Tradoria, Rakuten, Übernahme, Exit, Verkauf

Es ist ein ungewöhnlicher Käufer, über den sich die Gesellschafter von Tradoria (www.tradoria.de) dieser Tage freuen dürfen: Japans größter Anbieter von Internetdiensten Rakuten (www.rakuten.com) gab heute den Barkauf von 80 Prozent der Anteile an Tradoria bekannt und übernimmt den E-Commerce-Platz damit quasi komplett.

Tradoria goes Japan

Tradoria ist ein E-Commerce-Marktplatz im deutschsprachigen Raum, der verschiedene Händler auf seiner Seite bündelt und Nutzern somit einen umfangreichen Einkauf ermöglicht. Tradoria bietet so eine Kombination aus Mietshop, Shopping-Portal und zentralem Checkout-Prozess, welche sich insbesondere an kleine und mittelständische Händler richtet. Wie viel genau Rakuten für Tradoria bezahlt, wurde nicht kommuniziert, doch glaubt man dem Flurfunk in der Szene, könnte es sich um einen Exit im mittleren zweistelligen Millionenbereich gehandelt haben.

Laut eigenen Angaben will es Tradoria auf einen Kundenstamm von 4.400 Shops bringen und sieht sich führend in den Kategorien Möbel, Haus und Gartenartikel sowie Life-Style. Im Januar 2010 beteiligte sich Seventure Partners (www.seventure.fr), das hierzulande auch in Plinga (www.plinga.com), Conject (www.conject.com) und Retailo (www.retailo.de) investierte, als Lead-Investor an Tradoria und auch sonst ist die Investorenschaft umfangreich: Neben dem Geldgeber aus München sind auch der Kölner Venture-Capitalist DuMont Venture (www.dumontventure.de), die Samwer-Brüder Alexander, Marc und Oliver über ihre Beteiligungsgesellschaft European Founders Fund (EFF, www.europeanfounders.com) sowie einige Supporter aus dem Rocket-Internet-Umfeld bei Tradoria investiert gewesen. Die Samwers fügen ihrer Exit-Liste damit einen weiteren Verkauf hinzu.

Hintergrundinformationen zum Verkauf von Tradoria

Es sind also gleich mehrere Investoren, die am Exit von Tradoria partizipieren und im Hause Seventure gibt man sich entsprechend zufrieden: “Von Anfang an hat mich das Geschäftsmodell und das Team überzeugt. Jetzt freue ich mich besonders, dass wir Tradoria mit Sitz in Bamberg einem großen Global-Player wie Rakuten vorgestellt haben und dann auch helfen konnten, diese Transaktion nur 18 Monate nach unserem Einstieg erfolgreich abzuschließen”, führt Wolfgang Krause, zuständiger Partner bei Seventure, zur Transaktion aus. Seventure-General-Partner Valérie Gombart ergänzt: „Nach 3 Jahren auf dem deutschen Markt hat uns dieser Verkauf schon einen Großteil des investierten Kapitals zurückgespielt und uns einen IRR von mehr als 140 Prozent beschert.“ Wie genau die Transaktion an Rakuten verlief, skizzierte Wolfgang Krause gegenüber Gründerszene auch in einem kurzen Video-Interview:

Überhaupt tat sich zuletzt einiges in Sachen Marktplätze: Während der Elternshop Shopperella (www.shopperella.de) nach ungenügender Performance Insolvenz anmelden musste, konnte sich der Kölner Medienanbieter Hitmeister (www.hitmeister.de) jüngst über eine Finanzierung freuen. Insgesamt präsentiert sich der E-Commerce-Markt als sehr komplex, wenn es um Marktplätze geht. Das SEM-Geschäft bedarf eines genauen Monitorings und kann je nach Segment hohe Klick-Kosten aufwerfen und das Einkaufen von Traffic weist insgesamt ohnehin zahlreiche Stellschrauben auf.

Im Marketing-Bereich liegen also mit die größten Hebel für ein gekonntes Marktplatzgeschäft, wobei Tradoria mit seinem Sitz in Bamberg es schwer haben dürfte, Experten anzuziehen, sich dafür aber über wenig Mitarbeiter-Fluktuation freuen dürfte. Insgesamt ist Tradoria aber auch breiter aufgestellt als die genannten Anbieter und dürfte vor allem Amazon Marketplace und eBay als Wettbewerber betrachten.