Ideenfindung, Interdisziplinarität, Kreativität, Brainstorming, Mind-Mapping, Six-Heads, Walt-Disney-Methode, Collective-Notebook, Kopfstand-Methode

Gerade junge Unternehmen und StartUps profitieren von der eigenen Dynamik und der außergewöhnlich hohen Motivation der Gründer und Mitarbeiter. Unter anderem diese Dynamik ist es, die zu einem Wettbewerbsvorsprung führen kann, wenn sie dazu genutzt wird, gezielt Innovationen zu entwickeln. Innovationen entstehen aus Ideen und diese gibt es mehr als genug in jedem Unternehmen.

In vielen Unternehmen werden diese Ideen jedoch nicht gezielt generiert sondern entstehen durch Zufall oder bei der Ausführung bestimmter Tätigkeiten. Diese Art der „zufälligen Kreativität“ hat zur Folge, dass die Ideen oftmals nicht für eine bestimmte Fragestellung strukturiert gesammelt werden und die Umsetzung somit schwierig ist oder gar nicht stattfindet.

Für die gezielte Auseinandersetzung mit einem Problem oder einer Fragestellung gibt es unzählige Methoden, die geeignet sind, die Kreativität anzuregen und meist in Gruppenarbeit Lösungen zu finden. Einige spannende Methoden, die sich für solche Veranstaltungen eignen, werden im folgenden Beitrag vorgestellt.

Die Basics für Kreativität im Unternehmen

Es gibt ein paar Basics, die zu beachten sind, wenn ein Workshop vorbereitet wird, in dem Kreativitätstechniken angewandt werden sollen:

  1. Gute Ideen entstehen häufig in Teams. Oftmals sind diese Teams kreativer, wenn möglichst vielfältige Disziplinen (Abteilungen) vertreten sind. Die Interdisziplinarität kann dazu führen, dass Fragestellungen kontrovers diskutiert und aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden können.
  2. Eine weitere Grundlage für fruchtbare Ergebnisse ist das Team- oder Arbeitsklima. Abhängig von der Unternehmenskultur und dem Führungsstill, kann die Anwesenheit von Vorgesetzten oder sehr autoritären Persönlichkeiten zu Redehemmungen und der Blockade von Kreativität führen. Das gilt auch für den Fall, dass Spannungen zwischen den Teilnehmern existieren. Achten sie daher bei der Zusammensetzung der Teilnehmer falls möglich auch auf zwischenmenschliche Faktoren.
  3. Ideen entstehen meist nicht zwischen zwei E-Mails oder kaum dass man den Rechner ausschaltet. Daher sollte Zeit eingeplant werden, um die Teilnehmer auf das gemeinsame Ziel einzustimmen und ihnen die Möglichkeit geben, sich aus dem Alltagsgeschäft zu lösen.
  4. Die Fragestellung, die innerhalb des Workshops bearbeitet wird, sollte möglichst präzise sein und das zu bearbeitende Themengebiet eingrenzen. So wird beispielsweise die Frage „Wie kann ich die Welt retten“ vielleicht sinnvolle Ergebnisse hervorbringen, die Teilnehmer jedoch aufgrund ihrer Komplexität überfordern.

Kreativitätsmethoden

Die nachfolgend vorgestellten Methoden sind eine Auswahl der simpleren Methoden, die sich neben den Klassikern „Brainstorming“, „Mind-Mapping“ und der „635-Methode“ auch für weniger erfahrene Moderatoren und Trainer eignen, da sie wenig Vorbereitung benötigen und sich gut durchführen lassen, solange die oben genannten Basics beachtet werden.

1. Six-Heads

Diese Six-Heads-Methode ist eine Art Rollenspiel und bringt mit den richtigen Teilnehmern nicht nur Spaß sondern kann auch helfen für kritische Probleme oder konfliktreiche Situationen Lösungen zu finden. Die Teilnehmer erhalten dabei Hüte in verschiedenen Farben, die für eine jeweilige Grundeinstellung stehen (wem Hüte zu albern sind, der kann sich auch auf Stühle setzen, die für die jeweilige Farbe stehen o.ä.) und diskutieren aus der jeweiligen Sichtweise heraus eine Fragestellung. Folgende sechs Farben werden verwendet:

  • Weiß – Der Analytiker: Die Person, die diesen Hut trägt sammelt Fakten und bildet sich frei von Emotionen und Vorurteilen ein Urteil.
  • Rot – Der Emotionale: Diese Person argumentiert ausschließlich auf der emotionalen Ebene und äußert alle aufkommenden Gefühle deutlich, unabhängig davon, ob diese Emotionen positiv oder negativ sind.
  • Schwarz – Der Kritiker: Diese Person kritisiert alles, zweifelt alles an und sucht die Schwächen und Risiken der jeweiligen Ideen ohne dabei emotional zu sein.
  • Gelb – Der Optimist: Der Optimist sieht ausschließlich die Stärken und Chancen der jeweiligen Vorschläge und Ideen und liefert Argumente ohne dabei emotional zu werden.
  • Grün – Der Kreative: Die Person mit diesem Hut denkt über den Tellerrand hinaus, liefert Impulse und darf auch verrückt oder provokativ sein.
  • Blau – Der Strukturierte: Diese Person sieht das große Ganze, fasst Aussagen zusammen und trifft Entscheidungen, (beispielsweise, wann die Diskussion beendet wird, ob die Hüte getauscht werden etc.) und gibt am Ende einen Überblick über die Ergebnisse und Erkenntnisse und leitet die Gruppe bei der Erarbeitung der Lösungen an.

Diese Methode eignet sich sehr gut, um Teilnehmer zu motivieren sich eine Meinung zu bilden und diese mitzuteilen ohne dabei Hemmungen vor Kritik oder Abwertung zu haben, da alle Teilnehmer ja „nur“ eine Rolle spielen und nicht sich selbst darstellen.

2. Walt-Disney-Methode

Die Walt-Disney-Methode wurde von Walt Disney entwickelt. Ziel ist es, ähnlich wie bei der Six-Heads-Methode die Teilnehmer dazu zu bewegen, ihre üblichen Denkpfade zu verlassen und einen anderen Blickwinkel einzunehmen. Die Walt-Disney-Methode kann entweder als Gruppendiskussion geführt werden und ist dann der „Six-Heads-Methode“ sehr ähnlich oder man verbindet sie mit dem Mind-Mapping:

  • a) Im ersten Schritt nehmen die Teilnehmer die Rolle des „Visionärs“ ein. Mithilfe der Fragestellung „Was ist möglich, was kann man erreichen und realisieren?“ werden die Teilnehmer aufgefordert über den Tellerrand zu schauen und visionäre, kreative Ideen zu liefern. Diese werden in einer Mind-Map festgehalten.
  • b) Im nächsten Schritt nehmen die Teilnehmer eine rationale Betrachtungsweise ein und liefern Vorschläge zur Umsetzung der Ideen. Diese Vorschläge werden in einer anderen Farbe zu der jeweiligen Idee in der Mind-Map ergänzt.
  • c) Zuletzt wird die Mind-Map kritisch betrachtet. Alle Ideen werden unter den Fragestellungen „Warum könnte die Idee scheitern?“ und „Wie lässt sich das Risiko minimieren?“ betrachtet. Die jeweiligen Stichpunkte werden ebenfalls in der Mind-Map ergänzt.

Die Mind-Map wird am Ende bewertet und die Gruppe bestimmt, welche Ideen wann und wie umgesetzt werden sollen.

3. Collective-Notebook

Die Kreativtechnik Collective-Notebook eignet sich für eine längerfristige Auseinandersetzung mit einer Problemstellung und kann von den Teilnehmern eigenständig bearbeitet werden. Die Teilnehmer werden gebeten, zu einem konkret formulierten Problem innerhalb von zwei bis vier Wochen Ideen und Gedanken in einem Notizbuch festzuhalten. Dieses Notizbuch sollte optimalerweise immer mitgeführt werden, um auch spontane Ideen festzuhalten. Nach Ablauf des Zeitraumes fassen die Teilnehmer ihre Ideen zusammen und werten diese dann innerhalb eines Workshops gemeinsam mit den anderen Teilnehmern aus.

Die Collective-Notebook-Methode eignet sich beispielsweise auch für die Nachbereitung von bereits durchgeführten Workshops, da die Teilnehmer dann oftmals viele Einfälle und Geistesblitze haben, die so dokumentiert werden können. Ein weiterer Vorteil dieser Methode ist, dass sie bereits ab zwei Teilnehmern geeignet ist.

4. Kopfstand-Methode

Die Kopfstand-Methode wurde von Edward de Bono entwickelt und hat zum Ziel, durch die gezielte Umkehrung von Aufgabenstellungen neue Lösungen zu produzieren. So lautet anstatt der Fragestellung „Wie können wir mehr Kunden zufrieden stellen?“ die Fragestellung beispielsweise „Was können unsere Kunden für uns tun?“ Diese paradoxe Betrachtung eines Problems bringt die Teilnehmer dazu, ihre Sichtweise zu ändern und Probleme aus einer neuen Dimension zu betrachten. Die Beantwortung der Frage liefert oftmals spannende Impulse für neuartige Problemlösungen. Die Kopfstand-Methode eignet sich entweder für die Erarbeitung in Gruppen mit anschließender Präsentation oder als Brainstorming.

Fazit: Werden die Basics beachtet, ist Kreativität auch in kleinen Unternehmen kultivierbar

Alle vorgestellten Methoden eignen sich auch für weniger erfahrene Moderatoren und ermöglichen kleinen Unternehmen Ideenfindungsworkshops intern vorzubereiten und durchzuführen. Wichtig ist es, die Basics zu beachten, einige Zeit für die Vorbereitung einzuplanen und vor allen Dingen die Nachbereitung nicht aus den Augen zu verlieren. Der beste und kreativste Workshop ist sinnlos, wenn die Ergebnisse am Ende nicht ausgewertet wird und die Umsetzung nicht konsequent erfolgt. Mit welchen Methoden habt ihr gute Erfahrungen gemacht?

Buchempfehlungen zu Kreativitätstechniken:

Bildmaterial: ppdigital
GD Star Rating
loading...
4 Methoden für gezielte Kreativität, 4.0 out of 5 based on 1 rating
Alle Bilder in diesem Artikel unterliegen der Creative-Commons-Lizenz (Namensnennung-Keine Bearbeitung, CC BY-ND; Link zum rechtsverbindlichen Lizenzvertrag). Ausgenommen sind anders gekennzeichnete Bilder unter anderem von Panthermedia, Fotolia, Pixelio, Morguefile sowie Pressefotos oder verlagseigenes Bildmaterial.