Operations, Geld sparen, Unternehmensgründung, Finanzierung, Rentabilität, Konzeption, Umsetzung, Geschäftsausbau, Wachstum

Die eigene Idee – Herzbluten

Mit einem Online-Vorhaben das große Geld zu machen, ist mehr denn je das aktuelle Ziel vieler Unternehmensgründer. Dabei ist die Chance, mit dem Aufbau eines Online-Vorhabens zu scheitern, so hoch, dass große Investoren das statistisch bereits einkalkulieren. Da man unterm Strich beim Geld meistens sehr direkt merkt, ob man mit seinem Vorhaben erfolgreich ist, werden im Folgenden Möglichkeiten aufgezeigt, wie man bei der Umsetzung von Online-Vorhaben viel Geld sparen kann.

Der mögliche Gewinn bei nur einem erfolgreichen Online-Vorhaben kann so hoch sein, dass er die Kosten von vielen gescheiterten Vorhaben locker übersteigt. Das liegt vor allem auch daran, weil man bei Online-Vorhaben im Vergleich zu anderen Geschäften mit relativ wenig Geld herausfinden kann, ob eine Idee funktioniert. Für Investoren sind das also tolle Zeiten – schade nur, wenn man selbst der Gründer eines Online-Startups war, das gerade gescheitert ist…

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Die eigene Idee ist Fluch und Segen zugleich. Zum einen ist es für Gründer sehr motivierend, die eigene Idee Realität werden zu sehen. Zum anderen stellt aber die eigene Vorstellungskraft auch eine schwer zu überwindende Hürde dar. Wer bei dem Geschäftszweck flexibel bleibt, sich auch von ursprünglichen Vorstellungen trennen und durch neue Erkenntnisse leiten lassen kann, spart meist viel Zeit und Geld. Nur selten lohnt sich der erbitterte Kampf gegen alle Widerstände.

Fremdes Geld – Der Pakt mit dem Teufel

Für den Aufbau eines Geschäfts wird zu Beginn Geld benötigt. Online-Geschäfte haben den Vorteil, dass sie meist weniger Erstfinanzierung benötigen als zum Beispiel eine Schreinerei mit einem teuren Maschinenpark und großem Flächenbedarf. Man sollte daher gut überlegen, ob man statt “dem ganz großen Rad” mit fremdem Kapital nicht doch auch das mittlere Rad aus reinen Eigenmitteln drehen kann. Investoren bringen immer auch Zwänge und Erfolgsdruck mit sich. Außerdem geht man mit dem eigenen Geld viel bewusster um als mit fremdem.

Hohe laufende Kosten – Tractorpulling

Ein in Amerika beliebter Motorsport ist das sogenannte “Tractorpulling”. Bei diesem Zugkraftwettbewerb wird von einem Fahrer mit einem traktorartigen PS-Monster ein Bremswagen möglichst weit über eine erdige Piste gezogen. Das Gewicht auf dem Bremswagen wird dabei während des Ziehens immer weiter verlagert, sodass die nötige Zugkraft sich je zurückgelegter Wegstrecke immer weiter erhöht und die meisten Probanden irgendwann nicht mehr weiterkommen.

Zwischen dieser Sportart und der Finanzierung eines Unternehmens können viele Parallelen gezogen werden. Kurzum lautet daher der Rat, penibel darauf zu achten, keine hohen laufenden Kosten anzusammeln, welche die Finanzierung des Geschäftsbetriebs auf Dauer unmöglich machen.

Konzeption – Nicht lange überlegen, oder was?

Wer mit seiner Idee zwei Jahre schwanger geht und sie dann ausprobieren möchte, hat sich meist bereits sehr viele Gedanken gemacht und ein sehr ausführliches Konzept erstellt. Sich viele Gedanken zu machen, ist nichts Schlechtes – ein ausführliches Konzept zu haben schon.

Das große Konzept zeigt meist eine Ziel-Ausbaustufe des Online-Vorhabens in zwölf, 24 oder 36 Monaten. Bis dahin ist es aber ein weiter Weg, auf dem sich zudem viele Kurskorrekturen ergeben werden. Besser ist es also, nur die absolute Kernidee herauszuschälen und in einem schlanken Konzept nur das absolut Nötigste zur Überprüfung dieser Kernidee zu berücksichtigen – oft auch als “Minimum Viable Product” bezeichnet.

Wer aufwändige Funktionen für 10.000 und mehr Nutzer erst einbaut, wenn es auch 10.000 Nutzer gibt, spart nicht nur am Anfang viel Geld für Software-Entwicklung, sondern dimensioniert die Lösung auch passend zu den anfänglich niedrigen Nutzerzahlen.

Umsetzung – Früher ist günstiger

Wer schneller online ist, bekommt früher Feedback. Wer früher auf Feedback reagiert, kann früher teure Fehlentwicklungen vermeiden. Außerdem gehört zur Überprüfung der eigenen Idee meist, ob sich damit Geld verdienen lässt. Auch hier gilt, wer früher herausfindet, ob er Kunden findet, hat weniger Geld ausgegeben und nimmt früher Geld ein. Natürlich gehört auch eine gewisse Portion Überwindungskraft dazu, sich einer sogenannten “agilen Entwicklung” hinzugeben und immer nur gerade so viel umzusetzen, wie absolut benötigt. Gerade in Deutschland werden Dinge gern “richtig”, “ordentlich” und “perfekt” gemacht, was aber auch gleichzusetzen ist mit “langwierig”, “teuer” und “hoher Gefahr einer Themaverfehlung”.

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Dabei zeigt die Erfahrung doch, dass die allermeisten “ersten Ideen” nicht gleich ins Schwarze treffen und erst durch Nachbesserungen aus dem ersten Feedback aus der Praxis den Erfolg bringen. Investoren schalten teilweise nur noch einzelne Landing-Pages zu einer Idee, jagen für ein paar Tausende Euro Adwords Klicks darüber und überprüfen damit noch bevor die Umsetzung begonnen hat, ob eine Idee funktionieren kann. Früher ist eben günstiger – so einfach.

Wachstum vor Rentabilität – Wie im wilden Westen

Venture-Capital-finanzierte Startups haben oft nur ein Ziel: Wachstum. Denn Größe ist Macht und mit Macht lässt sich schon irgendwie Geld verdienen. Dabei geht es ein bisschen zu wie früher im Wilden Westen, als alle westwärts das neue Land eroberten und mit Pistolenduellen (heute “Patentklagen”) ausgemacht wurde, wer das Sagen hatte. Dieser Weg geht heute wie damals nur für den allerkleinsten Teil aller Teilnehmer erfolgreich aus.

Bei kommerziellen Vorhaben sollte das Geldverdienen von Anfang an im Vordergrund stehen. Wenn man nicht zufällig gerade Twitter oder Facebook erfunden hat (gibt es beides jetzt schon), klappt der “Wir-werden-später-schon-noch-Geld-verdienen-Ansatz meistens nicht. Sich von Anfang an mit der Rentabilität auseinanderzusetzen, heißt auch, ehrlich zu sich und seiner Idee zu sein. Was spricht denn dagegen, wenn man von Anfang an Geld verdient?

Geschäftsausbau – Normalität kehrt ein

Davon träumt jeder Unternehmensgründer: Der Erfolg hat sich eingestellt und man erntet die Früchte, die man gesät hat. In der Praxis sieht das meist so aus, dass nach der harten Arbeit des Anstartens einer Idee die harte Arbeit des dauerhaften Betriebs der Idee folgt. Da sich die Geschäftsgrundlagen online schnell ändern können und eine gute Idee sicher sofort von diverse Konkurrenten kopiert wird (sogenannten Copycats), gibt es beim Betrieb von Online-Vorhaben keine Zeit für Verschnaufpausen. Eine kontinuierliche Weiterentwicklung sollte von Anfang an beim Budget und bei der eigenen Motivation mit eingeplant werden.

Fazit

Der Vorteil bei einem Online-Vorhaben besteht darin, dass man nicht alles auf eine Karte setzen muss. Vielmehr kann man seine Idee mit sehr wenig Startkapital und anhand von echten Erfolgsmessungen überprüfen. Wer diesen Vorteil konsequent nutzt, kann – überspitzt gesagt – günstig scheitern. Was nicht schlecht sein muss, weil dann oft noch genügend Geld da ist, um seine Geschäftsidee anzupassen und es noch mal zu probieren. Hinterher ist man ja bekanntlich immer schlauer.

Linktipps

  • Launch Effect: Warum nicht erst mal mit minimalem Aufwand schauen, ob sich eine Nutzergruppe aufbauen lässt?
  • ReWork: So kann man also auch Firmen gründen
  • Startup lessons learned: Die gängige Praxis durchbrechen und “normale” Fehler vermeiden
Bild: M. Großmann / pixelio.de
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