Eingefahrene Prozesse und Abläufe führen zu Arbeitsplatzblindheit und können schnell in Chaos ausarten. Haben Sie sich schonmal auf Ihrem Arbeitsplatz umgesehen? Oder auf dem Ihrer Kollegen? In Ihrem Lager, am Empfang, an der Packstation oder im Servicebüro? Wenn Sie mit offenen Augen durch Ihr Unternehmen laufen, werden Sie (vermutlich) schnell eine Vielzahl von eigenwillig (chaotisch) angeordneten Papierstapeln, Arbeitsutensilien und Material finden. Unordnung und Chaos führen jedoch zu Suchzeiten, Wegezeiten und somit zu Wartezeiten und höheren Kosten und beeinflussen am Ende auch die Motivation der Mitarbeiter und die Zufriedenheit der Kunden. Können Ihre Mitarbeiter und Kollegen in der aktuellen Situation wirklich effektiv arbeiten oder gibt es Verbesserungspotential?

Bei Ihnen ist alles organisiert und ordentlich? Dann sind Sie entweder natürlich begabt oder haben bereits eine herausragende Organisation und brauchen an dieser Stelle nicht weiter zu lesen. Wenn Sie allerdings den Großteil der nachfolgenden Fragen mit „ja“ beantworten, könnte der in diesem Artikel vorgestellte 5S-Ansatz ein erster Schritt zu mehr Effizienz sein.
- Stehen Tassen, Flaschen und Teller seit einer nicht mehr zu definierenden Zeit auf Ihrem Tisch?
- Haben Sie schon mal Unterlagen, Rechnungen oder andere Gegenstände auf Ihrem Schreibtisch gefunden, von denen Sie nicht wissen, wem sie gehören?
- Stehen in Ihrem Büro Umzugskartons mit undefiniertem Inhalt für die sich keiner verantwortlich fühlt?
- Haben Sie Mitarbeiter in Ihrer Produktion oder ihrem Lager schon mal durch die Hallen flitzen sehen, auf der Suche nach Verpackungsmaterial, Werkzeug, Unterlagen oder anderen Dingen?
- Sind Sie in Ihrem Unternehmen schon über Kartons oder Kabel oder andere herumliegende Gegenstände gestolpert?
- Stehen in Ihrer näheren Umgebung unbeschriftete, gefüllte Aktenordner, deren Inhalt keiner mehr kennt?
- Horten Sie manchmal Stifte, Tacker und alte Zeitungen, Bücher oder Telefonlisten auf dem Schreibtisch, die eigentlich nicht benutzt werden?
- Haben Sie schon mal vergeblich den Verbandskasten gesucht und als Sie ihn gefunden haben, war der Inhalt schon lange über das Verfallsdatum hinaus?
- Sind einige der Gegenstände im Bürokühlschrank kurz davor zum Leben zu erwachen?
Was ist 5S und wie kann ich es anwenden?
5S wurde von dem Japaner Taiichi Ono im Zuge des Entwurfs des Produktionssystems für Toyota geprägt. 5S wurde anfänglich in Produktionsstätten angewandt, hat jedoch in den letzten Jahren zunehmend auch Einzug in Dienstleistungs- und Softwareunternehmen gehalten. Die Abkürzung steht für die japanischen Begriffe
Seirii – Seiton – Seiso – Seiketsu – Shitsuke
Diese werden im Deutschen etwas seltsam übersetzt (was der Tatsache geschuldet ist, dass Wörter gesucht wurden, die eine vergleichbare Bedeutung haben und ebenfalls mit „s“ beginnen):
1. Seiri = Sortieren
Schauen Sie sich in Ihrer Arbeitsumgebung um und betrachten Sie Anzahl, Art, Umfang und Anordnung der Gegenstände. Haben Sie alles in greifbarer Nähe, was Sie für die tägliche Arbeit benötigen? Finden Sie alles auf Anhieb oder müssen Sie Papierstapel wegschieben und durchwühlen?
2. Seiton = Setzen (Anordnen)
Machen Sie sich Gedanken, über eine sinnvolle und optimale Anordnung der am Arbeitsplatz und in der Arbeitsumgebung benutzten Gegenstände. Im Lager, im Büromateriallager oder der Produktion sind entsprechende Markierungen und Beschriftungen sinnvoll, um Dinge auch langfristig an den gleichen Orten wiederzufinden.
3. Seiso = Sauberkeit
Jetzt geht´s an den Frühjahrsputz. Räumen Sie Ihren Arbeitsplatz grundlegend auf, befreien Sie ihn von überflüssigem Zeug und schwingen sie vielleicht auch mal den Staublappen. Wenn es sich um einen Arbeitsplatz in der Produktion oder dem Lager handelt, bietet sich eine kurze Dokumentation oder Beschreibung der Tätigkeiten an, die an diesem Platz ausgeführt werden. Das macht einen guten Eindruck auf Besucher, hilft aber auch neuen Mitarbeitern, sich zu orientieren.
4. Seiketsu = Standardisierung
Die erarbeiteten Grundlagen werden in diesem Schritt standardisiert und auf andere Arbeitsplätze, an denen gleiche Tätigkeiten ausgeführt werden, übertragen. Um auch langfristig erfolgreich zu sein, lohnt es sich die „Fünf-Minuten-Regel“ einzuführen. Das bedeutet, dass jeder Mitarbeiter sich einmal täglich fünf Minuten Zeit nimmt, um auf seinem Arbeitsplatz wieder die herkömmliche Ordnung herzustellen.
5. Shitsuke = Selbstdisziplin
Ohne Selbstdisziplin wird schnell wieder das altbekannte und vertraute Chaos in der Arbeitsumgebung herrschen. Für dauerhafte Erfolge ist daher Selbstdisziplin unabdingbar. Präsentieren Sie Ihre Ergebnisse und Fortschritte vielleicht in einer Fotodokumentation für alle Mitarbeiter. Oder rufen sie einen kleinen Wettbewerb um den am effektivsten organisierten Arbeitsplatz aus. Vielleicht hilft auch ab und zu eine kleine Belohnung in Form von Schokolade oder persönlichen Botschaften auf dem Schreibtisch der Mitarbeiter, die wirklich kontinuierlich am Ball bleiben.
Was bringt die 5S-Methode?
Eine unternehmensweite Umsetzung der Methodik führt dazu, dass sich das Mindset Ihrer Mitarbeiter positiv verändert. Unordnung und Chaos sowie Ineffizienz werden schneller entdeckt und beseitigt und Ihre Mitarbeiter werden weniger Zeit mit Tätigkeiten verbringen, die keinen Mehrwert schaffen.
Nutzens Sie 5S als Einstieg in die Prozessoptimierung. Durch schnelle Erfolge und geringe bis keine Kosten lassen sich Mitarbeiter schnell motivieren und Denkanstöße vermitteln, die mittelfristig zu einer Veränderung des Mindsets des Unternehmens führen.
Was sind die Schlüsselfaktoren für eine erfolgreiche Prozessoptimierung mit 5S?
Wie auch bereits im letzten Artikel zur Prozessoptimierung gelten auch in diesem Fall wieder vergleichbare Grundsätze:
- Etablieren Sie 5S als Teil der Unternehmenskultur! Denn was bereits vom Management gelebt und eingesetzt wird, färbt über kurz oder lang auch auf die Mitarbeiter ab.
- Involvieren Sie Ihre Manager und Ihr gesamtes Personal, denn 5S sollte auf eine möglichst breite Akzeptanz stoßen.
- Integrieren Sie 5S in den Arbeitsalltag, denn 5S ist kein einmaliges Projekt sondern Teil der japanischen KAIZEN-Philosophie. Kaizen bedeutet ständige Verbesserung und ist somit eine dauerhafte Aufgabe, die wenig Zeit kostet, aber viel Wirkung zeigen kann.
- Lassen Sie sich nicht von negativem Feedback oder Ablehnung abschrecken. Vielleicht werden auch Ihre Mitarbeiter im ersten Moment mit den Augen rollen und kein Verständnis für die Notwendigkeit von 5S haben. Hier hilft es dran zu bleiben und positive Beispiele sichtbar für alle zu etablieren.
- Beenden Sie ihr Vorhaben nicht auf halber Strecke, denn dann hätten Sie umsonst Kraft und Energie in die Einführung der Methode und die Motivation der Mitarbeiter gesteckt. Zum anderen stellen sich viele der Erfolge nicht in den ersten drei bis vier Wochen, sondern erst mittelfristig ein, wenn KAIZEN/5S wirklich Teil der Unternehmenskultur geworden ist.
- Beginnen Sie mit 5S, um zu kontinuierlicher Verbesserung zu kommen. Denn wie oben bereits erwähnt, ist 5S Teil der japanischen KAIZEN-Philosophie und somit nur ein Tool auf dem Weg zu optimal gestalteten Prozessen und effizienten Arbeitsabläufen.
Fazit: 5S als leichter Einstieg in die Prozessoptimierung
Die 5S-Methode ermöglicht kleinen Unternehmen und StartUps einen leichten Einstieg in die Welt der Prozessoptimierung und hilft dabei auch ohne tiefes Grundlagenwissen kleine Erfolge schnell zu erzielen. Wird die Anwendung schrittweise und unter Berücksichtigung aller Mitarbeiter eingeführt, so ist ein erster Schritt zu mehr Effizienz schnell getan, ohne große Summen investieren zu müssen.
Artikel zum Thema Prozessoptimierung:
- Die Balanced-Scorecard zur Strategieentwicklung für StartUps
- Zeitmanagement – kompaktes Arbeiten durch Outsourcing
- Wie man in 10 Schritten seine Prozesse optimiert
- Die Top-5 Methoden der Prozessoptimierung
- Wie man seine Prozesse besser beherrschen kann

So ein Bullshit, dass man damit effektiver arbeiten kann und schneller ist.
Man muss natuerlich die Kosten gegen rechnen, die anfallen um diese Ordnung bei zu behalten. Und damit egalisiert sich vermeintlich Effizienz-Gewinn.
Und wieder mal typisch BWLer, wird in diesem Artikel kein einziges mal ueber “Kreativitaet” gesprochen. Und diese nimmt naehmlich rapide ab mit steigender Ordnung. Mag vllt bei Banken, Versichung und Wirstschaftspruefung kein Problem darstellen. Aber bei Startups, wie sie hier thematisiert werden, ist ein kreative Umfeld Voraussetzung fuer Innovation und Wachstum.
@matt,
ich kann Deine Meinung durchaus nachvollziehen. Sicherlich ist es für ein kleines Start-Up, das sich beispielsweise ausschließlich auf kreative Tätigkeiten fokussiert nicht zwingend effizienzsteigernd, sich mit der Optimierung von Prozessen oder dem organisierten Aufräumen zu beschäftigen. (Auch wenn ich mir vorstellen kann, dass es dort schon mal nervt, wenn die Copic Marker auf dem Tisch des Nachbarn verschwinden und man kurz vor der Kundenpräsentation mehrere Minuten mit der Suche danach verplempert.)
Anders aber ist es mit größeren Firmen die beispielsweise eine Produktion, ein Warenlager, ein Kundenservicecenter oder einen Versandbereich haben, in dem mehrere Mitarbeiter gemeinsam arbeiten. Dort hat Kreativität nur bedingt Spielraum und kann im schlimmsten Fall schon mal zu Konflikten führen. Bezeichnet im Versand ein Mitarbeiter sein Ablagesystem für Verpackungsmaterial als kreatives Chaos und seine Kollegen sind mit der permanenten Suche beschäftigt, so kostet das Zeit und Nerven.
Der Artikel zeigt einen Weg auf, den man gehen kann, komplett, oder auch abgewandelt – oder wie in Deinem Fall gar nicht und ich kann verstehen, dass Du lieber Deine kreative Art zu schreiben und zu arbeiten auslebst als zum Ordnungshüter zu werden.
Auch bei mir ist keine Büroklammer und kein Stift beschriftet, aber einige Dinge haben einen festen Platz – und das hat mir schon viel Suchaufwand gespart.
Hat leichte Züge von “Brasil”… für gewisse Arten von Büroarbeit ist diese Auflistung sicherlich mit gesundem Menschenverstand nachvollziehbar. Das ist doch etwas, was jedes Kind von seinen Eltern eingetrichtert bekommt. Was wohl bei Individuen nicht ganz angekommen ist, muss nun von Unternehmen mit einer solchen Methodik forciert werden.
Die wenigsten Firmen haben aber reine Routinearbeit oder rein kreative Tätigkeiten. Wichtiger als die hier beschriebene Arbeitsweise finde ich es, zwischen Ordnung und Chaos hin und herwechseln zu können.
@matt
Als Künstler widerspreche ich Dir. Kreativität ist nicht von Unordnung abhängig – dazu kenne ich keine einzige Studie, und es ist auch nicht meine Erfahrung.
Es lohnt sich auch bei Startups kurz innezuhalten und ggf. aufzuräumen. Kreativität kann auch eine Entschuldigung dafür sein, dass man mal lieber nicht nachdenkt. Eine aktuelle Diskussion zum Thema IT-Automatisierung siehe:
http://www.cridon.de/verliert-it-die-kontrolle-uber-geschaftsprozesse/
[...] 5-S-Methode ist ein Teil der japanischen Lebens- und Arbeitsphilosophie KAIZEN (KAI = Veränderung, ZEN = zum [...]