Zalando, Locondo, Bigfoot, Jade Group, Japan, Internationalisierung

Es brummt bei Zalando (www.zalando.de) und das sicherlich nicht erst seit dieser Woche, in der bekannt wurde, dass der Schuhshop aus Berlin nun auch international zusehends Fuß fassen will. Realisiert wird dies einerseits durch eine Finanzierungsrunde bei Zalando Deutschland durch Investment AB Kinnevik und Tengelmann und andererseits durch die Dachgesellschaft “Bigfoot”, mit der Zalando – potent finanziert – zunächst nach Japan und Brasilien expandiert.

Zalando goes Europa: Interne Finanzierungsrunde

Die Expansionsfront des E-Commerce-Schlachtschiffs der Samwers tobt gleich an mehreren Schlachtplätzen: Zunächst einmal haben die schwedische Beteiligunggesellschaft Investment AB Kinnevik sowie Einzelhandelsriese Tengelmann ein erneutes Investment bei Zalando Deutschland getätigt, das wohl zur Finanzierung der saisonalen Kollektionen genutzt wird, aber auch für die Expansion von Zalando zum Einsatz kommt.

Mittlerweile ist Zalando so bereits in den Niederlanden und Frankreich aktiv und ist auch im Besitz entsprechender Domains für Großbritannien, Spanien, Portugal, Italien, Dänemark, Norwegen, Schweden, Belgien, Polen, Tschechien, Rumänien, die Slowakei und die Schweiz. Um im Ausland als E-Commerceseite aktiv zu sein, braucht es natürlich ein entsprechend größeres Sortiment (was wiederum mehr Geld erforderlich macht) und idealerweise ein muttersprachliches Team vor Ort.

Auch wenn Zalando angeblich über eine gute Cash-Lage verfügen soll, erfordert eine solche Expansion, natürlich wesentlich mehr Aufwand im operativen Geschäft und dürfte einen finanziellen Sicherheitspuffer erforderlich gemacht haben. Die so entstehenden Finanzbedarfe deckt Zalando für gewöhnlich mit Fremdkapital, da dieses kostengünstiger als Eigenkapital ist und kein Abgeben von Anteilen erforderlich macht.

International gegen Hommels und Jung konkurrieren

Doch Europa ist beileibe nicht die einzige Station für Zalando: Unter dem Label Locondo ist der Samwer’sche Schuhshop nun auch bereits in Japan aktiv und laut Gründerszene-Informationen soll im Januar bereits ein weiterer Ableger in Brasilien folgen. Auch Exciting Commerce berichtete bereits über den Japanischen Zalando-Klon, der durch eine Art Rocket-Ableger mit Namen Jade Group entwickelt wird.

Deutsche Startups ergänzte das Puzzle um ein weiteres Teilchen und machte mit der Bigfoot GmbH eine Dachgesellschaft aus, welche die Jade Group finanziert. Hier findet sich die gleiche illustre Investorenrunde wie auch bei Zalando Deutschland: Zalando-Gründer Robert Gentz ist mit zehn Prozent beteiligt, während auch Rocket Internet (58 Prozent), Investment AB Kinnevik (17 Prozent), Tengelmann (neun Prozent) und Holtzbrinck Ventures (sechs Prozent) zu den beteiligten Gesellschaftern zählen.

Ein Beteiligter aus dem Rocket-Internet-Umfeld ließ Gründerszene wissen, dass man sich bei Rocket Internet international gegen Klaus Hommels und Oliver Jung behaupten möchte. Derzeit klonen Klaus Hommels und Oliver Jung nicht nur weltweit das Groupon-Modell via Group Buying Global und den Shoppingclub-Ansatz mit BrandsAlliance, sondern sind bereits auch mit Zalando-Klonen am Start: In Russland sind die beiden Unternehmer mit Sapato.ru aktiv, in Brasilien sollen die beiden einen Schuhshop namens Primoa entwickelt haben.

Wie und Warum Zalando auf Japan setzt

Mit Japan und Brasilien verschlägt es Zalando pikanterweise also gleich zum Start der außereuropäischen Expansion in die Hommels-Jung-Nationen. Doch es dürfte nicht nur das Konkurrenzdenken sein, dass diese Märkte für Zalando attraktiv macht. Auch Brands4Friends (www.brands4friends.de) ist ja bereits in Japan aktiv und dies nicht ohne Grund: Japan ist nicht nur die zweitgrößte Weltwirtschaftsnation, sondern auch begeistert von der westlichen Kultur und entsprechend kaufstark.

Japan ist ausgehend von seinem hohen Bruttosozialprodukt extrem E-Commerce-affin und noch besser für Fashion-StartUps: Die Retourenrate ist deutlich kleiner, was wesentlich profitablere Geschäftsmodelle in Japan erlaubt. Dies scheint vor allem mit der japanischen Mentalität zusammen zu hängen, die ein Rücksenden als Unhöflichkeit zu verbieten scheint.

Glaubt man einem Rocket-Internet-Beteiligten, wird Zalando die Märkte Japan und Brasilien zunächst einmal angehen und dann weitere Nationen in Erwägung ziehen. Noch soll unklar sein, ob evtl. auch weitere Geschäftsmodelle in diesem Modus exportiert werden. Dass es weitere Zalando-Ableger geben wird, wenn diese Märkte für die Samwer-Brüder erfolgreich funktionieren, scheint aber unstrittig. Finanziert soll Bigfoot auf jeden Fall “in großen Dimensionen” worden sein…

Artikel zu Zalando:

GD Star Rating
loading...
Alle Bilder in diesem Artikel unterliegen der Creative-Commons-Lizenz (Namensnennung-Keine Bearbeitung, CC BY-ND; Link zum rechtsverbindlichen Lizenzvertrag). Ausgenommen sind anders gekennzeichnete Bilder unter anderem von Panthermedia, Fotolia, Pixelio, Morguefile sowie Pressefotos oder verlagseigenes Bildmaterial.