2. Anlauf: Das neue „Anti-Angel-Gesetz“ | KPMG

In der Startup-Branche werden die Beteiligungen an den Startup-Unternehmen regelmäßig nicht direkt von dem Gesellschafter, sondern zumeist nur mittelbar über eine Kapitalgesellschaft gehalten. Über diese Beteiligungsstruktur kann ein Liquiditätsvorteil erzielt werden, da Gewinne aus der Veräußerung von Unternehmensbeteiligungen durch eine Kapitalgesellschaft grds. effektiv zu 95% steuerbefreit sind. Nach den Plänen des Gesetzgebers (Diskussionsentwurf vom 22.07.2015) soll diese Steuerbefreiung ab dem 01.01.2018 nicht mehr gewährt werden, wenn die betreffende Beteiligung zu Beginn des Kalenderjahres weniger als 10% beträgt (sog. Streubesitzbeteiligung). Für den Bereich des Wagniskapitals (Business Angels und Startups) ist zwar unter bestimmen Voraussetzungen eine Steuerermäßigung vorgesehen. Diese dürfte sich allerdings wohl nur in den wenigsten Fällen spürbar auswirken.

Nachfolgend soll zunächst (I) die Besteuerung anhand der aktuellen Rechtslage und anschließend (II) die Besteuerung auf Grundlage der im Diskussionsentwurf enthaltenen Neuregelung (nebst erläuternden Beispielen) dargestellt werden.

I. Aktuelle Rechtslage

Nach aktueller Rechtslage werden Gewinne, die eine Kapitalgesellschaft aus der Veräußerung von Unternehmensbeteiligungen erzielt, privilegiert besteuert. Aus diesem Grunde halten regelmäßig die Gründer oder Business Angels als natürliche Personen ihre Beteiligungen an dem Startup nicht direkt („Direktbeteiligung“), sondern mittelbar über eine Kapitalgesellschaft in der Rechtsform einer GmbH oder UG (haftungsbeschränkt) („Holdingstruktur“). Grafik Holdingstruktur | KPMG Im Falle einer Direktbeteiligung werden die Veräußerungsgewinne grds. (ab einer Beteiligung an dem Startup von mindestens 1% innerhalb der letzten 5 Jahre) im sogenannten „Teileinkünfteverfahren“ besteuert. Dies bedeutet, dass die Veräußerungsgewinne nur in Höhe von 60% mit dem persönlichen Steuersatz des Gesellschafters besteuert werden. Die restlichen 40% bleiben steuerfrei. Bei einem Veräußerungsgewinn von beispielsweise 550.000 EUR beträgt der Steuersatz ca. 45% (inkl. Solidaritätszuschlag). Bezogen auf die hiervon steuerpflichtigen 60% des Gewinns, beläuft sich der effektive Steuersatz in diesem Falle auf 27%. Veräußert hingegen eine Kapitalgesellschaft ihre Beteiligung an dem Startup, sind die Veräußerungsgewinne auf dieser Ebene effektiv zu 95% steuerbefreit. Die restlichen 5% unterliegen der regulären Besteuerung mit der Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer (Steuersatz in Berlin insgesamt: 30,175%). Der Veräußerungsgewinn unterliegt daher insgesamt einer Besteuerung mit einem effektiven Steuersatz von lediglich ca. 1,5%.

Beispiel 1:

Aus Vereinfachungsgründen beruht das Beispiel auf folgenden Annahmen (der Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuern werden nicht berücksichtigt):

  • Aus der Veräußerung der Anteile an der Startup GmbH wird einen Gewinn von 100 erzielt.
  • Direktbeteiligung: Bei dem Gründer wird der Veräußerungsgewinn im Rahmen des Teileinkünfteverfahrens besteuert. Der persönliche Steuersatz beträgt 45%.
  • Holding-Strukur: Der Steuersatz auf Ebene der Holding beträgt insgesamt 30% (= 15% KSt + 15% GewSt). Der von der Holding erzielte Gewinn wird an den Gründer als Dividende ausgeschüttet. Die Dividendenausschüttung unterliegt der Kapitalertragsteuer (25%).

Rechnungsbeispiel 1 neue Holdingstruktur | KPMGDurch die Holding-Struktur kann ein Liquiditätsvorteil erzielt werden. Über die Holding können 98,5 von 100 (anstatt 73 von 100) für weitere Investitionen genutzt werden. Dies gilt nach aktueller Rechtslage (Juli 2015) unabhängig von der Beteiligungshöhe der Holding an der Startup GmbH. Bei „Weiterleitung“ der Veräußerungsgewinne an den Gründer in Form von Dividenden (ohne eine Reinvestition) wird der Gründer im Ergebnis (fast) so besteuert, wie im Falle der Direktbeteiligung. Bei der Beteiligung über die Kapitalgesellschaft verbleibt daher von dem Veräußerungsgewinn nach Steuern regelmäßig ein mitunter deutlich höherer Betrag, der anschließend zur weiteren Investition (z.B. in andere Startups) genutzt werden kann. Nach aktueller Rechtslage gilt dies unabhängig davon, in welcher Höhe die Kapitalgesellschaft an dem Startup beteiligt ist.

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