Pinspire, offline, Online-Pnnbrett

Das aktuelle Samwer-Copycat Pinspire (www.pinspire.de) zählt wohl zu den am kritischsten diskutierten Unternehmen in der gesamten Gründungsgeschichte von Rocket Internet. Nach dem Vorbild der sehr erfolgreichen US-Webseite Pinterest (www.pinterest.com) haben die drei Brüder mit ihrem Inkubator eine optisch gleiche Kopie aus dem Boden gestampft und heimsten sich dafür viel Kritik von der copycat-sensiblen Internetszene ein. Diese Negaitv-Wahrnehmung scheint sich nun auch auf den Erfolg von Pinspire niederzuschlagen: Glaubt man den Gerüchten der Szene, sollen gestern rund 70 Mitarbeiter bei Pinspire entlassen worden sein und Pinspire selbst stünde kurz davor, geschlossen zu werden.

Unterliegen die Samwers mit Pinspire?

Gleich aus drei unterschiedlichen Quellen wurde Gründerszene zugetragen, dass Pinspire deutliche Entlassungen vorgenommen haben soll – eine Bestätigung durch Rocket Internet (www.rocket-internet.de) oder Pinspire selbst steht währendessen noch aus. Insgesamt 70 Mitarbeiter (!) sollen bei Pinspire entlassen worden sein, ein Großteil davon am gestrigen Tag. Über sehr viel mehr Mitarbeiter dürfte das Online-Pinbrett ohnehin nicht verfügen. Glaubt man einem Insider, soll ein rund zehnköpfiges Team Pinspire für die nächsten drei Monate aufrecht erhalten, was danach passiert, scheint noch unklar. Die Frage liegt also nahe: Wird Pinspire womöglich vom Netz genommen?

Glaubt man einer anderen Quelle, soll Pinspires US-Vorbild Pinterest einfach zu schnell wachsen, als dass dem deutschen Klon noch eine Chance bliebe, weltweit an Relevanz zu gewinnen. In Verbindung mit der Samwer’schen Abneigung gegenüber Social-Modellen wird Pinspire damit womöglich unattraktiv. Wirklich vermissen würde die deutsche Nutzerschaft den Klon wohl nicht – angesichts der doch recht dreisten Nachmache hagelte es öffentliche Kritik und Häme. Vor allem dürften es kleinere Klone wie LikedBy (www.getlikedby.com) umso schwerer haben, wenn es selbst die Samwers nicht vermögen, Pinterest zu klonen.

Wie passt Pinspire in die Rocket-Strategie?

Doch wie passt das Online-Pinnbrett Pinspire überhaupt in die Strategie der Samwers? Vor allem als Traffic-Lieferant dürfte Pinspire für die Samwers Bedeutung haben. Über aggregierte Landingpages lassen sich mit dem von Nutzern sehr aktiv genutzten Dienst SEO-relevante Effekte erzeugen, sodass Traffic verkauft und gesteuert werden kann. Gleichzeitig stehen Werbemodelle und Affiliate-Marketing als denkbare Monetarisierungswege für die gefragten Online-Pinnbretter im Raum.

Bisher adressieren Pinterest und Pinspire vor allem Frauen und featuren auf ihren Seiten ganze Bilderarmeen zu stylischen Frisuren, schönen Fotos, Bastelanleitungen und Kreativmaterial. Etwas vereinfacht funktionieren die bestehenden Online-Pinbretter wie eine Mischung aus Facebook und Twitter mit Fokus auf Bilder – womöglich stellt Pinterest nach der Eine-Milliarde-Übernahme von Instagram damit sogar das nächste Ziel für Facebook dar.

Ganz unkritisch ist dieses Geschäftsmodell dennoch nicht. Neben der Komplexität der Monetarisierung und dem teuren Nutzeraufbau, der sich in der Regel nicht direkt refinanzieren lässt, ist vor allem die Bildrechtefrage unter Umständen problematisch. Autoren- und Urheberrechte könnten aus rechtlicher Sicht zu einem Problem werden, teilen Nutzer auf Pinterest & Co. doch meist zahlreiche Bilder ohne Nennung und Autorisierung der Urheber. Vielleicht entschied sich der Samwer-Klon auch aus diesem Grund für eine anfängliche Firmengründung in Italien.

Rocket kann E-Commerce, Social eher nicht

Bisher vermag es die Klonmaschinerie von Rocket Internet, vor allem grundlegende E-Commerce-Modelle umzusetzen (etwa Zalando (www.zalando.de) oder Home24 (www.home24.de)), während sich die Samwers mit elaborierteren Ansätzen und Unternehmen im Social-Bereich eher schwer tun. Gehen Geschäftsmodelle über vorgefertige Shopkonstrukte, die mit aggressiven Salesmethoden und kostenintensivem SEM bespielt werden, hinaus, fehlt es den drei Brüdern anscheinend häufig am Verständnis.

Sehr aggressives Marketing und gute Operations, die nach einem vorgefertigten Plan ausgerollt werden, sind die Stärke der Samwers – Communityaufbau und soziale Komponenten wohl eher nicht. So wurde etwa der durch Twitter inspirierte Samwer-Klon Frazr (www.frazr.com) ganz schnell wieder eingestellt, während auch die in einem kompetitiven Markt agierende Jobvermittlungsplattform Ecareer (www.ecareer.de) vom Netz ging (siehe dazu auch Gründerszenes Überblick der bisherigen Samwer-Pleiten). Seither wagten sich die Samwers mit Ausnahme von Wimdu (www.wimdu.com, welches die drei auch sehr sales-getrieben umsetzen) nicht mehr wirklich in den Social- und Community-Bereich vor. Folgt nun mit Pinspire der nächste Samwer-Offlinegang im Social-Bereich?

Bildmaterial: Earl53
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