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Den besten Wein über das Internet finden? Echte Weinkenner dürften das wohl bezweifeln. Dennoch tobt der Wettbewerb im Online-Wein-Geschäft. Auf der Basis unterschiedlicher Geschäftsmodelle widmen sich gleich mehrere Startups dem Thema. Mit Wein der Woche hat nun ein Wein-Startup dicht gemacht.

Oops: Wein der Woche gibt Betrieb auf

Es ist kein gutes Zeichen, wenn die Webseite eines Startups nur noch ein „Oops“ vermeldet und die sozialen Kanäle schon seit einigen Monaten ausgetrocket sind: Das von Alexis Hue gegründete Wein der Woche (www.weinderwoche.com) gibt es nicht mehr. Bereits Mitte Februar sei die Wein der Woche GmbH sang- und klanglos aufgelöst worden, schreibt Deutsche Startups. Gleichzeitig hat Project A Ventures (www.project-a.com), der mit Otto-Kapital ausgestattete neue Inkubator von Christian Weiss & Co., mit Wine in Black (www.wine-in-black.de) einen ebenfalls auf den Online-Weinhandel ausgerichteten Versender unter seine Fittiche geholt. Das Modell per se scheint also durchaus Charme zu haben.

So verführerisch das Konzept des Handels mit Wein über das Internet aber sein mag – immerhin ist guter Wein nicht immer leicht zu finden –, so schwierig scheint auch das Geschäftsmodell zu sein. Natürlich ist Wein vor allem eines: Geschmackssache. Die Vermutung liegt daher nahe, dass genau in der Auswahl der Weine auch die Schwierigkeit liegt. Nur wer den Kunden auf Anhieb zufrieden stellen kann, wird langfristig erfolgreich sein. Anders als bei Versendern anderer Produkte wird die Rückgabe beziehungsweise die nachträgliche Anpassung schwierig.

Lag es am Community-Geschäftsmodell?

Tatsächlich unterscheiden sich die Geschäftsmodelle der Wein-Versender mitunter deutlich. Etwa setzte Wein der Woche auf ein Online-Community-Modell. So gab es nach eigener Aussage „Geheimtipps der Winzerwelt“, die von den Mitgliedern der Online-Community vorab getestet und bewertet wurden. Die besten Weine schafften es dann als „Angebot der Woche“ in die virtuellen Regale. Offenbar war es aber nicht der Geschmack der breiten Masse, den der Online-Weinkunde suchte. Glaubt man dem Flurfunk der Branche, soll das in Berlin ansässige Projekt wegen der hohen Konkurrenz eingestellt worden sein.

Auf Anfrage von Gründerszene bestätigte auch Gründer Alexis Hue, dass der Wein-Markt in Deutschland äußerst kompliziert gestaltet sei. In englischsprachigen Nationen wie den USA oder Großbritannien soll sich der Online-Markt für Weinbestellungen sehr gut entwickeln, in Deutschland bleibe ein Abheben des Marktes bisher aus. Durch die vielen Wettbewerber soll dabei ein großer Sprung bei den Customer-Aquisition-Costs entstanden sein, sodass sich der Betrieb für Wein der Woche anscheinend nicht mehr gerechnet hat.

Was nun mit dem Projekt weiter passieren wird, kann Gründer Hue noch nicht berichten, einen Relaunch schließt er jedoch aus. Neben dem Verkauf der Domain stellt sicherlich auch eine entsprechende Affiliate-Seite ein denkbares Zukunftsszenario für Wein der Woche dar.

Wachsender Wettbewerb im Online-Wein-Geschäft

Anders als Wein der Woche geht Project A das Geschäft an: Hier prüfen nach eigenen Angaben „erfahrene Weinexperten“ alle angebotenen Weine ausgiebig. Zudem setze man sich mit den Auszeichnungen und Kritikermeinungen auseinander. Die resultierenden Empfehlungen werden dann zu kompetitiven Preisen angeboten, betont das Unternehmen. „Wine in Black ist eine exklusive Gemeinschaft auf Einladung, die ausgezeichnete Premium-Weine zu unschlagbar günstigen Preisen anbietet“, fasst es die Website des Klons des US-Vorbild Lot18 (www.lot18.com) zusammen.

Ein ähnliches Konzept verfolgen auch die Wettbewerber Vigno (vigno.de) oder 52 Weine (www.52weine.de). Getreu dem eigenen Namen hat sich La Tienda (www.la-tienda.de) währenddessen auf spanische Weine fokussiert, versucht sich also an einem Nischenmodell. Gleiches macht Wein wenn du kannst (www.wein-wenn-du-kannst.de), das die angebotenen Produkte nach Emotionen sortiert. Wein-Shops gibt es zahlreiche, dazu gehören zum Beispiel auch alte Namen wie Jacques‘ (www.jacques.de) mit zahlreichen Läden oder das neue Startup Weinkampagne (www.weinkampagne.de), das auf „Bag-in-Box“-Wein setzt.

Der Wettbewerb im Online-Weinversand ist also voll im Gange. Gleichzeitig werden die Geschäftsmodelle der Anbieter auf die Probe gestellt. Mit Wein der Woche hat der Kampf um die Marktanteile nun ein erstes Opfer unter den Portalen gefordert. Wie lange es wohl bei dem einen bleiben wird?

Mitarbeit: Joel Kaczmarek