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Braucht Deutschland ein Anti-Stress-Gesetz?

Beinahe jede neue Startup-Idee wird von mehr als nur einem Team umgesetzt – ein Wettrennen um den schnellsten Launch, das beste Produkt oder die größten Kunden ist unvermeidbar. Für das Team schwankt die Stimmung zwischen frisch verliebt und unendlich gestresst. Lauscht man den Gesprächen deutscher Gründer scheinen Sodbrennen und Schlafstörungen beinahe zu Statussymbolen emmsigem Unternehmerttums zu gehören. Braucht Deutschland ein Anti-Stress-Gesetz?

Nicht nur in der Gründerszene schlägt die berufliche Belastung immer größere Wellen: Wie die Zeit berichtet traf sich am vergangenen Dienstag in Berlin Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen mit Vertretern von Arbeitgebern und Gewerkschaften. Ziel: Eine betriebliche Anti-Stress-Erklärung entwerfen. Die Gespräche scheiterten nach kurzer Zeit, doch was für die einen nach absehbarem Misserfolg aussieht, ist für SOMA Analytics (www.soma-analytics.de) ein Problem, das es unternehmerisch zu lösen gilt.

SOMA Analytics schärft Geschäftsmodell

Im Oktober berichtete Gründerszene über SOMA Analytics, das studentische Startup aus München, das sich als einziges deutsches Team für den Londoner Gesundheits-Accelerator Healthbox qualifizieren konnte. Das Team um CEO Johann Huber entwickelte den Prototypen eines Frühwarn- und Präventionssystem für Stress. Um Burnout und Depressionen vorzubeugen, misst die SOMA-Smartphone-App Parameter wie Stimmhöhe, Schlafqualität und Motorik der Nutzer.

Nach nunmehr drei Monaten im Londoner Coworkingspace Hub Westminster wagt das junge Startup einen Pivot – den Umbau des Geschäftsmodells – um den Markteinstieg zu meistern: Zwar wird die App im Laufe des Jahres auch für jeden zugänglich im App-Store erhältlich sein, doch startet SOMA Analytics in den kommenden Wochen als B2B-Anwendung. Die Jungunternehmer konnten drei Großkonzerne als Technologie-Testpartner gewinnen, darunter ein Euro Stoxx 50 und ein FTSE100-Unternehmen.

Als Werkzeug für Personaler sammelt die App Stresswerte der Mitarbeiter und visualisiert diese geschützt und anonymisiert in einem Dashboard. Personaler können somit datengestützte Entscheidungen in Echtzeit treffen, die zuvor noch fehleranfällig „aus dem Bauch heraus“ getroffen wurden.

Investorenfreundlich: Big Data & Health

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Mit einer Big-Data-Anwendung und dem Hype-Thema Gesundheit vereint SOMA Analytics zwei unternehmerische Megatrends und rückt damit in den Fokus umtriebiger Frühphaseninvestoren. Vor wenigen Tagen wurde das Team von der US-amerikanischen Kairos Society als eines der 50 innovativsten, von Studenten geführten Unternehmen der Welt ausgezeichnet. Vom 19. bis 26. Februar präsentieren die jungen Gründer ihr Produkt somit auf dem Parkett der New Yorker Börse vor Investoren und potenziellen Industriepartnern. Glaubt man dem Branchenflurfunk hat von deutscher Seite zudem bereits Verlags-VC Holtzbrinck angeklopft.

Da Stress, oder eben Nicht-Stress, einen maßgeblichen Faktor der Mitarbeiterproduktivität darstellt, gehen bei SOMA Analytics Altruismus und Profitmaximierung Hand in Hand. Schafft das junge Gründerteam aus London den heiligen Gral der Mitarbeitergesundheit oder ist das Produkt der nächste Schritt gen gläsernem Angestellten?

Bildmaterial: Soma Analytics