Erst vor kurzem überraschte die Unternehmensgruppe Tengelmann (www.tengelmann.de) die Szene mit ihrem Einstieg beim Online-Schuhhändler Zalando (www.zalando.de), nun folgt der nächste Streich des Familienunternehmens aus Mülheim an der Ruhr: Man bleibt dem Modebereich treu und investierte in den Shoppingclub Brands4Friends (www.brands4friends.de). Für jeden, der Brands4Friends nicht kennt (falls das überhaupt möglich ist, bei internetinteressierten Deutschen): Brands4Friends ist ein Shopping-Club nach dem Vorbild von Vente Privée, bei dem Mitglieder Markenartikel und Lifestyleprodukte zu günstigen Preisen erhalten können. Selbst Mitglied werden kann nur, wer eine Einladung durch ein bestehendes Mitglied erhält.
Glaubt man den Zahlen der Brands4Friends-PR-Abteilung, handelt es sich bei dem Investment um einen guten Griff: Im Jahr 2009 seien durch über eine Million versendeter Pakete rund 80 Millionen Euro umgesetzt worden. Die 2,5 Millionen Mitglieder der Plattform würden von 200 Mitarbeitern in Berlin verwaltet, die um weitere 100 aufgestockt werden sollen. Bis zu 120.000 neue Mitglieder begrüße der Shoppingclub pro Monat. Soviel zur öffentlichen Darstellung. Worüber man sich hingegen ausschweigt, sind die Gewinnzahlen, ebenso wie über die Rücksendequote der Pakete. Laut Gründerszene-Informationen soll Brands4Friends profitabel arbeiten.
Team Europe Ventures begeht seinen Exit
In ein so rasant wachsendes Unternehmen zu investieren, ist, gemeinsam mit dem Zalando-Deal, ein großer Coup für Tengelmann. Was den neutralen Beobachter womöglich ein wenig irritiert, ist die Tatsache, dass gleichzeitg mit Team Europe Ventures (www.teameurope.net, an Gründerszene beteiligt) einer der Investoren von Bord geht, die das Unternehmen mit gegründet haben. Team Europe Ventures hatte gemeinsam mit Oliver Jung und Christian Heitmeyer Brands4Friends im Herbst 2007 gegründet und das Unternehmen gerade in der Anfangsphase intensiv begleitet – vor allem in den Bereichen Teamaufbau, Finanzierung und strategische Vertriebskooperationen (insbesondere StudiVZ). Nun sei die Frage erlaubt: Warum der Exit?
In einer Pressemitteilung verkündete der Internet- Inkubator aus Berlin, dass es vor allem eine Frage der Unternehmensentwicklung war, die zum Exit führte, weil Brands4Friends den Investmentfokus von Team Europe verließ: „Wir glauben weiter stark an das Wachstum von Brands4Friends. Unsere Investment- und Gründungsstrategie richtet sich aber auf frühe Phasen, in denen wir sehr aktiv sind. In der nun anstehenden Wachstumsperiode sehen wir nicht unseren Schwerpunkt und fokussieren sowohl Zeit als Kapital vornehmlich auf neue Projekte sowie unsere neueren Gründungen, zum Beispiel SponsorPay, Madvertise oder Käuferportal“, äußert sich Kolja Hebenstreit, Partner bei Team Europe Ventures. Weitere Infos dazu teilt Kolja auch in seinem Blog.
Team Europe Ventures’ Exit erfolgt also vermutlich vor dem Eintritt in eine neue Härtephase: Auf dem deutschen Markt kann Brands4Friends nicht unendlich weiter wachsen und auf internationalem Terrain haben es die Berliner mit potenten Konkurrenten wie Vente Privée, Gilt oder BuyVIP (www.buyvip.com) zu tun. Ganz zu schweigen davon, dass die Management-Herausforderungen für die beiden Geschäftsführer Constantin Bisanz und Christian Heitmeyer stetig wachsen, wenn das Shoppingclub-Schiff zum Internet-Tanker heranwächst. Es ist also eine realistische Annahme, dass Brands4Friends nun wieder eine längere Phase des Ausbaus auf internationalem Level vor sich hat – ein erster Schritt in Richtung Großbritannien wurde mit dem Kauf von SecretSales.com ja bereits getan.
Auch Lukasz Gadowski, Partner bei Team Europe Ventures ist sichtlich stolz auf die gemeinsame Gründung: „Wir freuen uns sehr über die phänomenale Erfolgsstory von Brands4Friends. Das Management-Team hat in sehr kurzer Zeit unglaubliches geleistet und einmal mehr gezeigt, wie wichtig neben der Geschäftsidee die Umsetzungsqualität ist. Wir sind stolz, dass wir ein Teil des Erfolges sein durften, und möchten uns beim Team für die gute Zusammenarbeit und die außergewöhnliche Leistung bedanken.“ Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, Branchengerüchten zufolge soll es Brands4Friends aber auf eine dreistellige Millionen-Bewertung bringen, wobei Team Europe Ventures zuletzt sechs Prozent hielt. Ein Teil dieser Anteile wurde jedoch auch treuhänderisch für Dritte gehalten.
Tengelmann übernahm durch die Transaktion von Investmentanteilen insgesamt zehn Prozent des Shoppingclubs und scheint sehr zufrieden mit dem eigenen Investment: “Mit Brands4Friends und Zalando haben wir uns an den derzeit schnellstwachsenden Internet-StartUps beteiligt. Wir setzen große Erwartungen in deren weitere hervorragende Entwicklung“, resümiert Karl-Erivan W. Haub, Geschäftsführender und persönlich haftender Gesellschafter der Unternehmensgruppe Tengelmann. Man darf dem Gründungsinvestor also zu einem erfolgreichen Exit und den Mülheimern zu einem spektakulären Beteiligungskauf gratulieren.
Die nächsten Schritte für Brands4Friends sind viel versprechend, aber auch herausfordernd. Mit Tengelmann hat man nun einen einzelhandelserfahrenen Teilhaber an Bord, aber auch einen (noch) verhältnismäßig internetunerfahrenen. Wie effektiv die Mülheimer die nächsten Schritte als großer Stratege, der sich auch einen Namen im Internetgeschäft machen will, begleiten kann, bleibt abzuwarten. Das Knowhow aus dem Einzelhandel könnte ein wichtiges Asset für die weitere Entwicklung von Brands4Friends werden, gerade wenn es darum geht, bei einem wachsenden Unternehmen die Prozesse effizient zu halten. Sehr positiv für die deutsche Gründerszene ist auf jeden Fall, dass man einen weiteren potenten Exit vorweisen kann, der einen weiteren Schub für den E-Commerce-Sektor bedeuten könnte. Einen Gründerszene-Glückwunsch dazu an alle Beteiligten!
Artikel zum Thema:
- Tengelmann als neuer Großinvestor bei Zalando
- Interview mit Christian Heitmeyer und Constantin Bisanz von Brands4friends
- Erfolgreiche 3. Finanzierungsrunde für Brands4Friends – 10 Mio. Euro frisches Risikokapital
<a href=”http://www.gruenderszene.de” mce_href=”http://www.gruenderszene.de”>Gründerszene.de</a>

Glueckwunsch, besser geht es kaum. Chapeau
„Wir glauben weiter stark an das Wachstum von Brands4Friends…”
und warum verkauft man dann seine Anteile?
@Tom: Danke!
@Tobias: Da hat mich Joel ja schon zitiert zu – wir fokussieren uns stark auf den Seed Bereich und adden gerade da sehr viel Value. Was unser Ziel für eine TEV-Gründung ist haben wir ja auf der Team Europe beschrieben: http://www.teameurope.net/de/faq/#faq-fie7. Daneben ist es auch eine Frage von Fokus – durch den Exit können wir uns noch intensiver um unsere letzten und zukünftige Gründungen & Investments kümmern. Zu guterletzt muss die Bewertung stimmen – nur wenn ein Teil des zukünftigens Wachstums schon eingepreist ist macht der Exit Sinn.
Fire Sale?
Die Bilanz 2008 (E-Bundesanzeiger.de) lässt ja nichts Gutes vermuten.
LG Sina
@Sina: Wenn das ein Firesale war, dann mache ich nur noch Firesales :)
Dann herzlichen Glückwunsch! Bei TEV ist das Geld sicher gut aufgehoben.
Glückwunsch!
[...] Infos: Gründerszene Artikel Team Europe Pressemitteilung [...]
[...] fortan um Beteiligungen ‘insbesondere aus der Internet-Branche’ kümmern soll”. Nun lässt der Handelsriese Taten folgen und steigt beim erfolgreichen geschlossenen Shopping-Club brands4friends (www.brands4friends.de) [...]
Euren pseudo-journalistischen Bericht hättet ihr Euch echt sparen können: Das Team von Gründerszene und TEV ist teilweise identisch. Ihr habt also alle Hintergrundinfos zu dem Deal und natürlich eigene Interessen. Das ist an sich ja nichts schlimmes. Aber dann macht das klar und deutlich. Nur der versteckte Hinweis, dass TEV an Gründerszene beteiligt ist, reicht da nicht.
Vor diesem Hintergrund der Interessenüberschneidungen sind Sätze wie “Einen Gründerszene-Glückwunsch dazu [zum Exit, zum Kauf] an alle Beteiligten!” doch eher peinlich. Natürlich würde ich dem Käufer meiner Anteile auch nicht ans Bein pinkeln…
Auch ein Satz wie: “Glaubt man den Zahlen der Brands4Friends-PR-Abteilung, handelt es sich bei dem Investment um einen guten Griff.” sollen dort eine journalistischen Ansatz vermitteln, wo keiner ist.
Deshalb meine Bitte für die Zukunft: Deutlicher auf Interessenkonflikte hinweisen, das pseudo-journalistische Gehabe abstellen und im Zweifel einfach mal nichts schreiben…
PS: Glückwunsch zum Exit!
@Nick: Wenn man von gewissen Sachen keine Ahnung hat und sich nur auf Basis oberflächlicher Informationen eine Meinung bildet, sollte man sich nicht so weit aus dem Fenster lehnen. Mal abgesehen davon, dass unsere Teams nicht mal im Ansatz gleich sind, ist die Berichterstattung absolut sachlich und in Ordnung. Sie weist kritische Töne dort auf, wo welche nötig sind und rückt den Exit in den richtigen Kontext. Unsere Glückwünsche erhält jeder, der so einen Exit hinlegt.
Und wenn es Dich interessiert: ich habe diesen Deal komplett selbstständig und über dritte Quellen in Erfahrung gebracht und erst gestern Nacht eine Mitteilung von TEV dazu bekommen, nachdem der Artikel schon drei Wochen fertig war. Also verschon uns doch in Zukunft mit solchen Spekulationen.
Trotzdem auch nochmal meinen persönlichen Glückwunsch an Tengelmann, die TEV-Jungs und Brands4Friends.
> Unsere Glückwünsche erhält jeder, der so einen Exit hinlegt
Auch die Klingel-Brüder?
Wüsste nicht, was dagegen spricht :-).
Wann und wo knallen die Sektkorken? Mit dem Deal sollte TEV ja um die 20 Mio. Euro gemacht haben, da könnte man doch schon mal eine Runde ausgeben…
An und für sich finde ich es ja wirklich lobenswert das kommentare von “tobias”, “sina” und “Der Nick” überhaupt gelesen werden andererseits bin ich nicht der meinung dass sie grund für eine stellungnahme von kolja oder ähnlichen leitenden personen sind und halte sie für maßlos übertrieben!
Auch wenn es im grundegenommen bildzeitungs-niveau ist sowas zu sagen finde ich es absolut unpassend irgendwelche negativen äusserungen oder der gleichen zu posten die inhaltlich einen gewinnbringenden exit abwerten. Anstatt das engagement des teams zu loben werden hier unnötige beschuldigungen(selbst wenn sie wahr wären)laut gemacht die nicht im geringsten mit dem letztendlichen erfolg gleichzusetzen sind.
Viel Glück und weiter so
P.s falls sich leute über fehlende kommas oder ähnlichen mokieren wollen diesen sei gesagt dass es durchaus “normal” ist jene nicht die nötige aufmerksamkeit zu schenken
@TH: Mir ging es auch nicht im geringsten darum den Exit schlecht zu machen. Deshalb hab ich ja auch meine ernstgemeinten Glückwünsche für den Exit ausgesprochen. Es ging mir lediglich um die “journalistische” Darstellung des Vorgangs hier in der Gründerszene und der Verdacht von Interessenüberschneidungen.
Auch bin ich anderer Meinung was die Reaktionen auf (negative) Kommentare angeht: Ein Blog wie die Gründerszene zeichnet sich doch gerade dadurch aus, dass eine öffentliche Kommunikation mit den Lesern stattfindet. Allerdings hat hier niemand eine offizielle Reaktion von TEV oder Tengelmann gefordert. Dass sich der Autor zu Kritik äußert halte ich aber für richtig und gut, auch wenn ich inhaltlich anderer Meinung bin.
@Tobias
Ich schätze eher so um die 5-7 Mios…
20 Mio bei 6% wären eine Bewertung von 330 Mios…. NIE IM LEBEN!!!
@marek
6 mio wären es bei einer bewertung von 100 mio. bei einem jahresumsatz von 80 mio denke ich eher unrealistisch…
Aus sehr verlässlicher Quelle kann ich sagen, dass Tengelmann 10 Mio für die Anteile gezahlt hat.
http://www.deutsche-startups.de/2010/02/26/exklusiv-tengelmann-zahlt-10-millionen-euro-fuer-den-einstieg-bei-brands4friends/
@ Alexander
Aber der liebe Ehssan hat seine Anteile auch verkauft. Also sind das schon mal nicht mehr 10 für die TEV! Sondern eher nochmal 3 für ED