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Ein Gastbeitrag von Dr. Andreas Göhring. Der Dozent an der WAfM Wirtschaftsakademie ist Speaker auf der Startupnight am 8. September 2017 in Berlin.

Für den Unternehmenserfolg eines Startup sind sechs Faktoren ausschlaggebend: das Produkt, der Markt, der Zeitraum, die Macher, die Mitarbeiter und Glück. Zugegeben, der Faktor Glück lässt sich nur bedingt beeinflussen. Wahrscheinlich am ehesten durch positives Denken. Das ist bei den ersten drei Punkten anders: Produkt, Markt und Zeitraum werden sowohl von Gründern als auch Investoren viel und aufwändig analysiert, damit aus einer Idee ein Unternehmen wird. Aber was ist mit den Personen, von deren Geschick und Können so viel abhängt? Wer sich nicht nur auf sein Bauchgefühl und Sympathie verlassen möchte, tut gut daran, sich auch hier mit Fakten zu versorgen.

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Nur wenn die Teammitglieder in der Summe über bestimmte Eigenschaften verfügen, erreichen Sie die gestellten Ziele. Es ist leicht nachzuvollziehen, dass ein kreativ arbeitendes Team über eine andere Kombination an Eigenschaften verfügen sollte als ein Team, das ausschließlich im Vertrieb tätig ist oder das unter hohem Zeitdruck Ergebnisse für diffizile Kostenanalysen abliefern muss. Soll ein Team ein Unternehmen leiten, benötigt es andere Eigenschaften als Teammitglieder ohne Führungsaufgaben. Personalverantwortliche benötigen fundierte Aussagen über die einzelnen Teammitglieder, um effiziente Teams zusammenstellen zu können. Falsche Entscheidungen können weitreichende negative Folgen haben wie korrosive Energie innerhalb des Teams, „Group-Think“-Phänomene und andere.

Viele Fähigkeiten und Eigenschaften, die über fachliches Können hinausgehen, müssen mit speziellen Diagnosetools gemessen werden. Dazu gehören gerade auch die Eigenschaften, die ein erfolgreicher Unternehmer mitbringen muss: strategisches Denken, Mut, ökonomisches Verständnis, Kommunikationsfähigkeit, unternehmerisches Denken, Analysefähigkeit, Belastbarkeit, soziale Kompetenz, verkäuferisches Geschick – um nur einige zu nennen.

Zum Glück braucht niemand über alle diese Eigenschaften alleine zu verfügen. Die geschickte Zusammenstellung einer Führungscrew gleicht mögliche Defizite aus. Wenn die beteiligten Personen sich darüber im Klaren sind, können sie sich auf ihre jeweiligen Stärken besinnen. Gerade junge Gründer rekrutieren jedoch oft aus ihrer Peergroup und vergrößern dadurch eher die Defizite, anstatt sie zu verringern. Ein Team hat nur dann eine Chance, in den Flow zu kommen und leistungsstarke Arbeit zu leisten, wenn ihre Persönlichkeitsmerkmale sowie ihre bewussten und unbewussten Motive sich ergänzen.

Eine rechtzeitige Analyse hilft dabei, die passenden Personen zu matchen, Meetings besser zu organisieren, Entscheidungswege festzulegen, einen Strategen einzustellen oder das noch nicht vorhandene Verkaufstalent zu rekrutieren. Rechtzeitig, bevor das Kapital des Unternehmens verbrannt ist.

10 Tipps für den Teamerfolg

  1. Für den unternehmerischen Erfolg benötigen Entscheider eine Reihe unterschiedlicher persönlicher Eigenschaften. Fehlen einige, oder sind sie nicht ausreichend ausgeprägt, fehlt auch der Erfolg. Es ist wichtig sicherzustellen, dass die notwendigen Eigenschaften im Team zur Verfügung stehen.
  2. Gründerteams haben oft ähnliche Eigenschaften, weil sie der gleichen Peergroup entstammen. Sie brauchen auch Andersdenkende im Team.
  3. Wichtig für Investoren: Man sollte sich einen Überblick über die Potenziale der Gründer verschaffen und fehlende Eigenschaften durch geeignete Maßnahmen oder Personen ergänzen. Ein ungeeignetes Team vergeigt auch gute Chancen.
  4. Wichtig für Gründer: Auch hier hilft erst einmal, sich einen Überblick über die notwendigen und die vorhandenen Eigenschaften im Team zu verschaffen. Fehlende Skills müssen dann durch Maßnahmen oder Personen ergänzt werden.
  5. Gründer stellen Mitarbeiter ein, die ihnen sympathisch sind. Das bedeutet aber auch, dass die ihnen ähnlich sind. Bei neuen Mitarbeitern muss sichergestellt sein, dass sie mit ihren Eigenschaften und Motiven die Teamstruktur bereichern.
  6. Es ist nicht ratsam, Eigenschaften, die im Team zu Beginn fehlen, anzutrainieren. Es gibt genug zu tun. Stattdessen sollten die fehlenden Eigenschaften und Motive durch interne oder externe Mitarbeiter ins Team gebracht werden.
  7. Für die Potenzialanalyse der neuen Kollegen sollten geeignete Werkzeuge genutzt werden, Bauchgefühl alleine reicht nicht. Menschen fehlt das Know-how, die notwendigen Eigenschaften zu erkennen oder überhaupt zu kennen.
  8. Wenn es nicht klappt im Team, liegt das selten am bösen Willen einzelner, sondern an fehlenden Teamkompetenzen. Unangepasste Mitarbeiter sollten akzeptiert werden. Diese aktivieren den Denk- und Entscheidungsprozess.
  9. Niemand kann alles können. Daher ist es wichtig, sich auf das Notwendige zu konzentrieren. Wenn man seine Zeit damit verschwendet, alles zu machen – wer macht dann das Wichtige?

Die Analyse der persönlichen Erfolgsfaktoren sollte man nicht dem Zufall überlassen. Das Team mit seinen Eigenschaften entscheidet mehr über den unternehmerischen Erfolg als die anderen Faktoren. Dafür sollten Sie Diagnoseinstrumente einsetzen, die den wissenschaftlichen Gütekriterien standhalten. Persönlichkeitstests á la Facebook genügen nicht.

Bild: Willie B. Thomas / Gettyimages