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Spreadshirt zieht den Gürtel enger und muss (wieder) Stellen kürzen

6. November 2009 von Joel Kaczmarek 19Kommentare

20091105_spreadshirt_collageMan habe die eigenen Ziele nicht erreicht, war das Ergebnis des Spreadshirt-Board-Meetings in London diesen Monat, weshalb nun wohl wieder Mitarbeiter gehen müssen. Obwohl Spreadshirt weiterhin wachse, muss man den Gürtel nochmal enger schnallen, sei die Steigerung doch nicht so stark wie in den vorangegangenen Jahren, heißt es aus dem Unternehmen.

Spreadshirt (www.spreadshirt.net) ist eine weltweite Kreativplattform für personalisierte Kleidung, die als einer der Begründer der Customization auf dem deutschen Markt gilt.  Spreadshirt wurde unter anderem von Team Europe Ventures-Partner Lukasz Gadowski gegründet, dessen VC auch Gesellschafter von Gründerszene ist. Knapp 300 Mitarbeiter arbeiten derzeit noch daran, Bilderwelten auf Shirts, Pullover und einiges mehr zu bringen – von der Programmierung der Plattform über Marketing und Service bis zum fertigen Shirt.

Hintergrund der Kürzung ist, dass man trotz einer Reihe von Kostensenkungsmaßnahmen die eigenen Ziele für 2009 nicht erreicht hat. Spreadshirt wachse weiterhin, jedoch nicht so stark wie in den vorangegangenen Jahren. Zwar war sich das in Leipzig gegründete Unternehmen bewusst, dass es dieses Jahr nicht profitabel sein würde, aber das Ziel lautet, im nächsten Jahr profitabel zu sein. Weiter zu wachsen, ist daher das Top-Ziel, während man gleichzeitig die Flexibilität erhöhen will, ohne dass die Bruttomarge unangemessen verkleinert würde.

Daher sei es notwendig, dass man nun Projekte kippt und Stellen streicht, die man sich gegenwärtig nicht leisten könne. Betroffen sind Positionen in der Verwaltung in Deutschland und in den USA in einer Größenordnung von weniger als 10 Prozent, was nach dieser Rechnung rund 25 Mitarbeiter betreffen dürfte.

Rote Zahlen trotz umfangreicher Finanzierungsrunde

Dabei hatte man im Februar eine Finanzierungsrunde über 10 Millionen Euro durch Accel und Kennet Partners eingefahren, sodass sich die Gesamtfinanzierung mittlerweile auf 18 Millionen Euro beläuft. Eine Finanzierung, durch welche die Investoren noch einmal den Druck auf CEO Jana Eggers erhöht haben dürften. Überhaupt ist denkbar, dass deren Stuhl langsam auch ins Wackeln geraten könnte, hat doch erst im August Finanzvorstand Andreas S. nach knapp zwei Jahren im Amt seine Koffer gepackt. Ersetzt wurde dieser damals durch Tobias Schaugg von DocMorris, während gleichzeitig auch Philip Rooke und Jürgen Gauger als neue Manager an Bord kamen.

Jana Eggers sieht die Lage des Unternehmens objektiv und ist nicht zufrieden: “We are disappointed and frustrated that we have not been able to achieve goals that we saw as possible. Yes, the economy has impacted our business. We look across multiple indexes and see that we are trending better than ecommerce in general and the t-shirt sector specifically.” Offenbar schafft man es bei Spreadshirt nicht, in den Bereich schwarzer Zahlen zu kommen.

Und die Ursachen? Selbstkritisch sagt Eggers weiter: “However, we take responsibility for our business, and we should be more flexible in an instable economy. We also see areas where we did not execute as well as we should have. We are reducing projects so that we make sure we execute well on our strategy of creative, self-expressive fashion, where we continue to see more opportunity for growth.”

20091105_spreadshirt_gruppe

Exciting Commerce rechnet in einem Post vom August dieses Jahres vor, dass Spreadshirt seinen Umsatz 2007 von 12,2 Millionen Euro (2006) auf 15,3 Millionen (+25,7 Prozent) erhöht hat, wobei das deutschsprachige Geschäft 2007 nur minimal auf 6,4 Millionen Euro (+1,4%) wuchs. Nachzulesen sind die Ergebnisse für 2007 auch im elektronischen Bundesanzeiger (Suchbegriff: “Sprd”). Hierzu ist anzumerken, dass der Umsatz von Töchterfirmen wie LaFraise nicht berücksichtigt wird, das heißt der wirkliche Umsatz ist größer. Gemäß den von Spreadshirt herausgegebenen Zahlen zum Anfang des Jahres, dürfte sich der Umsatz im letzten Jahr – das kommunizierte Wachstum von 40 Prozent vorausgesetzt – wohl bei rund 21 Millionen Euro bewegt haben. Spreadshirt selbst kommentiert seine Umsätze nicht, sondern kommunizierte 2008 lediglich, dass man 1,3 Millionen Produkte versandt hat.

Soll dies gelingen und will man in Leipzig zukünftig nicht zum “Shrinkshirt” werden, muss sich jenseits der guten Social Media Politik noch einiges mehr tun. Die notwendigen Kürzungsschritte wurden nun auf Kosten der Mitarbeiter vollzogen, alles weitere bleibt abzuwarten. Gründer und Aufsichtsrat Lukasz Gadowski hält sich zu diesem Thema bedeckt: “Als Aufsichtsrat kann ich mich nicht frei Äußern. Deswegen sage ich lieber gar nichts.” Es ist anzunehmen, dass Gadwoski nicht sonderlich erfreut ist; in den ersten vier Jahren nach der gemeinsamen Gründung mit Matthias Spiess war das Unternehmen ohne jegliche externe Kapitalzufuhr gewachsen.

Über den Autor Joel Kaczmarek:

Joel Kaczmarek ist seit März 2009 Chefredakteur von Gründerszene. Damit verantwortet er die Zusammenarbeit mit den Ressortleitern und den Bereich “News” und “Allgemeines”. Joel hat einen Master in Europäische Medienwissenschaft und hat Design Thinking am HPI studiert. Sein Gründerszene-Debut hat Joel mit der ersten StartUp-Story “Dienstag ist Betterplace-Tag” geliefert. Joel hat die Gründerszene-Datenbank entwickelt, die im November 2009 an den Start ging.

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19 Kommentare »

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag
  • Derrik

    Respekt vor diesem selbstkritischen Artikel auf Gründerszene. Ich denke der T-shirt Hype ist einfach nicht mehr da. Die Zeiten, in der jeder sein eigenes Hompage-Shirts bestellt hat sind vorbei.

    Wird nicht leicht werden das hin zu kriegen. 25 Stellen zu streichen kann bei weitem nicht die Lösung des Problems sein ;-)

  • Sina (naanoo.com)

    Schöner Artikel! Die neue Offenheit hier erfrischt.

  • Torsten

    Selbstkritik ist ok und die finde ich sehr gut. Aber was soll das? Soll die Geschäfsführerin auf diese Art und Weise abgesetzt werden? Man kann ihr doch auch direkt sagen, dass man mit ihrer Arbeit nicht zufrieden ist. Muss man da tatsächlich so indirekt über über Gruenderszene schreiben:

    “…noch einmal den Druck auf CEO Jana Eggers erhöht haben dürften. Überhaupt ist denkbar, dass deren Stuhl langsam auch ins Wackeln geraten könnte…”

    wo doch jedem die Verknüpfungen zwischen Gruenderszene und Spreadshirt bekannt sein sollten.

    Fragliche Methoden.

  • Joel Kaczmarek Autor

    @Torsten: Ich denke, es ist durchaus angebracht die Leistung einer Führungskraft zu hinterfragen, wenn ein Unternehmen wiederholt seine Ziele verfehlt und dann Menschen arbeitslos machen muss. Lukaszs Zitat ist hier übrigens wörtlich zu nehmen, von ihm kam in dieser Richtung gar nichts, weil ihm seine Position aus Respekt vor seinen Unternehmenskollegen dies auch untersagt.

    Ich halte einen solchen kritischen Umgang mit dem Portfolio unseres Investors für wichtig und richtig. Und da dürfen dann auch schon mal unangenehme Fragen gestellt werden.

    Allseits ein schönes Wochenende.

  • Derrik

    @Torsten.. Naja, wer diesen Job macht muss mit sowas umgehen können. Wenn bei der Telekom oder Siemens was nicht läuft steht sowas in der BILD Zeitung.

  • Moritz

    finde es auch völlig in Ordnung und gut von Joel, dass er da aus journalistischer Sicht frei und kritisch schreibt. Man muß ja nicht allem inhaltlich zustimmen, was Joel schreibt, aber für das zunehmende “Freischwimmen” von gruenderszene.de von Lukasz und dem TEV-Team finde ich das ein gutes Zeichen. Übrigens auch in Richtung TEV, denn die scheinen diese kritische bzw. offene Berichterstattung ja durchaus zu gestatten trotz ihrer engen Verknüpfung zu gruenderszene.de.

    Mal sehen, vielleicht schaffen Joel & Co es ja lfrstg tatsächlich, sich als unabhängige und kritische Instanz zu etablieren. Wäre sehr gut für die Szene!

    Viel Glück nach Leipzig für den Turnaround..

  • Tobias

    und wer fleißig sucht, der findet auf dem foto auch zwei TEVler ;-)

  • Karsten S.

    Vielen Dank für diesen Artikel. Wer in Deutschland öffentlich äußert, das es ihm weniger gut als gewünscht geht, der läuft Spießruten. Dabei wird nicht hinterfragt auf welchem Niveau man sich befindet. Von 10 Startups landen 3 irgendwo ganz im Sack, 5 andere erreichen keine nennenswerten Gewinne. Nur berichtet kaum einer drüber und die Erwartungen verschieben sich ungesund.

    Alles in allem ist Spreadshirt ein Unternehmen mit Gewinnen, wenn auch weniger als gewünscht. Jetzt am Unternehmen zu arbeiten macht erfolgreicher. Und das wünsch ich jedem Startup. Auch wenn das hier genannte schon ein alter Hase ist.

    Ich wünsche mir mehr Nachrichten zu Pleiten, Pech und Pannen. Die schärfen die Sinne. Alles andere verklebt nur die Augen…

    An die Arbeit!

  • Heinrich

    Es ist schon interessant zu sehen, welche Diskrepanz zwischen der sehr erfolgreich erzeugten Außenwahrnehmung (“Spreadshirt ist ein wirklich relevanter Player mit richtig vielen Mitarbeitern und insgesamt eine echte Erfolgsgeschichte”) und der Realität (“Spreadshirt ist ein mittelgroßer eCommerce’ler mit einem nicht so einfachen Geschäftsmodell”) besteht.

  • vantr1be

    Nun ja, die Wirtschaftskriise geht halt auch an den Shirtkunden nicht vorbei, wir merken das sehr stark im US-Geschäft, EU wird langsam wieder besser. Ich glaube schon dass Spreadshirt gut aufgestellt ist, Selbstkritik schadet aber nie. ;=)

    In diesem Sinne : Das nächste Jahr wird besser ;=)

  • Bankerin

    Jana Eggers gibt ihre Statements in englischer Sprache ab. Bei einem Unternehmen mit einer Größe wie Spreadshirt wirkt das aus meiner Sicht irgendwie fremdgesteuert und wenig vertrauenserweckend.

    Und:
    Je Mitarbeiter werden nach meiner Rechnung gerade mal 4300 T- Shirts hergestellt. Wie soll das profitabel geschehen???

  • Alex

    Ja, das Geschäftsleben ist leider nicht immer eitel Sonnenschein.

  • Tom

    Toller Beitrag, nur schade um die Mitarbeiter!

    Denke das q4 kann trotzdem noch Überaschungen bringen!

    Es gibt auf alle Fälle für den Kunden mehr – ecommerce Angebote, das führt unweigerlich zu sinkenen Margen. ( Shirtinator und co. )

  • Derrik

    @vantribe: das Problem von spreadshirt ist eher kein Problem der Wirtschaftskrise. Online shopping Umsätze, gerade Mode Online, boomen aktuell mit 3-stelligen Zuwachsraten. Spreadshirt sollte umdenken und eher versuchen das Geschäftsmodell etwas dem Markt anzupassen..

  • zippo

    Mitarbeiter im Verhältnis zum Umsatz? Da ist wirklich was faul, normal macht man mit 30 Mitarbeitern 16 Mio., kürzen, kürzen, kürzen und konzentration auf das Kerngeschäft.

  • t.abbs

    @zippo, verstehe, und 30 Mio. arbeitende Deutsche machen 480,000,000,000,000 € Umsatz, weil 80 Mio. Deutsche 6,000,000,000,000 € jährlich ausgeben (zzgl. MwSt.), “normal”?

  • t.abbs

    oops, sinnentstellt und Komma verrutscht:
    …weil 80 Mio. Deutsche jeweils 6,000,000 € jährlich ausgeben (zzgl. MwSt.), “normal”?

  • vantr1be

    @ Derrik Ok, da hast Du nicht ganz Unrecht. Vielleicht sollte SP versuchen etwas aggressiver Marktanteile der Wettbewerber zu aquirieren.

  • Derrik

    @vantribe: ich denke nicht dass das sinn macht. es wirt nicht einfach werden, drücke aber natürlich alle daumen..

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