Glossybox-Gründer Charles von Abercron

Glossybox-Gründer Charles von Abercron

„Ich brauche kein Valley, Berlin gibt mir alles“

2013 war für Glossybox (www.glossybox.de) zuletzt ein Jahr der Neufokussierung. Weniger Mitarbeiter, weniger internationales Geschäft, dafür mehr Fokus auf die Kernmärkte. Den Mut verlor Gründer Charles von Abercron dabei allerdings lange nicht: „Wir haben zwischendurch die Würze verloren, nun kehren wir zu ihr zurück”, formulierte er es. 2014 will er innovativ und kreativ sein – ohne dabei Traumschlösser zu bauen.

Steve Jobs sagte: „Stay hungry, stay foolish.“ Wie verrückt willst du 2014 sein?

Wie viele andere Gründer von jungen Unternehmen muss ich mich jeden Tag daran erinnern, verrückt zu sein, wenn viel im Tagesgeschäft passiert. Und jeden Tag muss ich mich ebenso daran erinnern, nicht zu verrückt zu sein. Wer nicht verrückt genug ist, verhindert Innovationen, verhindert Kreativität. Wer zu verrückt ist, agiert am Markt vorbei, baut Traumschlösser ohne Fundament. Die Balance zu finden, ist die eigentliche Herausforderung.

„The best way of learning about anything is by doing“, sagt Richard Branson. Was willst du 2014 ausprobieren, um zu lernen?

Ich möchte weitere Sprachen lernen. Nur wer Sprachen beherrscht, kann in die Herzen der Menschen schauen. Und ich möchte alle uns zur Verfügung stehenden Informationen nutzen, um unseren Kunden nahe zu sein und so viel wie möglich über ihre Bedürfnisse zu lernen.

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Tesla-Chef Elon Musk meint: „Failure is an option here. If things are not failing, you are not innovating enough.“ Welche Fehler könntest du 2014 machen?

Ich gehöre anscheinend zur aussterbenden Spezies der Menschen, die sehr perfektionistisch sind und am liebsten keine Fehler machen möchten. Das spiegelt sich auch darin wider, dass wir bei Glossybox zahllose Schleifen drehen, um unsere Leistung und unser Produkt auf Herz und Nieren zu prüfen. Wenn sich doch mal ein Fehler einschleicht, beheben wir ihn damit gleich. Die IDEO-Sentenz „Fail early and often“ versinnbildlicht diese Einstellung übrigens sehr schön.

„You don’t need to be based in Silicon Valley to be a successful large company“, sagte Aaron Levie von Box. Warum ist die Stadt, in der dein Startup ist, genau die richtige?

Berlin ist für viele Unternehmen – nicht nur Startups – der richtige Ort, weil hier die Mischung der Menschen stimmt. Für Glossybox zum Beispiel brauchst Du junge Menschen mit einem sehr starken Interesse an Mode und Beauty – aber auch mit einem immensen Verständnis für das Internet und seine Dynamik. Da wir eine globale Marke sind, brauchen wir zudem Leute aus vielen unterschiedlichen Ländern. Und weil sich mittlerweile herumgesprochen hat, dass man in Berlin günstig wohnen und gut leben kann, strömen eben diese gut ausgebildeten, extrem motivierten Leute nach Berlin. Deswegen brauche ich auch kein Valley, Berlin gibt mir alles, was ich für Glossybox brauche.

Eric Schmidt sagt: „I still believe that sitting down and reading a book is the best way to really learn something.“ Welches Buch sollten Unternehmer 2014 lesen?

„Onward“ von Howard Schultz, dem Starbucks-CEO. Weil in jeder Zeile dieses Werks der Erfolg von Starbucks erklärt wird: Leidenschaft und Veranwortung. Wer seinen Mitarbeitern Freiheit gibt und von ihnen Verantwortung einfordert, wer sie darüber hinaus fair behandelt und ihnen für ihr Handeln einen höheren Zweck mit auf diese Reise gibt, der kann nicht scheitern – so Schultz. Und recht hat er.

Bild: Glossybox