Trennung bei Hochzeitsplaza

Nikolaus Zacher, Gründer und Geschäftsführer des Hochzeitsportals Hochzeitsplaza (www.hochzeitsplaza.de), nimmt laut Informationen von Gründerszene seinen Hut und könnte dem stark angeschlagenen Hamburger Inkubator Hanse Ventures (www.hanse-ventures.de) damit einen weiteren schweren Schlag zufügen. Neuer Geschäftsführer soll der ehemalige Praktikant Mathias Krüger werden. Vor wenigen Wochen haben schon die Ex-Gigalocal-CEOs Sebastian Diemer und Alexander Graubner-Müller Hanse Ventures den Rücken gekehrt, um Kredito (www.kredito.de), einen kontrovers diskutierten Anbieter von Mikrokrediten, an den Start zu bringen.

CEO Nikolas Zacher will die Scheidung

Aus verlässlicher Quelle wurde Gründerszene berichtet, dass Hochzeitsplaza-CEO Nikolaus Zacher das Unternehmen verlassen wird. Nach Captain Travel (www.captaintravel.de), Carmio (www.carmio.de) und Gigalocal (www.gigalocal.de) muss der Hamburger Inkubator Hanse Ventures somit den vierten Abgang einer Geschäftsführung aus seinem Portfolio mit ansehen. Insider bezeichnen Streitereien um IT-Kosten als einen der Trennungsgründe zwischen Zacher und Hanse Ventures. Angeblich war der Hamburger Inkubator nicht bereit, von Zacher budgetierte Gelder für die nötige technische Entwicklung der Seite freizugeben. Zacher selbst gab gegenüber Gründerszene an, sich einvernehmlich zu trennen, aber hinsichtlich der Strategie von Hochzeitsplaza anderer Ansicht zu sein.

Als neuen Geschäftsführer setzt Hanse Ventures nun, wie zuletzt bei Gigalocal, einen unerfahrenen Gründer ein. Mathias Krüger wirkte zuletzt als Entrepreneur in Residence bei Hanse Ventures, soll de facto aber eher ein Praktikant bei Gigalocal gewesen sein, bevor er ins Team von Hochzeitsplaza beordert wurde. Gründerszene wurde zugetragen, dass neben Krüger nur noch eine einzige Mitarbeiterin im Team verblieben sei.

Um das Unternehmen am Leben zu erhalten, soll sich der neue CEO angeblich quasi kein eigenes Gehalt auszahlen, da dies die Überlebenschancen von Hochzeitsplaza gefährden könne. Seit längerem schon war es still geworden um Hochzeitsplaza. Die letzte Finanzierungsrunde fand 2010 statt und glaubt man dem Branchenflurfunk, so reicht das Geld bei Hochzeitsplaza nun nur noch für wenige Wochen. Hanse Ventures bestreitet diesen Umstand und gibt an, dass Hochzeitsplaza noch für ein Jahr durchfinanziert sei. Laut Deutsche Startups soll mit der Neubesetzung auch ein Umzug nach Hamburg sowie eine Neuausrichtung des Geschäftsmodells gen E-Commerce verbunden werden.

Aktuelle Angaben des Alexa-Rankings bestätigen den heiklen Zustand von Hochzeitsplaza: Seit Januar sind die Page-Impressions der Seite um knapp die Hälfte eingebrochen. Ein möglicher Grund hierfür könnten starke Budgetkürzungen im SEM-Bereich sein. Obwohl laut Gründerszene-Informationen noch im letzten Jahr viele Hanse-Ventures-Ressourcen in die Entwicklung neuer Features flossen, sind auch die Seitenabrufe pro Nutzer in den letzten Monaten stark zurück gegangen.

Bei Hanse Ventures wird es einsam

Bei Hanse Ventures löst sich nicht nur eine Beteiligung nach der anderen in Wohlgefallen auf, auch das Managementteam des Hamburger Inkubators selbst scheint sich nach und nach zu verabschieden. Kann der Company-Builder von der Elbe so noch weiterbestehen, oder sind die Tage von Hanse Ventures gezählt?

Schon Ende 2010 musste Hanse Ventures die erste Enttäuschung hinnehmen, als beim Reiseportal Captain Travel sowohl die Geschäftsführung, als auch alle Minderheitsgesellschafter absprangen. Anfang 2011 dann der Firesale von Carmio an das Verbraucherportal Geizkragen.de – auch hier entschied sich das Gründerteam im Vorfeld dafür, nicht länger für den Hamburger Company-Builder zu arbeiten. Auch die Diskussion um einen unmoralischen Wissenstransfer bei Pflege.de wird Hanse Ventures kaum dabei geholfen haben, wieder auf Kurs zu kommen.

Das einstige Fokusprojekt von Hanse Ventures, Gigalocal, scheint nur noch ein Schatten seiner selbst zu sein. Das Gründerduo Sebastian Diemer und Alexander Graubner-Müller hat das Unternehmen verlassen und erst vor wenigen Tagen das kontrovers diskutierte Finanzstartup Kredito gelauncht. Als neue Geschäftsführerin hatte Hanse Ventures dort Cécile Gaulke eingesetzt – glaubt man dem Flurfunk der Branche, besteht das Team von Gigalocal nur noch aus drei (!) Mitarbeitern – inklusive der Alibi-Geschäftsführerin.

Die einzigen verbleibenden Hoffnungsträger im Hanse-Ventures-Portfolio sind somit die Übersetzungsagentur Toptranslation (www.toptranslation.com) und das Content-Netzwerk MT Performance. Das in Berlin ansässige Unternehmen, gilt als das erfolgreichste Unternehmen im Hanse-Ventures-Katalog. MT Performance lässt in Südamerika Content für deutsche Firmen erstellen, die in den südamerikanischen Markt einsteigen wollen.

Auch das Management von Hanse Ventures wird zur One-Man-Show: Nachdem vor wenigen Tagen Sarik Weber aus persönlichen Gründen seinen Rückzug als Geschäftsführer angekündigt hat, wurde nun auch bekannt, dass die beiden wichtigsten Stakeholder Bernd Kundrun und Rolf Schmidt-Holtz in den Verwaltungsrat von RTL berufen wurden. Egal wie Hanse Ventures diese Personalien PR-mäßig verarbeiten wird, wenn der verbliebene Geschäftsführer Jochen Maaß keinen Ersatz findet, sollte er schnellstmöglich eine Idee mit Zukunft aus dem Hut zaubern oder aber einen Strich unter die Hanse Ventures-Ära setzen.