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Spreadshirt übernimmt La Fraise

31. Juli 2006 von Lukasz Gadowski 4Kommentare

Wir haben einen Teil des Geldes, welches wir zu Beginn des Monats eingesammelt haben, bereits wieder ausgegeben: letzte Woche Mittwoch war Michael (= Michael Petersen, CFO & EU Business Development Spreadshirt) in Lyon und hat mit Patrice Cassard einen Kaufvertrag über den Kauf von La Fraise unterzeichnet. Über den Kaufpreis haben wir Stillschweigen vereinbart.

La Fraise ist eine kleine französische Firma, welche T-Shirt-Design-Wettbewerbe veranstaltet. Größter Vertreter dieser Art ist das US-amerikanische Unternehmen Skinny Corp mit dem Produkt ‘Threadless‘. In Europa ist La Fraise das erfolgreichste Unternehmen dieser Art. Bei Spreadshirt (www.spreadshirt.de) haben wir mit dem Derby erst jüngst einen eigenen Vertreter ins Rennen geschickt.

Das Geschäftsmodell ist einfach: Jede Woche wird der Gewinner eines T-Shirt-Design-Wettbewerbes ermittelt. Der Gewinner erhält ein Preisgeld (Größenordnung einige hundert bis über 1.000 Euro) und das Siegerdesign wird in einer limitierten Auflage hergestellt und verkauft. Darüber, wer gewinnt, stimmen die User ab.

Das Ganze ist recht viral. Zum einen haben Designer, welche Wettbewerbsbeiträge einreichen, einen Anreiz neue Nutzer zu gewinnen (‘Hey, kannst Du bitte für mein Design abstimmen? Danke!’) und zum anderen haben die Mitglieder des Wettbewerbs einen Bezug zu den hergestellten Produkten – schließlich haben sie selbst über deren Wohl und Wehe mit abgestimmt. Am wichtigsten für die Viralität ist aber die Qualität der Produkte selbst, sprich, die Güte der Designs. Diese tendiert zu einem sehr hohen Niveau. Die durch die Community generierten Motive sind meist sehr originell, witzig, interessant und grafisch ansprechend. Power of the crowds. Yeah.

Nachdem der Erfolg von Threadless sich abzeichnete, haben schon viele versucht, das Modell zu kopieren und nahezu täglich gibt es neue Wettbewerber (Cajong, Splittheatom, Teetonic, Styletax, Koalala). Die meisten schaffen es aber nicht, sich durchzusetzen. Bei La Fraise gab es wohl mehrere Erfolgsfaktoren. Sie waren relativ früh. Die Webseite ist einfach und gut. Und last but not least ist da Patrice, welcher das sehr beliebte ‘boss blog’ von La Fraise verfasste und einfach Talent hat zur Community-Bildung. Übrigens: Franzosen gelten ohnehin als sehr community-affin und die dortige Blogosphäre ist im Vergleich zu der deutschen bereits um ein Vielfaches größer.

Wir haben bereits Ende letzten Jahres Interesse an La Fraise gezeigt und Patrice ein solches Angebot gemacht, sein Baby – welches er vor etwas mehr als zwei Jahren gegründet hatte – zu veräußern. Aus persönlichen Gründen wollte er aber doch noch etwas weitermachen und so haben wir uns Anfang dieses Jahres noch einmal getroffen.

Die Motivation von Patrice war wohl vor allem, etwas Anderes, etwas Neues zu machen. Zudem ist es ein Unterschied, ein solches Unterfangen zu starten und erfolgreich zu machen, und es dann auch zu skalieren. An Organisation, Administration und Logistik stellt das andere Anforderungen, mit denen sich nicht jeder unbedingt abgeben möchte.

Für Spreadshirt hingegen ist das ein sehr bedeutender Deal. In unserem Markt ist das eines der erfolgreichsten Modelle. Welchen besseren Einstieg könnte es da geben, als den führenden europäischen Vertreter zu erwerben? Zudem birgt La Fraise auch interessante Synergiepotenziale für unser Shoppartnerbusiness. So können etwa Designer, deren Einreichungen es nicht aufs Siegertreppchen schaffen, auf die Idee kommen, diese in einen Spreadshop einzustellen. Und desto mehr Shoppartner man hat, desto mehr kommen Tag für Tag über virale Effekte hinzu. Faktisch also sehr wichtig für unsere Marktposition in Frankreich. Dort sind wir sowieso schon mit Abstand die stärkste Plattform und dieser Abstand wird jetzt noch ausgebaut.

Wir sind übrigens stolz und fühlen uns geehrt über die Tatsache, dass Patrice sich entschlossen hat, an uns zu verkaufen. Das ist schon ein großer Vertrauensbeweis. Und so eine Übernahme ist auch durchaus delikat, denn es handelt sich ja schließlich um ein Community-Business (siehe dazu auch den Post bei Fischmarkt). Und gerade die Franzosen reagieren ja nicht immer mit großer Begeisterung auf Übernahmen jeglicher Art aus Deutschland. So gab es nach Patrices Ankündigung auch durchaus ein wenig Aufruhr (über 540 Kommentare im entsprechenden Blogpost), welchen dieser aber mit ruhiger Hand und ohne Hast ‘geblogmanaged’ hat.

Wir sind jetzt gerade dabei, La Fraise zu ‘refactorn’ und werden zunächst möglichst wenig bis gar nichts ändern (außer skalierbarer machen). Danach geht es an die Internationalisierung. Patrice bleibt noch bis Oktober dabei, um uns beim Integrieren zu helfen und auch danach ist er voraussichtlich nicht ganz raus aus unserer Welt (er möchte übrigens mal für eine große Marke oder ähnliches in Frankreich bloggen und ist da gerade für Angebote offen).

Berichtet wurde über den Deal bereits hier und hier.

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