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Nach ziemlich genau einem Jahr Bestehen kann die Nischen-Datingseite Zuckerjungs (www.zuckerjungs.de) seinen Exit vermelden: Die britische Online-Dating-Firma Cupid (www.cupid.com) übernahm dieser Tage 75 Prozent der Anteile und kann die verbleibenden 25 Prozent über eine Kaufoption bis 2014 ebenfalls kaufen.

Zuckerjungs und Cupid setzen auf Nischenthemen

Es sind Nischenthemen des Dating-Bereichs auf die sowohl das seit 2005 existierende Cupid als auch Zuckerjungs setzen und so passt es ins Bild, dass Cupid neben Zuckerjungs auch das Frauen-Community-Netzwerk WomanWeb (www.womenweb.ag) akquirierte. Cupid vollzog diese Aquisition, indem es sich Andreas von Maltzans Betreiberfirma OnlineLiebe GmbH einverleibte, zu der auch die Plattformen Gayjz.de (www.gayjz.de), Gleicheliebe.de (www.gleicheliebe.de) und liebejz.de (www.liebejz.de) zählen.

Naheliegenderweise dürfte sich Cupid aber vor allem für Zuckerjungs interessieren, das in diesem Jahr auch bereits ein Media-Investment von Dirk Stroers Unternehmen Media Ventures erhalten hat. Schon bei Maltzans Vorgängerfirma Neu.de investierte Stroer in Form einer Posterkampagne und bei Zuckerjungs wurde dieses Procedere gegen einen Anteil von 25 Prozent wiederholt.

Bei der Transaktion wurden auch überraschend offen Zahlen kommuniziert. So spricht Deutsche Startups von einem Kaufpreis von 2,75 Millionen Euro. Daneben besitzt Cupid eine Kaufoption, die vorsieht, dass Cupid die verbleibenden 25 Prozent beider Unternehmen zwischen 2012 und 2014 übernehmen kann, sofern es das 1,7-fache des Umsatzes bezahlt.

Zuckerjungs und WomanWeb nennen Zahlen

Sowohl WomanWeb als auch Zuckerjungs stammen aus der Feder von Neu.de-Gründer Andreas von Maltzan und während WomanWeb bereits seit 2006 am Start ist, beging Zuckerjungs seinen Launch erst im Mai 2010. Seither machte das auf reifere Frauen ausgerichtete Zuckerjungs vor allem mit einer Fernsehwerbung mit Gundis Zambo auf sich aufmerksam und durch besagte Media-Finanzierung von Dirk Stroer.

Im Zuge der Transaktion gewährte Cupid – ungewöhnlicherweise – auch Einblick in die detaillieten Zahlen von Zuckerjungs und WomanWeb und spricht für 2010 von einem Jahresumsatz von 850.000 Euro für beide Unternehmen. Demnach bringen es Zuckerjungs und WomanWeb bei ihrem Exit auf einen Multiple von 4,3, das heißt Cupid bezahlte das 4,3-fache des Jahresumsatzes als Exitsumme für die ersten 75 Prozent, bei den verbleibenden 25 wird es dann nur noch das 1,7-fache sein. Damit will der britische Anbieter seine Akquisition in 2011 einnahmenneutral fahren und im darauffolgenden Jahr Gewinne verzeichnen. Insgesamt also ein passabler Multiple, während die Kaufsumme in Anbetracht des Unternehmensalters aber überschaubar bleibt.

Vor der Übernahme durch Cupid brachte es Gründer Maltzan auf 56 Prozent der Anteile an Zuckerjungs, während Media Ventures (www.mediaventures.de) über knapp 25 Prozent verfügte. Daneben war auch die Beteilgungsgesellschaft Bavaria Equity beim Datingdienst beteiligt. WomanWeb lag hingegen zu einhundert Prozent in den Händen von Maltzan, wobei laut Deutsche Startups auch Johannes Heyne mit 25 Prozent an dessen Beteiligungsgesellschaft beteiligt sein soll. Die verbleibenden Zuckerjungs-Prozente teilen sich derzeit noch Media Ventures und Andreas von Maltzan.

Dating, Partnervermittlung und die Nische

Mit der Akquisition von Zuckerjungs darf es als sehr wahrscheinlich gelten, dass Cupid im Dating-Segment auf Nischenthemen setzt, ein Ansatz, der auch in anderen Segmenten derzeit vollzogen wird, etwa von Econa (www.econa.com), das verschiedene Special-Interest-Magazine erwarb oder von MyMuesli (www.mymuesli.com), das mit seiner Übernahme des Kaffee-Startups Black Pirate Coffee Crew (www.blackpiratecoffeecrew.de) verschiedene Frühstücksansätze zu einem Angebot aus einer Hand zusammenführt. Gemein ist diesen Ansätzen mithin die Zusammenführung verschiedener kleiner Bausteine, die in Summe dann ein schlagkräftiges, umfassendes Angebot liefern sollen.

Speziell im Dating- und Partnervermittlungssegment zeigt sich ein solcher Trend zur Vertikalisierung. So übernahm etwa Parship (www.parship.de) das auf Facebook fokussierte One2Like und ist auch bereits mit vertikalisierten Ansätzen wie GayParship am Start. Währendessen bringt Konkurrent eDarling (www.edarling.de) derzeit mit BetterDate (www.betterdate.de) eine Datingseite ins Netz und wird wohl auch im mobilen Bereich noch aktiv werden. Nachdem der Datingmarkt lange Zeit durch große Player dominiert wurde, die mit einer One-Size-fits-all-Lösung große Nutzermengen auf sich vereinten, sprießen nun vermehrt fokussierte Anbieter aus dem Boden, die den großen Akteuren die Nutzer entziehen. So sind etwa spezielle Datingcommunities zu Themen wie Religion, Alter oder Herkunft entstanden, die spezifische Zielgruppen anziehen.

Ein solcher Ansatz kann in Summe aufgehen, zumal sich auch Cross-Selling-Potenziale ausnutzen und die wechselseitig gemachten Erfahrungen übertragen lassen. Gleichzeitig verfügen die entsprechenden Anbieter häufig nicht über starke Marken, die durch intensives Marketing aufgebaut wurden. Und so darf auch Cupid derzeit wohl eher als Nischenanbieter gelten, ebenso wie das übernommene Zuckerjungs, das eine sehr spitze Zielgruppe bedient und noch einiges an Wachstumsbedarf aufweisen dürfte.