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Es gab einigen Wirbel um die vermeintlichen Versicherungen der Privatunterkünfte-Vermittlungen Airbnb (www.airbnb.de), Wimdu (www.wimdu.com) und 9flats (www.9flats.com). Erst häuften sich die Fälle von zerstörten Wohnungen, dann bekam das Thema große Medienpräsenz und schlussendlich reagierten Airbnb, Wimdu und 9flats mit unterschiedlichen Paketen für den Vermieterschutz. 9flats erweiterte sein Angebot nun erneut – ein wirklicher Versicherungsschutz lässt allerdings bei allen Konkurrenten noch immer auf sich warten. Das Kleingedruckte bleibt widersprüchlich. Gründerszene hat mit dem Versicherungsexperten Holger Schnittker gesprochen, der das Versicherungsportal Eins (www.versicherung-portal-1.de) betreibt.

Schützen die Versicherungen von Airbnb, 9flats und Wimdu?

Auf den ersten Blick wirkt die Idee der Privatunterskunfts-Vermittlungen wie ein Sechser im Lotto. In der Zeit in der man seine Wohnung selbst nicht nutzt, verdient man sich ein schönes Taschengeld, indem man sie weiter vermietet an Hans aus Bayern, David aus New York oder Thuy aus Vietnam. Was allerdings passiert, wenn man die Wohnung nach seiner Rückkehr verwüstet oder leergeräumt auffindet, ist eine andere Frage. Haftpflicht- oder Hausratsversicherungen greifen nicht mehr und auch der eigene Vermieter wird nicht amüsiert sein, wenn man ohne Nachfrage einen Zwischenmieter gesucht hat. Viele Nutzer laufen also Gefahr, je nach Art und Inhalt ihres Mietvertrags, einen direkten Vertragsbruch gegenüber ihrem Vermieter zu begehen, wenn sie ungefragt fremde Gäste in ihrer Wohnung wohnen lassen. Ganz zu schweigen davon, dass auf diese Weise entstehende Schäden nicht von ihrer Versicherung abgedeckt werden.

Ein zusätzlicher Versicherungsschutz klingt demnach ziemlich vernünftig. Das dachten sich die drei Konkurrenten Airbnb, 9flats und Wimdu auch und bastelten kurzerhand an einem Vermieterschutz. Wenn das Wort Vermieterschutz fällt, denkt der gutgläubige Vermieter sicher gerne an eine „Versicherung“. Allerdings war eine wirkliche Versicherung unter den Onlinevermietern bislang vergeblich zu suchen. Und auch wenn 9flats und Wimdu mit Versicherungsunternehmen zusammenarbeiten, häufen sich die Fragezeichen.

Airbnb bietet nur Kulanzregelung an

Das US-Original unter den Anbietern von Privatunterkünften Airbnb reagierte zuerst auf die Zwischenfälle in vermieteten Unterkünften. Nachdem der prominente Fall von EJ aus San Francisco weltweit Schlagzeilen machte, führte Airbnb zum 15. August eine Regelung zur Absicherung gegen mögliche Schäden durch Diebstahl oder Vandalismus ein. Im Firmenblog von Airbnb erklärte Mitbegründer Brian Chesky der Vermieterschutz umfasse eine Höhe von 50.000 US-Dollar (in Deutschland 35.000 Euro).

Gründerszene-Experte Holger Schnittker sieht dieses Angebot kritisch: „Bereits bei der Ankündigung betonte Airbnb, das es sich rechtlich nicht um eine Versicherung, sondern um eine Kulanz handelt. Auf die Zahlung besteht im Schadensfall keinerlei Rechtsanspruch. Der Geschädigte ist also im Zweifel auf das Wohl und Wehe von Airbnb angewiesen. Hinter dem Vermieterschutz steht außerdem keine Versicherung als Risikoträger, sondern Airbnb trägt das Risiko selbst.“

Somit wirkte die vermeintliche Versicherung eher wie reiner Aktionismus in Folge des in den USA aufgetretenen „Großschadens“. Das Hamburger Startup 9Flats zog kurz nach dem Vermieterschutzpaket von Airbnb mit einem Vermieterschutz nach, dieser wurde nun kürzlich erweitert. Und auch Wimdu bietet mittlerweile einen Vermieterschutz an. Doch auch die Angebote der deutschen Online-Vermittler sehen nicht viel besser aus.

Versicherung von 9Flats noch immer Mogelpackung?

Seit September versichert 9Flats nun Mietsachenschäden bis zu 500.000 Euro und kooperiert für den Schutz des vermieteten Inventars mit Zürich Versicherung. Derzeit bietet 9Flats die Versicherungen noch kostenlos an, sodass jeder Vermieter automatisch versichert ist. 9Flats bot schon zuvor einen Vermieterschutz an und rüstete das Angebot zum September nun nach.

Die Versicherung schützt Gastgeber laut dem Unternehmen vor möglichen Beschädigungen der vermieteten Wohnräume sowie des zugehörigen Hausrats. Vorsatz und Vandalismus seinen – wie in Versicherungen üblich – ausgenommen. Hier fängt der Haken an der 9Flats-Versicherung an: Wenn der Vermieter Gäste in seiner Wohnung beherbergt, die wie im Fall von EJ Bettlacken verbrennen, Laptops verschwinden lassen oder Badezimmer in stinkende Dixi-Toiletten verwandeln, greift die Versicherung nicht. Und auch das Kleingedruckte wirkt nicht wirklich wie ein Rundum-Sorglos-Paket.

„9Flats schreibt in den Garantiebedingungen, dass sie eine Vereinbarung mit der Zürich Versicherung haben, eine Garantie, dass der Versicherer es wirklich „versichert“ ist das jedoch nicht“, erklärt Holger Schnittker. „Direkte Ansprüche gibt es nur gegen 9Flats, das Startup selbst ist der Garantiegeber, nicht die Zürich Versicherung. Im eigentlichen Sinne besteht deshalb auch kein Versicherungsvertrag“, sagt Versicherungsexperte Holger Schnittker.

Die so von 9Flats gegenüber seinen Nutzern angepriesene Leistung soll laut dem Berliner Unternehmen „im Rahmen des gültigen Versicherungsvertrages“ gelten. Doch: Dieser ist auf der Internetseite von 9Flats nicht zu finden. „Die Grundlage des Garantievertrags bleibt demnach eine Wundertüte. Kein Vermieter weiß, was wirklich Grundlage des Garantievertrags ist“, sagt Schnittker.

Hinzu kommen laut Schnittker weitere Bedingungen aus dem Vertrag, die verwundern:

  • Etwa die Bedingung 6.3, laut welcher der Vermieter vor der Vermietung eine Inventarliste erstellen müsse.
  • Oder Paragraph 7, nach dem es bei „übermäßiger Beanspruchung“ keine Deckung gebe und Glasschäden vom Versicherungsschutz komplett ausgenommen seien.
  • Welche Pflichten haben Nutzer, die ihre Wohnung bei 9Flats anbieten aus Versicherungssicht? „Auch die Obliegenheiten (Verpflichtungen des Versicherungsnehmers also des Wohnungsanbieters) machen sehr nachdenklich und sind nicht das, was zum Beispiel gute Sachversicherungen beinhalten würden“, sagt Experte Schnittker.
  • Wer ist der tatsächliche Versicherungsnehmer – der Vermieter oder 9Flats? Holger Schnittker meint: „9Flats kann zwischen Versicherer und Vermieter eigentlich nur dann vermitteln, wenn das Unternehmen dafür eine Erlaubnis sprich eine Lizenz hat. Ob dies der Fall ist, wird nicht ersichtlich – das gleiche gilt für Wimdu.“

Es bleiben also nach wie vor viele Fragezeichen in Sachen Versicherungsschutz bei 9Flats. Nach Aussage von 9Flats-Gründer Stephan Uhrenbacher hat es zwar in den ersten sechs Monaten seit Gründung von 9Flats keinen Schaden über 100 Euro gegeben, ein wirklicher Trost dürfte dies im Falle des Falles aber sicher nicht sein.

Mit welcher Versicherung arbeitet Wimdu zusammen?

Seit 1. Oktober will auch Wimdu, das Copycat aus dem Hause Rocket Internet (www.rocket-internet.de), mit einer „kostenlosen Absicherung im Schadensfall punkten„. Wie 9Flats bietet Wimdu die Absicherung ebenfalls über ein Versicherungsunternehmen an. Gastgeber bekommen den Schutz in Höhe von 50.000 Euro kostenlos.

Mit der Versicherung von Wimdu sind laut dem Unternehmen nicht nur vorsätzliche Schäden durch Vandalismus und Diebstahl abgesichert, sondern auch Brandschäden sowie fahrlässig und grob fahrlässig verursachte Schadensfälle – das ist anders als bei 9Flats, welches diese Schäden ausschließt. Welcher Versicherer hinter der Kooperation steckt, kommuniziert das Startup allerdings nicht. Zudem sind Schäden in Höhe von 50.000 Euro bei einem Brand oder Vandalismus voraussichtlich schnell überschritten.

Versicherungsexperte Holger Schnittker sieht das Wimdu-Angebot ähnlich kritisch wie die Angebote der Konkurrenz: „Die Informationen, die es zu Wimdu im Internet gibt, sind sehr spärlich und wenig aussagekräftig. Insbesondere der Fakt, dass der Name der Versicherung nicht genannt wird, wirft Fragen auf. Auch die zugrundeliegenden Vertragsbedingungen waren für mich nicht aufzufinden“. Der gesamte Text auf der Webseite wirke laienhaft und bedenkt man, dass Samwer-Startups in der Vergangenheit nicht gerade mit ausgefeiltem Nutzerschutz und Nachhaltigkeit gepunktet haben, beruhigen Wimdus Versicherungsversprechen nicht unbedingt.

Versicherungsangebote der Online-Vermittler sind alle mangelhaft

Entsprechend vernichtend fällt das Urteil von Gründerszenes Experte Holger Schnittker aus: „Aus meiner Sicht sind alle angebotenen Lösungen mehr oder weniger mangelhaft in Bezug auf die Absicherung der Vermieter. Es bleibt allerdings abzuwarten, wie die Anbieter reagieren, wenn die ersten Versicherungsfälle kommen.“

Eigentlich kann man nur hoffen, dass dieser Fall nicht eintritt und die verschiedenen Anbieter zahlen. Für Airbnb, Wimdu und 9Flats steht neben der Gefahr negativer Berichterstattung schließlich schließlich noch mehr auf dem Spiel: Macht es unter den Nutzern die Runde, dass sie mit ihren Aktivitäten womöglich gegen Vertragsvereinbarungen mit ihren Vermietern verstoßen und sie im Schadensfall von ihrer Versicherung nicht versichert sind und auch die Versicherungen von Airbnb, Wimdu und 9Flats nicht sicher sind, könnten die Kundenzahlen zurück gehen.

Deutlich wird vor allem, wer seine Vertragsbedingungen nicht öffentlich und klar verständlich kommuniziert, der muss damit rechnen, dass die Kunden sich wundern. Der noch recht neue Bereich der Online-Vermittler wird sich damit keinen Gefallen tun und das lukrative und freundschaftliche Geschäft mit der Wohnungsvermietung erhält einen faden Beigeschmack.

Mitarbeit: Joel Kaczmarek