Startup Operations

Erste Regel: Ruhe Bewahren

Hundert Millionen Euro Finanzierung für die anderen, nichts für uns. Ihr Team: 350 Leute, unseres: 30. Sie zahlen bis zu drei Euro Cost-per-Click (CPC), wir können uns gerade einmal einen Euro pro Klick leisten. Unsere Gutscheine betragen 30 Euro pro Neukunden. Sie geben jedem 100 Euro. Apple hatte sein Microsoft und deutsche Startups haben oft ihr Rocket Internet.

So gut die Nachrichten von der Konkurrenz auch sein mögen, so schlecht auch die eigenen sind, es hilft einem nicht, wenn man sich einschüchtern lässt. Das Leben des Startups geht schließlich noch weiter. Doch man sollte auch nicht den Kopf in den Sand stecken und die Gefahr ignorieren. Es gilt Daten zu analysieren und schlaue Entscheidungen zu treffen. Ruhe bewahren – nachdenken – entscheiden. Wer sich verunsichern lässt, der hat schon verloren.

Nur die Smarten kommen in den Garten

Es geht nicht darum, wem momentan in der Zeitung ein Artikel gewidmet wird. Es geht auch nicht darum, wer die meisten User oder den größten Umsatz hat. Eine hohe Mitarbeiterzahl kann im Einzelfall sogar ein Indikator für Ineffizienz und ein unsicheres HR-Department sein.

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Letztlich muss jedes Geschäft zwei Dinge tun. Erstens die Kunden an sich binden, das heißt, sie glücklich machen. Und zweitens, Gewinn erzielen. Schwach finanziert zu sein ist manchmal auch ein Vorteil: Es gibt wenig Mittel zur Verschwendung, man muss sich nur auf die zwei wichtigsten Punkte konzentrieren. Ein junges Unternehmen kann es sich nicht leisten, Werbung en masse zu schalten. Das Produkt muss aber einen langfristigen Nutzen für den Kunden haben. Nicht jeder dahergelaufene BWLer kann eingestellt werden. Das Geld reicht nur für die Besten und das sind bekanntlich nicht sehr viele.

Der Vorteil an solchen kleinen Teams ist auch, dass man wendig ist. Großgewachsene Startups haben die Gefahr in sich, entweder zur unproduktiven Geldvernichtungsmaschine oder zu bürokratisch zu werden. Die Kleinen haben hingegen einigen Freiraum, um zu experimentieren. Auch fällt die Kommunikation leichter. Mit fünf Leuten ist ein Projekt schließlich leichter organisiert als mit 30. Es gilt ebenfalls: Wer wenig Kunden hat, der kann sein Produkt umstrukturieren wie er will. Viel zu verlieren gibt es nicht, viel zu gewinnen schon.

Gleichzeitig ist Innovation nicht an Größe gebunden, im Gegenteil. Oft kommt diese eben von kleineren Unternehmen, weil diese tun können, was sie wollen. Sie müssen keine Rücksicht nehmen, sondern nur auf das Budget aufpassen. Bei großen Unternehmen verhält es sich oft umgekehrt. Eine gefährliche Schwäche!

Schneller sein als die Konkurrenz: Ohne großartig viele Investoren, die sich Sorgen um ihren hohen Kapitalbeitrag machen, kann man Entscheidungen treffen und muss einzig dafür Sorge tragen, dass es die richtigen Entscheidungen sind und nicht, wie man andere davon überzeugt.

Einfach der Erste sein, der eine Fernsehwerbung macht. Beispiel 9flats (www.9flats.com): Während Wimdu (www.wimdu.com) und Airbnb (www.airbnb.de) mit reichlich Kapital ausgestattet waren, war 9flats einfach smart. Sie engagierten ein großartiges Produktionsteam und die deutsche Synchronsprecherin von Angelina Jolie, Claudia Urbschat-Mingues. Media-for-Equity-Deals bieten für viele Startups liquiditätsfreundliche Möglichkeiten, teure Werbung zu finanzieren.

Nicht die eigenen Stärken, sondern die Schwächen der anderen entdecken

Größe macht oft blind für das Wesentliche. Manchmal ist es schlechter Customer-Support, der die Konkurrenz ausmacht. Gerade in der Anfangsphase kann es für Kunden eine positive Erfahrung sein, wenn der Gründer und nicht ein gelangweilter Praktikant an der Frontlinie steht.

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Was viele Unternehmen oft falsch machen, ist die Frage nach den eigenen Stärken. Verfügen sie über großartige Mathematiker, können sie eine großartige Versicherung sein. Ein Problem entsteht, wenn die Konkurrenz ähnlich ausgestattet ist. Anstatt zu fragen, welche von den eigenen Fähigkeiten die am besten ausgeprägte ist, sollte die Frage sein, welchen Aspekt die Konkurrenz nicht beachtet. Die Schwächen der Konkurrenz sind schließlich Chancen, um etwas zu verbessern.

Bedeutet das nun, dass man nicht abkupfern sollte? Nein. Sam Walton, der Gründer von Wal-Mart verbrachte Tausende Stunden in Supermärkten. Doch nicht immer waren es die seinen. Als er mit den ersten eigenen Supermärkten anfing, schaute er sich überall im Land um, wie man den Menschen etwas am besten verkauft, wie man es am besten im Regal positioniert und was gutes Merchandising ausmacht Er hat nicht alles übernommen, was er gesehen hat. Er übernahm nur die schlausten Ideen. Die Schwächen ließ er bei den anderen.

Genau dasselbe sollte jedes smarte Unternehmen tun. Alles Richtige von der Konkurrenz übernehmen und die Dummheiten weglassen. Wird das eigene Produkt dadurch kleiner, so ist zumindest sicher, dass man dem Kunden etwas Einfaches, aber dennoch Nützliches anbietet. Nicht immer ist das Produkt mit den meisten Funktionen oder die Internetseite mit den meisten Informationen auch die beste. Qualität ist wichtiger als Quantität.

Wenn das Arsenal der Großen unbegrenzt ist…

Was machen, wenn die anderen eine große Finanzierung haben und nicht allzu dumm damit umgehen? Hier hilft eigentlich nur eins: in einer Nische ein Marktführer werden, einen hohen Goodwill aufbauen und sich kaufen lassen. Manchmal ist dies die beste Alternative… aber eben nur manchmal.

Bild: familymwr
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