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Stillstand ist der Tod. Startups leben von ihrer Dynamik. Kürzere Entscheidungswege. Größere  Risikobereitschaft. Radikale Innovationen. Dabei ist für den Erfolg eines Startups nicht allein die Gründungsidee entscheidend. Auch in Fragen der Vermarktung, der Produktentwicklung und des Serviceangebots sind junge Unternehmen auf außergewöhnliche Ideen angewiesen, um Aufmerksamkeit zu erlangen und sich gegenüber ihrer meist etablierten Konkurrenz abzuheben. Doch die kreativen Ideen kommen nicht von selbst. Deshalb: Heute vier Tipps für Kreativtechniken.

Zunächst muss das Problem verstanden werden

Unterstützung bei der Ideenfindung leisten eine ganze Reihe von Kreativitätstechniken. Sie bringen Struktur in das chaotische Denken und helfen dabei, Fragestellungen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Für jede Fragestellung eignen sich eine andere Technik. Kreativitätstechniken funktionieren auf unterschiedliche Art und Weise. Sie arbeiten mit Assoziationen, Analogien, Kombinationen oder Variationen und liefern je nach Ansatz völlig unterschiedliche Ergebnisse. Deshalb ist es zunächst wichtig, sich intensiv mit dem Problem auseinanderzusetzen, um die richtige Technik auszuwählen. Außerdem gilt, dass nur wenn alle Teilnehmer einer kreativen Sitzung die Fragestellung verstanden haben, sie auch kreative Lösungen entwickeln können.

Ist das Problem definiert und von allen verstanden, geht es an die Auswahl der geeigneten Technik. Im Folgenden werden vier für Gründer relevante Fragestellungen und jeweils eine dazu passende Methode vorgestellt:

Wie kann ich mein Startup vermarkten?

Eine solche Fragestellung stellt hohe Ansprüche an die anzuwendende Technik. Es soll eine Vielfalt von Ideen entstehen. Diese sollen aber nicht nur als Impulse generiert werden, sondern im besten Fall als möglichst weit ausgearbeitete Konzepte. Um dieser Herausforderung zu begegnen, hat sich eine Kombination von freien Assoziationstechniken bewährt. So lässt sich beispielsweise ein klassisches Mind-Mapping mit einer Brainwriting-Methode kombinieren.

In einem ersten Schritt wird dabei auf einer Metaplan-Wand eine Mindmap entwickelt, welche von der Fragestellung aus mögliche Marketingmaßnahmen darstellt. Diese werden in einem Brainstorming von den Teilnehmern zusammengetragen. Wurde die Mindmap mit möglichst unterschiedlichen und allgemein gehaltenen Vermarktungsimpulsen gefüllt, folgt im zweiten Schritt die Anwendung einer Brainwriting-Technik. Dazu bekommt jeder Teilnehmer die Möglichkeit, ausgehend von den erarbeiteten Impulsen an der Metaplan-Wand, Ideen für Vermarktungskonzepte zu entwickeln und auf Karteikarten zu notieren. Für jede Idee wird eine Karte geschrieben und anschließend in die Mitte des Tisches gelegt. Gehen einem Teilnehmer die Ideen aus, kann er sich eine Karte aus dem Stapel nehmen und auf dieser die Ideen der anderen Gruppenmitglieder weiterentwickeln. Schließlich werden die notierten Ideen einander vorgestellt und in einer letzten Phase in einem klassischen Brainstorming-Verfahren weiterentwickelt.

Wie kann ich mein Leistungsangebot erweitern oder variieren?

Besteht zu Beginn des kreativen Prozesses schon ein Produkt oder eine Dienstleistung, welche verändert oder ergänzt werden soll, bietet sich ein Verfahren der systematischen Variation an. Dabei werden einzelne Parameter eines bestehenden Lösungsansatzes verändert oder mit Parametern aus anderen Bereichen kombiniert, um so zu neuen Ideen zu führen. Außerdem sind diese Techniken sehr gut geeignet, um die Totalität möglicher Lösungen aufzuzeigen. Der bekannteste Vertreter dieser Methoden-Gattung ist der morphologische Kasten.

Die Teilnehmer stellen zunächst die Gestaltungselemente potentieller Lösungen auf und notieren diese in einer Spalte. Das Produkt oder die Dienstleistung wird also in alle möglichen Bestandteile zerlegt. Hinter jedem dieser Parameter werden nun alle konkreten Ausprägungen aufgelistet. Dies stellt bei dieser Technik die größte kreative Herausforderung dar, da es hier auch erwünscht ist, völlig neue Ausprägungen zu finden. Als Ergebnis entsteht eine Tabelle, die einen umfassenden Überblick darüber gibt, wie das Produkt oder die Dienstleistung im Detail beschaffen sein kann. Neue Lösungen entstehen nun durch die Kombination der verschiedenen Ausprägungen zu einem veränderten Gesamtprodukt.

Wie kann ich mein Arbeitsumfeld gestalten, damit es zu meinem Unternehmen passt und Innovation sowie Produktivität fördert?

Eine Fragestellung bei der eine größtmögliche Vielfalt an außergewöhnlichen Ideen gesucht wird, kann am besten über eine Reizwortmethode behandelt werden. Dabei dienen nach verschiedenen Verfahren Reizworte, die eine Entfernung vom Problem herstellen, als Impulsgeber für die Findung neuer Lösungen. Eine solche Methode ist beispielsweise die Versinnlichung.

Die Teilnehmer werden dabei darum gebeten sich in einen der fünf Sinne hinein zu versetzen. Sie sollen nun in kurzen Stichworten notieren, wie eine mögliche Lösung auf die Fragestellung sich mit dem jeweiligen Sinn beschreiben ließe. Sie antworten also je nachdem welchen Sinn sie gewählt haben auf die Frage: „Wie schmeckt, riecht, erfühl, /betrachtet, klingt die Lösung auf unsere Fragestellung?“. Die notierten Stichworte sind also Sinneseindrücke, die zu der Fragestellung passen. Diese dienen nun in der zweiten Phase als Ausgangspunkt für die Ideengewinnung. Losgelöst von den zugeteilten Sinnen generiert jeder Teilnehmer Ideen, die er mit diesen Begriffen assoziiert. Wurde also beispielsweise für die Frage, wie man den Arbeitsalltag kreativer gestalten kann, beim Sinn Geschmack das Stichwort „würzig“ notiert, könnte dies zu der Idee führen regelmäßig Netzwerk-Abende mit anderen Unternehmern durchzuführen, um eine neue Würze in den Unternehmensalltag einzubringen. Auf diese Weise finden sich viele verschiedene Ideen, die sich auf unterschiedliche Aspekte des Arbeitslebens beziehen. Nach der Gewinnung dieser Ideen geht es wie bei allen Techniken an die Auswahl und Umsetzung der geeigneten Lösungsvorschläge.

Wie entwickele ich meine Geschäftsidee weiter?

Bei Fragen wie dieser existiert die Grundidee in der Regel und es geht darum, diese Idee zu verfeinern und weiter auszuarbeiten. Hierfür eigenen sich vor allem Techniken, die sich des lateralen Denkens bedienen und die Teilnehmer in verschiedene Rollen schlüpfen lassen, um die vorhandene Idee aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Bekannte Techniken hier sind beispielsweise die Methode der sechs Farbhüte, oder die Walt Disney Methode. Eine weitere geeignete Technik ist „Blick zurück“.

Hierbei versetzen sich die Teilnehmer in ein Zukunftsszenario in drei bis fünf Jahren. Das Startup hat sich inzwischen im Markt etabliert und kann auf eine erfolgreiche Gründungphase zurückblicken. Im Raum sind drei bis vier Arbeitsecken vorbereitet. Jeder dieser Bereiche widmet sich einer unterschiedlichen Zielgruppe, beispielsweise Kunden, Mitarbeiter, Führungskräfte und weitere Stakeholder. Die Teilnehmer sollen nun in einzelnen Phasen von 15 bis 20 Minuten in jeder Ecke aus der jeweiligen Perspektive heraus notieren, wie sich das Unternehmen in der Vergangenheit entwickelt hat und welche Ereignisse und Maßnahmen hierbei besonders wegweisend waren. Nachdem für jede Zielgruppe die entsprechende Vision aus Zukunftssicht entwickelt wurde, versammelt sich die Gruppe im Plenum und plant gemeinsam, wie diese Schritte aus Sicht der Gegenwart erreicht werden können.

Kreatives Denken braucht Struktur

All diese Techniken haben das Potential, entscheidende Stützen in der Generierung von erfolgskritischen Ideen für Startups zu sein. Grundvoraussetzung ist aber immer, dass sich das Team zunächst mit der Fragestellung auseinandersetzt und den kreativen Prozess bewusst in Gang setzt. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass Ideen einem regelrecht zugeflogen kommen. Denn selbst Geistesblitze setzen voraus, dass sich zunächst intensiv mit dem Problem und der Lösungsfindung auseinandergesetzt wird. Kreatives Denken ist also ein Prozess, der mit einer geeigneten Struktur sehr viel zielgerichteter und erfolgreicher ablaufen kann. Deshalb ist oft der Einsatz der richtigen Technik der erste Schritt, um seiner Konkurrenz eine Idee voraus zu sein.

Bild: mourgue file / jdurham