informationen zu machen.

Über die Telefonhotline wird man von Pflegefachkräften kostenlos beraten, die sowohl Auskunft über stationäre als auch über ambulante Pflegemöglichkeiten geben. Auf der Website kann man sich über die verschiedenen Pflegeanbieter informieren, und vom Altenheim über ambulante Pflegedienste bis hin zu betreutem Wohnen die jeweils passende Einrichtung finden. Außerdem bietet Pflege.de ein recht umfangreiches redaktionelles Angebot an, welches über die wichtigsten Themen und Entwicklungen in der Pflegebranche berichtet, und vermittelt über das eigene Jobportal auch ausgebildete Fachkräfte.

Pflege.de will mit ausgewählten Anbietern punkten

Bei der Auswahl der Anbieter setzt Pflege.de einen klaren Fokus: „Wir legen Wert darauf, nur Anbieter von hoher Qualität zu empfehlen und arbeiten deshalb eng mit Organisationen zusammen, die Pflegeeinrichtungen zertifizieren und bewerten“, so Lars Kilchert. Dazu zählen unter anderem die Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen (KTQ) und die Betroffenenorganisation BIVA, mit deren Hilfe sich das Onlineportal abgrenzen möchte. Die zertifizierten Anbieter können sich auf der Plattform dann direkt einer Zielgruppe präsentieren, die ein ernsthaftes Interesse an der jeweiligen Dienstleistung hat, und dementsprechend ein hohes Involvement mitbringt. Vermittelt Pflege.de einen Interessenten dann beispielsweise an ein Altenheim, wird dafür eine Servicegebühr fällig, an der das Startup schlussendlich verdient. Ein weiterer Revenue Stream ergibt sich aus der Jobdatenbank, über die qualifiziertes Pflegepersonal gezielt an Pflegeeinrichtungen vermittelt wird, die dafür dann zahlen müssen.

Pflege.de

Zur Entstehungsgeschichte von Pflege.de

Die Idee, eine umfassende Beratungsplattform zum Thema Alten- und Krankenpflege ins Leben zu rufen, entsprang dabei den Hirnwindungen von Benedikt Zacher, der nach seinem Studium an der London School of Economics bei der Technologieberatung Altran Group gearbeitet und dort erste Erfahrungen im Healthcare-Bereich gesammelt hatte. Nach Gesprächen mit Branchenexperten wie der Ehrenpräsidentin des Deutschen Pflegerats, Marie-Luise Müller, konkretisierte sich das Konzept dann und es wurde gezielt nach einem Gründungspartner gesucht.

Über seinen Bruder Nikolaus Zacher, dem Gründer und Geschäftsführer von HochzeitsPlaza (www.hochzeitsplaza.de), kam dann der Kontakt zu Hanse Ventures. Lars Kilchert hatte dort nach seinem abgeschlossenen BWL-Studium das „Entrepreneur in Residence“-Programm absolviert und war zu dem Zeitpunkt bereit für eine erste Gründung. 2011 gründeten die beiden dann gemeinsam mit Hanse Ventures Pflege.de, und konnten bereits nach kurzer Zeit einige Privatinvestoren und den Aschendorff-Verlag davon überzeugen, das zukünftige Wachstum mitzufinanzieren. Mittlerweile arbeiten über 20 Mitarbeiter bei dem Startup in der Hamburger Hafencity, die sich vor allem um Pflegeberatung, IT, Online-Marketing und Vertrieb kümmern.

Pflege.de – was kann das Beratungsportal wirklich?

Der Service von Pflege.de trifft generell den Puls der Zeit: Umso weiter die „Überalterung der Gesellschaft“ voranschreitet, desto größer wird die Nachfrage nach Pflegeeinrichtungen und entsprechenden Dienstleistungen. Das Beratungsportal kann dabei eine echte Hilfestellung für Pflegebedürftige und deren Angehörige sein, die sich selber erst durch eine unüberschaubare Anzahl von Anbietern schlagen müssten, um eine Einrichtung zu finden die ihren individuellen Bedürfnissen entspricht. Und wer schon mal einen Pflegefall in der eigenen Familie hatte, der dürfte wissen wie schwierig es ist, hier die richtige Wahl zu treffen – und wird einen solchen Service definitiv zu schätzen wissen. Pflege.de dürfte daher mit dem persönlichen Beratungsansatz und der strengen, auf Qualität bedachten Auswahl den Nerv der Zielgruppe treffen.

Nichtsdestotrotz handelt es sich bei dieser aber in der Regel um die Kinder der Pflegebedürftigen, die laut Pflege.de im Schnitt zwischen 50 und 59 Jahren alt sind. Eine Generation also, die nicht wie die „Digital Natives“ mit Computern, Internet und Smartphones aufgewachsen ist und sich nach wie vor schwer damit tut, Online-Services in ihren Alltag mit einzubeziehen. Das ändert sich zwar zusehends – mittlerweile sind schon 69 Prozent dieser Altersgruppe online – grundsätzlich ist und bleibt der Pflegemarkt aber ein schwieriges und langfristiges Unterfangen, für das man vor allem einen langen Atem braucht – angesichts der Konkurrenz durch Seniorplace (www.seniorplace.de), Betreut (www.betreut.de), Wohnen-im-Alter.de (www.wohnen-im-alter.de) und Pflegehilfe (www.pflegehilfe.org) wohl erst recht. In Zeiten eher kurzfristig angelegter und häufig rein exitgetriebener Geschäftsmodelle ist das aber nicht zwangsläufig ein Wermutstropfen.

Denn wenn man bedenkt, dass sich die Zurückhaltung gegenüber dem Internet im Laufe der Zeit legen wird, so zeichnet sich die Möglichkeit eines durchaus nachhaltigen Business ab, was sicher langsam, aber dafür vielleicht umso gesünder wachsen könnte. Die Herausforderung wird dabei sein, sich in der Zielgruppe möglichst schnell einen Namen als Anbieter umfangreicher und hochwertiger Pflegeleistungen zu machen. Um das zu erreichen, muss vor allem den einschlägigen Einrichtungen beigebracht werden, welche Vorteile die Zusammenarbeit mit einem Onlineanbieter wie Pflege.de hat, denn hier ist von einer ähnlich großen Skepsis auszugehen wie bei den potenziellen Nutzern. Mit Marie-Luise Müller, Ehrenpräsidentin des Deutschen Pflegerats und mittlerweile Beiratsvorsitzende von Pflege.de, dürften die Hamburger zumindest in Sachen Glaubwürdigkeit schon mal die Nase vorne haben.

Mitarbeit: Nora-Vanessa Wohlert