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Twago steht unter Insolvenzverwaltung

Hinter vorgehaltener Hand kursierte das Gerücht bereits seit einigen Tagen: Die Outsourcing-Plattform Twago (www.twago.de) ist zahlungsunfähig. Schuld daran ist ein Investor, dessen Konten wegen Steuerproblemen eingefroren wurden.

Nun ist es offiziell: Der Dienstleistungsvermittler Twago hat Insolvenz angemeldet. Bereits Ende März wurde das Berliner Unternehmen vom Amtsgericht Charlottenburg unter eine vorläufige Insolvenzverwaltung gestellt, wie aus der Öffentlichen Bekanntmachung der zuständigen Behörde hervor geht und das Unternehmen gegenüber Gründerszene bestätigte. Damit laufen die Geschäfte des Startups nur mit Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters, einer Berliner Rechtsanwaltskanzlei.

Schuld an der Insolvenz ist nach Gründerszenes Informationen allerdings gar nicht Twago selbst. Stattdessen sollen die Konten eines Investors nicht mehr zugänglich sein – vor dem Hintergrund einer Steuerprüfung, wenn man den Gerüchten glaubt. Damit fehlen dem Jungunternehmen die ursprünglich zur Verfügung gestellten Mittel. Die logische Folge: Zahlungsunfähigkeit. Um die Rechnungen trotzdem bezahlen zu können, greift Twago nun auf staatliche Unterstützung zurück.

Um zwei bis vier Monate zurückgeworfen

Wie groß der Schaden für das Unternehmen und seine Mitarbeiter sein wird, lässt sich derzeit nur schwer abschätzen. Bislang habe es zumindest noch keine Kündigungen oder Einschränkungen im Geschäftsbetrieb gegeben, beteuert man bei der Online-Plattform. Gleichzeitig verbietet das Insolvenzverfahren, das bis Ende Mai läuft, aber Neueinstellungen. Ebenfalls bis zum Ende dieser Frist muss Twago einen neuen Investor finden. Die ersten Gespräche seien bereits angelaufen – und verlaufen, glaubt man dem Unternehmen, recht erfolgreich.

Größere Investitionen wird es mindestens in den nächsten zwei Monaten also nicht geben können. Zukäufe oder Übernahmen von Wettbewerbern etwa seien jedoch auch nicht geplant gewesen. Allerdings waren für die kommenden Monate neue Sprachversionen für mehrere europäische Länder vorgesehen. Um mindestens zwei bis vier Monate würden die eigenen Wachstumsziele zurück geworfen, erwartet man bei Twago.

Bislang gute Wachstumsraten

Das Tagesgeschäft von Twago schien bislang zu brummen: Auf monatliche Wachstumsraten von bis zu 40 Prozent konnte man verweisen, zuletzt sogar auf eine Verdopplung des Geschäfts innerhalb von zwei Monaten. Auch die Internationalisierung auf der Basis der bisherigen Sprachversionen – neben Deutsch wird bereits seit einer Weile auch Italienisch und Spanisch angeboten – ging eigenen Angaben zufolge gut voran. Im November 2010 hatte Twago sich den Wettbewerber MondayWorks nach einer Finanzierung im mittleren sechsstelligen Bereich einverleibt. Gut ein Jahr vorher war das Gründerteam Gunnar BerningMaria Lindinger und Thomas Jajeh mit der Plattform gestartet. Der Name der Firma steht für „TeamWork Across Global Office“.

Hauptgesellschafter von Twago ist der Investor Gerd Jakob, der ein Paket von 43 Prozent hält. Neben den drei Gründern, bei denen insgesamt 45 Prozent der Anteile liegen, sind zudem noch die ECM Beteiligungen AG mit neun und der Investor Tim-Oliver Barkow mit drei Prozent bei dem Unternehmen engagiert.

Von Homeshoring bis Offshoring

Das Startup vermittelt Dienstleistungen an deutsche und internationale Experten. Grundsätzlich fokussiert Twago sich dabei auf die Vermittlung von Dienstleistungen, die an einem beliebigen Ort weltweit vor einem Monitor erbracht werden können. Die Spannweite der Tätigkeiten umfasst nach eigenen Angaben die konzeptionelle Erstellung von Webseiten und Programmierung von Software, Grafikdesign sowie administrative und Schreib-/Übersetzungsdienstleistungen.

Zielgruppe auf Kundenseite sind Klein(st)- und Mittelständische Unternehmen in Europa sowie die wachsende Zahl an Selbstständigen und Konsumenten. Der Kunde kann dabei seinen Service-Anbieter frei auswählen. Je nach Kunden-Anforderungen können die Service-Anbieter sowohl im Heimatland des Kunden („Homeshoring“) wie auch weltweit sitzen („Offshoring“).