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Xing lehnt Burda-Angebot ab

Xing (www.xing.com) will sich sich nicht zu billig verkaufen: Vorstand und Aufsichtsrat des Karrierenetzwerks haben heute eine ingesamt 31 Seiten lange Stellungnahme zum vor wenigen Wochen veröffentlichten Übernahmeangebot der Burda Digital GmbH abgegeben. Zwar werde aus “unternehmerischer Sicht” eine höhere Beteiligung, wie sie der Konzern anstrebt, befürwortet. Gleichwohl sei das Angebot “aus finanzieller Sicht nicht angemessen”. Xing-Gründer Lars Hinrichs hatte zuvor noch zur Annahme des Angebots geraten.

Schlecht wäre der “Fit” auch nicht: Durch eine Übernahme könnte Burda weiter im Digitalgeschäft Fuß fassen. Bereits 2010 hatte der Medienkonzern hier erstmals mehr Geld verdient als im klassischen Verlagsgeschäft auf dem Heimatmarkt. Mit Burda Digital Ventures (www.hubert-burda-media.de) hält der Medienkonzern Anteile an Firmen wie GameDuell oder Zooplus und ist auch Hauptaktionär der Tomorrow Focus AG. Letztere wiederum ist über Beteilligungen an Unternehmen wie HolidayCheck, ElitePartnerFinanzen100 oder Jameda beteiligt. In diesem Verbund könnte das Karrierenetzwerk eine passende Ergänzung für die Online-Personalsuche und Stellenvermittlung darstellen.

Schon vor dem Übernahmeangebot hatte Burda seinen Anteil an Xing von zuletzt 29,4 auf 38,9 Prozent erhöht. Für die verbliebenen Anteile an dem Netzwerk hatte die Digitaltochter des Medienkonzerns 44 Euro je Anteilsschein oder insgesamt 147,3 Millionen Euro geboten. Auf just diesen Kurs hatte sich das Papier nach Bekanntwerden des Angebots eingestellt, ein sattes Plus von 18 Prozent, was durchaus als Signal gewertet werden konnte, dass die zugrunde liegende Xing-Bewertung etwas zu niedrig gegriffen war.

Besser Chancen gegen oder mit Linkedin?

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Genau hier setzt auch Xing nun an. Die Erwartungen an die Geschäftsentwicklung, der bisherige Kursverlauf sowie die Kursziele der zuletzt veröffentlichten Analystenberichte verdeutlichten, so heißt es in der Stellungnahme, dass Xing noch gutes Wachstumspotenzial habe. Vom Frankfurter Bankhaus Rothschild hat man sich das übrigens in einer Fairness Opinion bestätigen lassen. Inbesondere gegen den Wettbewerber und Weltmarktführer Linkedin muss sich das Unternehmen derzeit verteidigen. Um Letzterem die Zähne zu zeigen, will Vollmöller für Xing stärkeres Wachstum forcieren. Dafür wäre eine stärkere Kapitaldecke mehr als hilfreich.

Von Juli bis September des laufenden Jahres hatte Xing zwar seinen Umsatz um elf Prozent auf 18,3 Millionen Euro steigern können. Gleichzeitig war der Gewinn laut Quartalsbericht vor allem wegen angestiegener Personalkosten um 15 Prozent auf 2,2 Millionen Euro abgesackt. Von den zuletzt 5,9 Millionen Euro – ein Anstieg um 196.000 – nutzen nach Xing-Angaben rund 770.000 die kostenpflichtigen Angebote.

Demgegenüber belief sich der Umsatz des US-amerikanischen Karriere-Netzwerks Linkedin im dritten Quartal auf 252 Millionen US-Dollar, wobei ein Gewinn von 2,3 Millionen US-Dollar zu Buche stand. Derzeit bringt es Linkedin auf 187 Millionen Mitglieder – hierzulande hat Xing dennoch die Nase vorn. Bislang war zumeist das US-Pendant als möglicher Interessent für Xing gehandelt worden. Sollte Burda nicht nachlegen – der Konzern steht finanziell derzeit nicht schlecht da – und der Deal zwischen Xing und Burda tatsächlich platzen, könnte das den Marktwert des deutschen Marktführers belasten – und Linkedin wieder auf den Plan rufen, möglicherweise sogar stärker als in der Vergangenheit.

Bildmaterial: Xing
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Xing will mehr als 147,3 Millionen von Burda, 4.2 out of 5 based on 6 ratings
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