Pralimio, offline, pleite, insolvent

Pralimio streicht wohl die Segel

Für Kenner der Online-Schokoladenszene dürfte der Offlinegang von Pralimio bereits ein alter Hut sein. Seit rund einem Jahr ist der Onlineshop schon nicht mehr erreichbar und nachdem zunächst das Warten auf die Winterkollektion als Grund angegeben wurde, sollen laut Webseite mittlerweile „Renovierungsarbeiten“ im Gang sein. Rund zwei Jahre hielt es das von den beiden Rechtswissenschaftlern Oliver Hüfner und Thorsten Schreiber gegründete Pralimio in der Onlinewelt. Gemeinsam mit fünf Freunden entwickelten sie die Idee für Pralimio und mussten sich neben dieser Teamgröße wohl vor allem auch dem Wegfall ihrer Lieferstruktur geschlagen geben.

Gegenüber Gründerszene sprach Thorsten Schreiber auf Anfrage davon, dass bereits vor über einem Jahr Pralimios Lieferant seine Manufaktur zeitweise geschlossen haben soll – seitdem ist Pralimio offline, war doch unklar, ob die Produktion des eigenen Lieferanten wieder anläuft. So wurde aus der sommerbedingten Pause – gerade Pralinen und Schokolade lassen sich bei heißen Temperaturen schlecht verschicken – ein Offlinegang auf Zeit. Ähnlich wie damals BeautyDeal könnte Pralimio also die Fokussierung auf einen einzigen Lieferanten zum Verhängnis geworden sein.

Doch noch will sich das Pralimio-Team nicht geschlagen geben: „Vielleicht waren wir nicht Startup genug, weil wir alle nebenbei Vollzeitberufen nachgegangen sind, sodass der Leidensdruck, von der eigenen Geschäftsfidee leben zu müssen, nicht groß genug, war“, meint Pralimo-Mitgründer Thorsten Schreiber. „Aber abgeschrieben ist Pralimio dennoch nicht. Die Gesellschaft besteht weiter und wir werden prüfen, wie es mit Pralimio weitergehen kann.“ Zwar soll es zutreffen, dass sich die sieben Gesellschafter in einigen Punkten bis heute nicht einigen konnten, doch das eigenkapitalfinanzierte Pralimio soll noch nicht ganz abgeschrieben werden – immerhin ist schätzungsweise auch eine niedrig sechsstellige Summe investiert worden.

Zum Schokoladensegment im Internet

Dass der Vertrieb von Schokolade über das Internet funktionieren kann, beweist Chocri (www.chocri.de), bei dem im letzten Jahr Ritter Sport als strategischer Investor eingestiegen ist und das sich im Netz bisher sehr vielversprechend schlägt. Da überrascht es nicht, dass die Pralimio-Macher einen Verkauf an Chocri anstrebten – zustande gekommen ist dieser jedoch nicht. Überhaupt habe Pralimio einige Kaufoptionen geprüft, aber anscheinend eher en passant, sodass es bisher zu keiner Übernahme kam.

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Doch was macht den Markt für Schokoladenprodukte so schwierig? Vor allem der Umstand, dass gerade der Verkauf von Pralinen ein stark saisonales Geschäftsfeld darstellt. Von den durch Pralinenverkäufe gemachten Umsätzen sollen 70 Prozent in der Zeit zwischen September und November erfolgen, weitere 15 zu Ostern sowie fünf Prozent zum Muttertag, schätzt Thorsten Schreiber. Und selbst wenn sich die Nachfrage anders verteilen würde, ist der Versand des leicht schmelzenden Produkts bei warmen Temperaturen ungemein schwierig. Pralimios Ansatz, hier teilweise auch den B2B-Markt anzusteuern, indem Firmenkunden mit Pralinen beschenkt werden sollen, stand eben vor jener Problematik des jahresweiten Versands.

Tafelschokolade erscheint hier also als das bessere Konzept und unterstreicht Chocris Leistung. Daneben kennt der Markt zahlreiche weitere Online-Schokoladenanbieter, die Deutsche Startups auch bereits in einer Übersicht sammelte: Krassola.de (www.krassola.de), SchokoKreationen (www.schokokreationen.de), MySwissChocolate (www.myswisschocolate.ch), Chocolissimo (www.chocolissimo.de) oder Chocolato (www.chocolato.de) sind hier zu nennende Anbieter. Und das Geschäftsmodell der Onlineschokolade scheint ohnehin recht schnelllebig. Neben Miraqo, das von MySwissChocolate aufgekauft wurde, ist auch DeineSchokoladen anscheinend sommerbedingt inaktiv. Ob Pralinenliebhaber bei Pralimio ein Revival erleben, bleibt ähnlich ungewiss und hängt letztenendes vom Willen der bestehenden Gesellschafter ab.

Bildmaterial: Grace Winter  / pixelio.de