Hier läuft es nicht so schief, wie es aussieht: Die Tado-Geschäftsführer Johannes Schwarz, Christian Deilmann und Leopold von Bismarck (von links nach rechts).

In München läuft’s rund. Zumindest bei dem Smarthome-Startup Tado, das nur wenige Monate nach einer abgeschlossenen Finanzierungsrunde wieder etliche Millionen einstreichen konnte. Im vergangenen September gingen 15,2 Millionen Euro an Tado, in der neuen Runde sind es noch einmal 20 Millionen Euro. Das Geld stammt von Inven Capital, dem Venture Capital-Zweig des tschechischen Energiekonzerns Čez Group.

Damit steigt die Gesamtfinanzierung der Münchner auf mehr als 50 Millionen Euro. „Wir hätten das Geld von der Čez Group eigentlich nicht gebraucht“, sagt Mitgründer Christian Deilmann im Gespräch mit Gründerszene. „Aber es war eine gute Gelegenheit und bietet viel Potential, um die Verbreitung deutlich zu beschleunigen.“

Bisher hat Tado zwei verschiedene Technologien im Angebot: Ein Thermostat, mit dem sich die Funktionen der Heizung kontrollieren lassen und das Smart AC Control, über das sich die Klimaanlage steuern lässt. Beide Geräte lassen sich mit dem Smartphone verbinden und erkennen so, wenn sich der Bewohner seinem Haus nähert oder es verlässt. Je nach Situation fährt das Gerät die Heizung oder die Klimaanlage herunter oder hoch. So sollen Hausbesitzer mehrere hundert Euro im Jahr an Energiekosten sparen – und zusätzlich die Umwelt schonen.

Anzeige
Bisher beschäftigt Tado 116 Mitarbeiter in München und verkauft seine Geräte in Europa, den USA sowie Singapur. Kooperationspartner vor Ort helfen Tado-Kunden bei der Installation und bei Problemen. Diesen Service will Tado mit den eingesammelten Millionen nun ausbauen, langfristig sollen weitere Länder in Osteuropa dazukommen. „Wir sind der Meinung, dass künftig jeder Haushalt intelligent geheizt oder gekühlt wird“, sagt Deilmann.

Das Thema Smarthome, gemeint ist die technische Vernetzung von Gegenständen im Haushalt, bewegt seit Jahren die Branche. Flaggschiff ist nach wie vor das US-Unternehmen Nest, das 2014 für gigantische 3,2 Milliarden US-Dollar von Google gekauft wurde. Neben einem Thermostat, das die Heizung oder die Klimaanlage regelt, hat Nest noch ein intelligenten Feuermelder und eine Kamera für das Zuhause im Repertoire.

Doch Nest befindet sich aktuell in einer Krise, mit 340 Millionen US-Dollar lag der Jahresumsatz in 2015 deutlich unter den Erwartungen von Google und auch das Angebot an Produkten wurde seit dem Zeitpunkt der Übernahme nicht mehr ausgebaut. Hinzu kommt, dass Chef Tony Fadell aktuell für seine Führungsmethoden kritisiert wird. Christian Deilmann sieht da aber keine Parallele zu Tado. „Klar sitzen wir grundsätzlich in einem Boot, um den Markt zu entwickeln. Aber unsere Technologie ist deutlich besser, weil wir mit mehr Haushalten kompatibel sind.“

Anders als Nest will sich Tado zunächst auch nur auf die beiden bestehenden Produkte fokussieren. Die Macher von Tado bauen ihr Unternehmen nun erst einmal unabhängig auf. Sowohl ein Verkauf als auch ein Börsengang sei aber langfristig eine Option. „Wir sind in der glücklichen Situation, dass wir sehr viele potentielle Exit-Kandidaten haben, beispielsweise Internet-, Energie- oder Telekommunikationsunternehmen“, sagt Deilmann. Vorerst hat Tado aber zunächst ein Ziel: Ende 2017 den Break-Even erreichen.


Wie es in dem Münchner Büro von Tado aussieht, seht Ihr hier: 

Bild: Tado