Rösler Silicon Valley

Wie kann Rösler die deutsche Startup-Szene stärken?

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler entdeckt die Technologie- und Startup Szene in Kalifornien als Vorbild für die Förderung von innovativen Unternehmensgründungen in Deutschland. Am Sonntag reiste er mit einer Delegation in die USA, um Ideen zu sammeln und damit die Rahmenbedingungen für Startups in Deutschland zu verbessern. „Mein Ziel ist es, die digitale Wirtschaft als Schlüsselbranche für die gesamte Wirtschaft in Deutschland zu stärken und Innovationen voranzubringen,” erklärte er in einer Pressemittelung seines Ministeriums.

„Heute steht Deutschland im Bereich der IKT weltweit auf Rang 6. IT-Gründungen haben daran einen wesentlichen Anteil. Mein Ziel ist es, dass wir uns bis zum Ende des Jahrzehnts auf das Siegertreppchen gestiegen sind. Um dieses Ziel zu erreichen sind noch große Anstrengungen nötig. Die Reise ist ein wichtiger Meilenstein zur Verfolgung dieses Ziels.“

Begleitet wird Rösler von Felix Haas, einem der Amiando-Mitgründer, Bundesverband Deutsche Startups (BVDS)-Vorstand Florian Nöll, sowie von Jörg Bienert, dem Mitgründer des Kölner Datenanalyse-Anbieters ParStream, und dem Bitkom-Vizepräsident Heinz-Paul Bonn. Die zweitägige Reise dient als Vorbereitung für eine im Mai geplante größere Reise, bei der Rösler 30 bis 40 Vertreter der Startup-Szene und Journalisten ins Silicon Valley führen will.

Viel Programm, wenig Schlaf

Haas erzählte per Telefon um 6 Uhr morgens lokaler Zeit, dass Schlaf derzeit Mangelware sei – das Programm sei komplett durchgeplant. Was er sich von Röslers Engagement wünscht? Er sieht Rösler als Türöffner. Wenn man mit dem deutschen Wirtschaftsminister anreist dann werden einem eine Menge mehr Kontakte ermöglicht, als wenn man alleine anreist.

Am Sonntagabend wurde zu Abend gegessen mit Bild-Chefredakteur Kai Diekmann und mit Paypal Mitgründer Peter Thiel, bei dem sich Rösler über die Erfolgskriterien von Startups erkundigte.

„Wir möchten unsere starke Digitale Wirtschaft auch in den USA erfolgreich machen. Deshalb war es mir wichtig, dass wir möglichst schnell den Austausch unterstützen und aus diesem Grund werden wir im Mai mit einer großen Delegation von Startups erneut ins Valley reisen!“

Die deutsche Delegation besucht unter anderem das lokale SAP Forschungslabor und das Plug & Play TechCenter in Sunnyvale, einem Inkubator für schnell wachsende Technologie-Startups. Außerdem fährt Rösler zu dem dort angesiedelten German Silicon Valley Accelerator, ein vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördertes Projekt, das jungen Startups aus Deutschland dabei helfen soll, Innovationsstrategien und Investoren aus dem Valley zu gewinnen.

Konkrete Maßnahmen

Bereits Ende vergangenen Jahres hatte der Bundeswirtschaftsminister den Beirat „Junge Digitale Wirtschaft“ angekündigt, der Rösler in allen wichtigen Fragen der digitalen Wirtschaft beraten soll.

Felix Haas beschrieb Bundesminister Rösler als „ernsthaft interessiert“ an der Startup-Szene. Er habe den Eindruck, dass ihm das Thema wirklich am Herzen liege. Generell ist Haas jedoch der Meinung, dass die Politik sich nicht zu sehr inhaltlich einmischen, sondern nur vorteilhafte Rahmenbedingungen ermöglichen solle.

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Schon in den vergangenen Monaten hatten sich der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie wie auch der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, mit Vertretern der Startup-Szene getroffen – auch wenn die Zusammenkünfte sicherlich auch vor dem Hintergrund des bevorstehen Wahlkampfs zu sehen sind, kann ein offener Dialog mit der Politik nur helfen. Neben der Einrichtung des gerade erst vorgestellten Beirats hatte Rösler im Oktober vergangenen Jahres bereits das Startup Manifesto gegen eine höhere Besteuerung von Streubesitzanteilen entgegengenommen und sich in diesem Zusammenhang für einen intensiveren Dialog ausgesprochen.

Auch Bild-Chefredakteur Kai Diekmann, der sich ebenfalls im Silicon Valley aufhält, zog sein Fazit: „Zunächst einmal ist es ja überraschend wenn man recherchiert und feststellt, dass es lange lange her ist das überhaupt ein Bundeswirtschaftsminister hier gewesen ist. Ich denke das der Besuch weit überfällig war“, lässt er sich zitieren. „Aus deutscher Sicht, wo sich gerade in Berlin eine sehr lebendige Startup Szene entwickelt, ist diese Connection ins Silicon Valley wahnsinnig wichtig“, heißt es von ihm weiter. Es gehe Diekmann darum, zu „sehen was hier passiert, zu sehen wie Innovation kultiviert wird und die Verbindung zu amerikanischem VC Money zu bekommen.“

Titelbild: BMWi