Spreadshirt übernimmt La Fraise
Wir haben einen Teil des Geldes, welches wir zu Beginn des Monats eingesammelt haben, bereits wieder ausgegeben: letzte Woche Mittwoch war Michael (= Michael Petersen, CFO & EU Business Development Spreadshirt) in Lyon und hat mit Patrice Cassard einen Kaufvertrag über den Kauf von La Fraise unterzeichnet. Über den Kaufpreis haben wir Stillschweigen vereinbart.
La Fraise ist eine kleine französische Firma, welche T-Shirt-Design-Wettbewerbe veranstaltet. Größter Vertreter dieser Art ist das US-amerikanische Unternehmen Skinny Corp mit dem Produkt ‘Threadless‘. In Europa ist La Fraise das erfolgreichste Unternehmen dieser Art. Bei Spreadshirt (www.spreadshirt.de) haben wir mit dem Derby erst jüngst einen eigenen Vertreter ins Rennen geschickt.
Das Geschäftsmodell ist einfach: Jede Woche wird der Gewinner eines T-Shirt-Design-Wettbewerbes ermittelt. Der Gewinner erhält ein Preisgeld (Größenordnung einige hundert bis über 1.000 Euro) und das Siegerdesign wird in einer limitierten Auflage hergestellt und verkauft. Darüber, wer gewinnt, stimmen die User ab.
Das Ganze ist recht viral. Zum einen haben Designer, welche Wettbewerbsbeiträge einreichen, einen Anreiz neue Nutzer zu gewinnen (‘Hey, kannst Du bitte für mein Design abstimmen? Danke!’) und zum anderen haben die Mitglieder des Wettbewerbs einen Bezug zu den hergestellten Produkten – schließlich haben sie selbst über deren Wohl und Wehe mit abgestimmt. Am wichtigsten für die Viralität ist aber die Qualität der Produkte selbst, sprich, die Güte der Designs. Diese tendiert zu einem sehr hohen Niveau. Die durch die Community generierten Motive sind meist sehr originell, witzig, interessant und grafisch ansprechend. Power of the crowds. Yeah.
Nachdem der Erfolg von Threadless sich abzeichnete, haben schon viele versucht, das Modell zu kopieren und nahezu täglich gibt es neue Wettbewerber (Cajong, Splittheatom, Teetonic, Styletax, Koalala). Die meisten schaffen es aber nicht, sich durchzusetzen. Bei La Fraise gab es wohl mehrere Erfolgsfaktoren. Sie waren relativ früh. Die Webseite ist einfach und gut. Und last but not least ist da Patrice, welcher das sehr beliebte ‘boss blog’ von La Fraise verfasste und einfach Talent hat zur Community-Bildung. Übrigens: Franzosen gelten ohnehin als sehr community-affin und die dortige Blogosphäre ist im Vergleich zu der deutschen bereits um ein Vielfaches größer.
Wir haben bereits Ende letzten Jahres Interesse an La Fraise gezeigt und Patrice ein solches Angebot gemacht, sein Baby – welches er vor etwas mehr als zwei Jahren gegründet hatte – zu veräußern. Aus persönlichen Gründen wollte er aber doch noch etwas weitermachen und so haben wir uns Anfang dieses Jahres noch einmal getroffen.
Die Motivation von Patrice war wohl vor allem, etwas Anderes, etwas Neues zu machen. Zudem ist es ein Unterschied, ein solches Unterfangen zu starten und erfolgreich zu machen, und es dann auch zu skalieren. An Organisation, Administration und Logistik stellt das andere Anforderungen, mit denen sich nicht jeder unbedingt abgeben möchte.
Für Spreadshirt hingegen ist das ein sehr bedeutender Deal. In unserem Markt ist das eines der erfolgreichsten Modelle. Welchen besseren Einstieg könnte es da geben, als den führenden europäischen Vertreter zu erwerben? Zudem birgt La Fraise auch interessante Synergiepotenziale für unser Shoppartnerbusiness. So können etwa Designer, deren Einreichungen es nicht aufs Siegertreppchen schaffen, auf die Idee kommen, diese in einen Spreadshop einzustellen. Und desto mehr Shoppartner man hat, desto mehr kommen Tag für Tag über virale Effekte hinzu. Faktisch also sehr wichtig für unsere Marktposition in Frankreich. Dort sind wir sowieso schon mit Abstand die stärkste Plattform und dieser Abstand wird jetzt noch ausgebaut.
Wir sind übrigens stolz und fühlen uns geehrt über die Tatsache, dass Patrice sich entschlossen hat, an uns zu verkaufen. Das ist schon ein großer Vertrauensbeweis. Und so eine Übernahme ist auch durchaus delikat, denn es handelt sich ja schließlich um ein Community-Business (siehe dazu auch den Post bei Fischmarkt). Und gerade die Franzosen reagieren ja nicht immer mit großer Begeisterung auf Übernahmen jeglicher Art aus Deutschland. So gab es nach Patrices Ankündigung auch durchaus ein wenig Aufruhr (über 540 Kommentare im entsprechenden Blogpost), welchen dieser aber mit ruhiger Hand und ohne Hast ‘geblogmanaged’ hat.
Wir sind jetzt gerade dabei, La Fraise zu ‘refactorn’ und werden zunächst möglichst wenig bis gar nichts ändern (außer skalierbarer machen). Danach geht es an die Internationalisierung. Patrice bleibt noch bis Oktober dabei, um uns beim Integrieren zu helfen und auch danach ist er voraussichtlich nicht ganz raus aus unserer Welt (er möchte übrigens mal für eine große Marke oder ähnliches in Frankreich bloggen und ist da gerade für Angebote offen).

Mit 35 in Rente gehen ist ja nicht schlecht. In weniger als zwei Wochen über 500 Kommentare dafür zu bekommen (hab’s nicht nachgezählt) ist respektabel – und der Kaufpreis sicher auch. Mal sehen, ob es auf eurer Seite ähnlich viel Feedback ergibt… Toi toi toi!
Spreadshirt kauft La Fraise…
Gerade erst mit Venture Capital ausgestattet, hat Spreadshirt bereits zugeschlagen und die französische Firma La Fraise gekauft. La Fraise veranstaltet T-Shirt-Design-Wettbewerbe und sind dabei anscheinend die Größten auf dem europäischen Markt.
…
[...] In den USA gab es natürlich ein Parallel-Portal namens Threadless. Patrick Cassard gab in einem Interview zu, dass Threadless es letztendlich war, die ihn zu La Fraise inspiriert haben. Beide Portale sind, zu Recht, extrem erfolgreich. Eigenartigerweise ließ ein deutsches Portal mit gleichem Inhalt lange auf sich warten. Darum beschloss ich schon 2004 das selbst in die Hand zu nehmen. Leider fehlte mir damals einiges: Zeit, ein starker Partner, ein extrem guter Programmierer und das nötige Kleingeld. Schließlich müssen T-Shirts auch erst einmal gekauft und dann bedruckt werden. Darum lag das Konzept fast 12 Monate in der Schublade, bis ich mit Martin Oetting einen Partner fand, um es endlich in Angriff zu nehmen. Und so kam es im Juni 2006 zum Launch von Cajong. Witzigerweise war ich natürlich nicht der Einzige, der die La Fraise-Idee aufgriff. Auch Spreadshirt, schon seit längerem sehr aktiv im Bereich User-Generated-T-Shirt und Crowdsourcing ging fast parallel mit ihrem Derbz an den Start. Natürlich steckt bei Spreadshirt deutlich mehr Kapital dahinter. Kurz darauf kaufte Spreadshirt auch noch La Fraise. Zum Glück war das eine freundliche Übernahme. Patrice Cassard will sich anders orientieren und war so clever, La Fraise vermutlich im richtigen Augenblick für hoffentlich gutes Geld abgestoßen zu haben. Aber ein weinendes Auge bleibt bei mir trotzdem zurück. La Fraise bewies, dass man mit Einbindung der User durchaus auch geschäftlichen Erfolg mit einem Portal haben kann. [...]
[...] Ein anderes exzellentes Beispiel ist das französische Shirt-Portal “La Fraise“. Ich liebe dieses Projekt, auch wenn es, genauso wie VisualOrgasm übrigens, in Zeiten von mit Tausenden von Videofilmen vollgestopften Seiten wie Youtube oder Sevenload schon fast wie ein Walkman im Vergleich zu einem MP3-Player wirkt. La Fraise gibt es seit über drei Jahren. Das Grundprinzip ist eigentlich ganz simpel: die User, oft Illustratoren oder Webdesigner, senden Entwürfe ein, die auf ein T-Shirt passen. Die User voten dann für diese eingesandten Arbeiten. Und nur die Designs, die den Sprung über eine bestimmte Höhe schaffen, werden angenommen und dann gedruckt. Patrice Cassard, der Gründer von La Fraise schaffte es – vor allem durch die enge Beziehung zu seinen Usern und sein Geschick im Umgang mit ihnen in seinem La Fraise Blog – schnell eine gewaltige Community aufzubauen, die nicht nur Designs einsandte, sondern die Shirts auch kaufte. Und vor allem DAS ist der riesige Erfolg von La Fraise. Mittels Crowdsourcing entsteht ein Produkt, dass der User sofort bestellen kann. Und das Ganze noch auf einem designtechnisch qualitativ hochwertigen Level. Genial. In den USA gab es natürlich ein Parallel-Portal namens “Threadless“. Patrick Cassard gab in einem Interview zu, dass Threadless es letztendlich war, die ihn zu La Fraise inspiriert haben. Beide Portale sind, zu Recht, extrem erfolgreich. Eigenartigerweise ließ ein deutsches Portal mit gleichem Inhalt lange auf sich warten. Darum beschloss ich schon 2004 das selbst in die Hand zu nehmen. Leider fehlte mir damals einiges: Zeit, ein starker Partner, ein extrem guter Programmierer und das nötige Kleingeld. Schließlich müssen T-Shirts auch erst einmal gekauft und dann bedruckt werden. Darum lag das Konzept fast 12 Monate in der Schublade, bis ich mit Martin Oetting einen Partner fand, um es endlich in Angriff zu nehmen. Und so kam es im Juni 2006 zum Launch von “Cajong“. Witzigerweise war ich natürlich nicht der Einzige, der die La Fraise-Idee aufgriff. Auch Spreadshirt, schon seit längerem sehr aktiv im Bereich User-Generated-T-Shirt und Crowdsourcing ging fast parallel mit ihrem “Derbz” an den Start. Natürlich steckt bei Spreadshirt deutlich mehr Kapital dahinter. Kurz darauf kaufte Spreadshirt auch noch La Fraise. Zum Glück war das eine freundliche Übernahme. Patrice Cassard will sich anders orientieren und war so clever La Fraise vermutlich im richtigen Augenblick für hoffentlich gutes Geld abgestoßen zu haben. Aber ein weinendes Auge bleibt bei mir trotzdem zurück. La Fraise bewies, dass man mit Einbindung der User durchaus auch geschäftlichen Erfolg mit einem Portal haben kann. [...]
Kommentar verfassen
Alle News werden redaktionell überprüft, nach Relevanz geordnet und der Leserschaft via Kurzmitteilungen und Artikel zugängig gemacht, sofern sie für wichtig genug befunden werden.
Das Gründerszene‑Team freut sich auch, wenn User News und Informationen an news@gruenderszene.de versenden.
Sponsoren