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Nun das Bildung und Wissen im täglichen Kampf um Marktanteile und Arbeitsplätze große Bedeutung besitzen ist bekannt. Nur eine strukturierte Erzeugung und Förderung von Wissen innerhalb eines Unternehmens wird häufig vernachlässigt. Woran liegt es also, dass wir alle wissen, dass Wissen und Bildung wichtig ist, aber keine Instrumente finden, die diese nachhaltig fördern? Nicht zuletzt lebt eine ganze Seminar-Industrie von der Einfallslosigkeit und dem unstrukturierten Bildungsaktionismus deutscher Führungskräfte und Unternehmer. Aber es fehlt auch gleichzeitig an praxisorientierten Modellalternativen an denen man sich orientieren kann. In diesen Beitrag soll anhand eines der wenigen praxisorientierten Wissensmanagement-Modellen ein erster Leitfaden in ein strukturiertes, praxisnahes Wissensmanagement gegeben werden. In drei Teilen werden alle Schritte beschrieben, die von der ersten Analyse bis zu einem funktionieren Wissensmanagementsystem benötigt werden.

Praxis schlägt Theorie – Wo ist das Modell zum Nachmachen?

Schaut man sich in der Welt des Wissensmanagements um, dann findet man viele Modelle. Theorien, die einen begeistern, aber eben nur theoretisch. Soll der Absprung zur Praxis geschafft werden, dann sind die Gräben oft unüberwindbar. Das Modell von Probst (Bausteine des Wissensmanagements) ist jedoch durch seinen ganzheitlichen Ansatz und prozessorientierten Struktur eines dieser wenigen praxisorientierten Modellen. Probst unterteilt dabei das Wissensmanagement in acht Bausteine, die einander bedingen und einen Rahmen von der Analyse, über die Umsetzung bis hin zur Auswertung bilden.

Welches Wissen will ich haben – Wissensziele

Zu Beginn einer jeden wissensorientierten Analyse sind die Wissensziele zu bestimmen. Oft bereits eine große Herausforderung, da die Ziele abhängig sind von der Vision und Zielsetzung des gesamten Unternehmens. Wissensziele sollten immer in Einklang mit den Unternehmenszielen gebracht werden, um den Wissensbestand der Mitarbeiter und des gesamten Teams auf die strategischen Gesamtziele auszurichten.

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Dabei empfiehlt sich in normative, strategische und operative Wissensziele zu unterscheiden. Nach dem Top-Down-Prinzip sind nun die normativen Wissensziele von der Unternehmensvision und dem Leitbild des Unternehmens abzuleiten. Ein spezielles Wissensleitbild hilft dabei normative Wissensziele zu strukturieren und zu kommunizieren. Auf Basis dieser Ziele und im Einklang mit den Gesamtstrategien des Unternehmens sind strategische Wissensziele festzulegen, welche die Grundlage für die operativen Wissensziele bilden. Der operative Zielbereich ist besonders wichtig, da aus diesem in den Folgebausteinen die konkreten Handlungen abgeleitet werden.

Werde Wissenskommissar! – Wissen identifizieren

Sind die Ziele nun definiert ist der erste Schritt das bereits vorhandene Wissen zu identifizieren. Zum Einen die Ebene des Individualwissens im Unternehmen. Hier kann sich ganz pragmatisch der Mitarbeiterdatenbank bedient werden. An dieser Stelle sei zu erwähnen, dass Datenschutz von Mitarbeiterdaten immer eine wichtige Rolle spielen muss, aber auch eine offene Kommunikation mit dem Mitarbeiter geführt werden sollte, welche Vorteile es für die individuelle Förderung haben kann. Besonders hilfreich sind auch Wissenskarten, eine Art Landkarte über die Wissensbereiche im Unternehmen. So können schnell und übersichtlich Wissens stärken und Wissenslücken identifiziert werden.

In der zweiten Ebene der kollektiven Wissensidentifikation stehen vor allem informelle Netze und „geheime“ Spielregeln des Unternehmens im Fokus. Durch die tägliche Übung im Arbeiten miteinander haben sich vor allem bei langjährigen Kollegen ungeschriebene Gesetze entwickelt, welche als kollektives Wissen definiert werden. Oft ist auch die Kombination von zwei einzelnen Wissenden genau die Kompetenz die ein Unternehmen vorweisen kann. Vergleicht man es mit dem Fußball würde der Experte sagen: „Es stand eine Mannschaft auf dem Platz und nicht nur eine Menge von Einzelakteuren.“ Dieses kollektive Wissen ist vor allem durch die Schaffung von transparenten Strukturen, wie zum Beispiel einen internen Blog, zu ermöglichen.

Wissen im Sonderangebot?! – Wissen erwerben

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Durch die Identifikation des vorhandenen Wissens werden automatisch Wissenslücken aufgedeckt. Um die Wissensziele zu erfüllen, ist zu bestimmen, welche Wissenslücken zu schließen sind. Eine Methode Lücken zu schließen ist der Erwerb von Wissen. Dies kann ganz klassisch durch strukturiertes Recruiting von neuen Mitarbeitern realisiert werden. Die vorherige Definition des Profils des potentiellen Mitarbeiters ist dabei unabdingbar. Dieses Profil muss eng an die zu schließenden Wissenslücken angelehnt sein.

Ein weiterer Erwerb kann durch Kooperationen mit anderen Unternehmen erlangt werden. Auch hier ist am besten durch eine feste Kooperationsvereinbarung festzulegen, in welcher Form Wissen ausgetauscht wird. Nicht selten sind Kooperationen für Unternehmen rein repräsentativ und es kommt zu Mangelerscheinungen im realen Wissensaustausch. Ausbaustufen von Kooperationen sind strategische Allianzen oder ganze Unternehmenszukäufe, um Wissen schnell zu gewinnen.

Wissen von Kunden oder Lieferanten „einzukaufen“ ist oft eine beliebte Methode, um schnell kurzfristige Problemstellungen zu lösen. Vor allem auf Kundenseite kann Verbesserungswissen für die eigenen Prozesse generiert werden. Dies wird dem Kunden selten monetär gedankt und ist daher ein echtes „Sonderangebot“, welches man durch regelmäßige Kundenfeedbacks nutzen sollte.

Teil zwei und drei dieser dreiteiligen Serie zum Thema Wissensmanagement mit den Schwerpunkten:

Sei ein „Entwicklungsland“ – Wissen richtig entwickeln
Wer es verteilt, der verdoppelt – Wissen effizient ver(teilen)

Bild: www.Blickreflex.de  / pixelio.de