Zalando scheint nicht zu stoppen: Mit dem Start in Spanien, Finnland, Dänemark und Polen ist das Unternehmen aus der Samwer-Schmiede nunmehr in 13 Ländern Europas aktiv, Ableger gibt es auf mehreren Kontinenten. Neben der Frage, wie sehr hohe Retouren-Zahlen die Geschäftsentwicklung belasten, wird immer interessanter, wie der Exit des Fashion-Versands aussehen könnte.

Zalando: Expansion in vier neue Länder

Fast fällt es schwer, Zalando noch als Startup zu bezeichnen. Mehr als tausend Mitarbeiter zählt der wohl bekannteste Samwer-Sprössling derzeit. War das Geschäft zunächst auf Deutschland, Österreich, die Niederlande und Frankreich beschränkt kamen in Europa schnell Italien, die Schweiz und Großbritannien hinzu. Anfang April dieses Jahres ging Zalando in Schweden an den Start. Und vor wenigen Wochen wurde die zudem die belgische Version des Onlineshops gelauncht.

Aber auch außerhalb Europas hat sich die Rocket-Tochter breit gemacht. Etwa hat sich der Schuhladen in Brasilien über den Ableger Dafiti im Schnelldurchlauf ein Standbein in Südamerika (Brasilien, Argentinien, Chile, Kolumbien, Mexiko) aufgebaut. In Indien ist Zalando, das selbst nur ein Klon des US-Vorbilds Zappos (www.zappos.com) ist, darüber hinaus mit der Marke Jabong unterwegs, in Südafrika heißt Zalando Zando, in der Türkei Zidaya. Auf dem russischen Markt ist Rocket mit Lamoda (www.lamoda.ru) bereits seit gut einem Jahr unterwegs, noch länger mit Locondo (www.locondo.jp) im japanischen.

Künftig gibt es Zalando in vier weiteren Ländern: Der neue Shop in Spanien ist bereits online, im Juni kommen Finnland, Dänemark und Polen dazu. Damit ist das Unternehmen in insgesamt 13 Ländern Europas präsent. Betreut wird Zalando.es übrigens von einem Team aus Muttersprachlern vom Headquarter in Berlin aus.

Explodierender Umsatz

Zwar versteht sich Zalando laut der Rocket-Profilseite als Deutschlands größter Schuh-Shop im Internet. Allerdings hat sich der Fokus längst zum deutlich breiter aufgestellten Fashion-Retailer entwickelt. Textilien machen bereits weit mehr als die Hälfte der angebotenen Artikel aus. Das Angebot reicht von bekannten Trendmarken bis hin zu Designermodellen – insgesamt arbeitet Zalando nach eigenen Angaben mit über 500 Markenherstellern zusammen. Neben Damen-, Herren- und Kinderschuhen ist auch Bekleidung gefragter Modelabels erhältlich.

In den vergangenen Monaten ist der Umsatz von Zalando regelrecht explodiert. Bereits im ersten Halbjahr 2011 erreichte Zalando laut Zahlen im Geschäftsbericht des Rocket Internet-Hauptfinanzierers Investment AB Kinnevik einen Nettoumsatz von rund 200 Millionen Euro. Vergleicht man das mit den Umsatzzahlen des gesamten(!) Vorjahres von 159 Millionen Euro ist das eine ordentliche Summe. “Aufgrund starken Wachstums und geografischer Expansion hat das Unternehmen trotzdem einen Betriebsverlust zu verzeichnen”, zitiert der Report.

Perfekte Exekution – aber stimmt der Zeitpunkt?

Zalando zeigt, was Rocket Internet ausmacht: Mit ihren vielen Erfolgen und Miserfolgen haben die Samwer-Brüder ein einzigartiges Know-how gesammelt. Damit haben sie den eigenen Inkubator zum Company Builders par excellance gemacht – eine echte Exekutions-Maschine. Dass gerade in letzterer die Crux eines erfolgreichen (Jung-)Unternehmens liegt, soweit waren sich die Speaker auf der diesjährigen Heureka! Conference Anfang Mai dieses Jahres einig.

Interessant ist derweil die Frage, ob die Exektion auch zum richtigen Zeitpunkt kommt. Denn in den schwarzen Zahlen ist Zalando noch lange nicht. Sollten die Retourenquoten von bis zu 70 Prozent zustimmen, wie coupons4u mutmaßt, wird es bis zur Gewinnzone noch ein weiter Weg werden. Das Problem, mit dem hierzulande auch der Wettbewerber Mirapodo (www.mirapodo.de) aus der Otto-Gruppe zu kämpfen hat, besteht darin, dass Nutzer auf Rechnung bestellen und die Ware bis zu 100 Tage lang kostenlos zurücksenden können. Auch in den neuen Ländern deutet letztlich wenig auf ein signifikant besseres Kaufverhalten der Kunden hin. Sollte sich dies bewahrheiten, würden die Zalando-Margen wohl noch eine ganze Weile eher knapp ausfallen.

Sowohl der kontinuierliche Expansionskurs wie auch das Business-Modell insgesamt sind zudem sehr kostenintensiv. Einerseits muss das Unternehmen große Mengen an Ware vorfinanzieren, weil viele Hersteller ihr Kunden dazu zwingen, ganze Kollektionen abzunehmen. Andererseits entstehen daraus hohe Lagerkosten entstehen. Noch in diesem Jahr soll laut Kinnevik-Report das neue Logistikzentrum in Erfurt seinen Betrieb aufnehmen.

Zalando: Markt- oder Marketing-Erfolg?

Eine der großen Stärken von Zalando ist derweil die Marketing-Leistung. Vor einem Jahr formulierte Florian Heinemann, der mittlerweile bei Project A Ventures aktiv ist, auf der Next: “At a company like Zalando we don’t have a marketing budget. We just say: We are willing to acquire a customer for price x.” Tatsächlich versteht es das Unternehmen glänzend, sich mit Newslettern, einem Modeblog (modenews.zalando.de), Facebook und Twitter sowie umfangreichen Werbeschaltungen (etwa als Sponsor der Prosieben-Serie Germanys Next Topmodel) beim Kunden im Gedächtnis zu halten.

Seit dem Start des Unternehmens im Mai 2009 hat es Zalando an einem nie gefehlt: Kritik am Geschäftsmodell. Und doch haben die Samwer-Brüder am Konzept festgehalten und so ihre Überzeugung manifestiert, auch mit Zalando einen guten Exit zu schaffen – betrachtet man den Track-Record der Brüder, kann man diesen ein gutes Händchen kaum absprechen. Mit der Expansion, so scheint es, soll das Unternehmen noch einmal höher auf der Marktwertskala geschoben werden. Wie viele weitere solcher Schritte wohl noch folgen werden?

Bildmaterial: Albrecht E. Arnold  / pixelio.de
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